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Avatar #760158
am Samstag, 12. September 2020 um 12:44

Keine normale Grippe

Grippe

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Und der Vergleich von Covid-19 mit der Grippe hinkt gewaltig. Es gibt Unterschiede auf vielen Ebenen: Kommt es zu schweren Verläufen, ist die Infektion mit Sars-CoV-2 gefährlicher, beeinträchtigt mehr Organe und führt zu einer höheren Sterblichkeit als eine Infektion mit Influenza-Viren.

Beide Erkrankungen befallen als erstes Organ nach dem Rachen die Lunge. Bei der Grippe bleibt es dabei. Zwar erleiden Patienten bei schwerer Virusgrippe auch häufiger Infarkte, oder eine Herzinsuffizienz verschlimmert sich, weil der Körper geschwächt ist und ein eventuell vorgeschädigtes Herz schneller versagt. Doch bei Covid-19 werden fast alle Organe in Mitleidenschaft gezogen, buchstäblich von Kopf bis Fuß. Das Virus nutzt den ACE-2-Rezeptor als Eingangspforte in die Zellen, und der kommt fast überall im Körper vor.

Ärzte haben daher früh gefordert, neben Beatmungsgeräten auch Dialysegeräte anzuschaffen. Viele Covid-Patienten starben an Nierenversagen, gestörter Blutgerinnung oder Herzversagen. „Wir haben Patienten mit fulminanten Embolien gesehen“, sagt Intensivmediziner Stefan Kohlbrenner aus Freiburg. „Es kommt zum Multiorganversagen. Bei der Grippe muss man vom Ein-Organ-Versagen der Lunge sprechen.“

Kardiologen haben gerade im Fachblatt Jama Cardiology gezeigt, dass akute Herzschäden bei 22 Prozent der Patienten mit Covid-19 beobachtet wurden. Bei der Grippe liegt der Anteil bei einem Prozent. Infarkte, Thrombosen, Embolien, Nierenversagen, aber auch Schlaganfälle und kognitive Ausfälle nach Infektionen mit Sars-CoV-2 wurden vielfach beschrieben. Deshalb ist die Sterblichkeit bei schweren Verläufen mit Covid-19 ungleich größer als bei der Grippe.

In der Diskussion um die Sterblichkeit kursiert oft die Zahl von 25 000 Toten in der besonders schlimmen Grippesaison 2017/18. Corona-Tote gibt es in Deutschland bisher knapp 8000, womöglich sind es bis Sommer 10 000. Die Zahl ist deswegen niedriger, weil von März an drastische Einschränkungen galten, sonst hätte es mehr Opfer gegeben.

Zudem wurden in der ungewöhnlich schweren Grippesaison 2017/18 tatsächlich „nur“ 1674 Todesfälle an Grippe im Labor bestätigt. Da in Jahren, in denen die Grippe stark wütet, mehr Menschen sterben als sonst („Übersterblichkeit“) und Influenza oft nicht als Todesursache angegeben wird, stellt das RKI jedoch Hochrechnungen an, wie hoch die tatsächliche Zahl der Opfer sein könnte. So kommen die 25 000 Todesfälle für 2017/18 zustande. In der elfwöchigen Grippesaison 2019/20, die beendet ist, liegt die Zahl der Todesopfer bei 509.

Gegen die Grippe gibt es zudem eine Impfung und eine – wenn auch schwache – Therapie. Insofern sind die Menschen dem Virus nicht völlig schutzlos ausgeliefert, wie es die Welt gegenüber Sars-CoV-2 ist. Werner Bartens
Avatar #651376
am Mittwoch, 16. September 2020 um 16:08

Wir benötigen sachliche Debatten

Es ist m.E. dringend erforderlich, dass sich alle Experten, die an der Einschätzung der jetzigen Lage (nötige und unnötige Massnahmen) interessiert sind, an einen Tisch setzen.

Bitte voreilige Ausgrenzung nicht wiederholen.

Wir brauchen in unserer Demokratie Debatten,
keine Angst vor einer anderen Meinung und Bedacht bei der Synthesenfindung.
Avatar #651376
am Mittwoch, 16. September 2020 um 16:08

Wir benötigen sachliche Debatten

Es ist m.E. dringend erforderlich, dass sich alle Experten, die an der Einschätzung der jetzigen Lage (nötige und unnötige Massnahmen) interessiert sind, an einen Tisch setzen.

Bitte voreilige Ausgrenzung nicht wiederholen.

Wir brauchen in unserer Demokratie Debatten,
keine Angst vor einer anderen Meinung und Bedacht bei der Synthesenfindung.
Avatar #633205
am Freitag, 18. September 2020 um 15:18

Für mich stellvertretender Chefredakteur untragbar

Sehr geehrter Herr Schmedt,
mit ihrem unsäglichen Artikel haben Sie sich und das Deutsche Ärzteblatt diskreditiert. Auf der einen Seite nehmen Sie den armen Jens Spahn, gegen die „BILD“ Zeitung in Schutz auf der anderen Seite stellen Sie einen Kollegen, Robby Schlund an den Pranger, der offensichtlich in der falschen Partei auch von seinem Demonstrationsrecht Gebrauch macht. Deswegen wird ihm wohl auch der akademische Grad aberkannt, den Sie aber bei Herrn „Prof. Dr. med“ Christian Drosten sehr wohl bemühen können. Auch wenn unter den Ärzten vielleicht viele die „derzeitigen Proteste für nicht gerechtfertigt“ halten gibt es Ihnen nicht das Recht in einem Standesorgan wie dem Ärzteblatt den vielen anderen den Verstand und noch schlimmer die politische Legitimation abzusprechen. Ihre private Einstellung können Sie am Stammtisch zum Besten geben. Das Ärzteblatt sollte sich auf sein Kerngeschäft, die Fortbildung, Mitteilungen und Anzeigen konzentrieren und nicht durch Editorials wie diese eine Spaltung der Ärzteschaft befördern.
Avatar #760158
am Freitag, 18. September 2020 um 15:58

Dr Dr. Burke

wenn ich die Plakate richtig gesehen habe, hat Dr. med. Robby Schlund Herrn den Kollegen Prof. dr. med. Drosten eher auf Stammtischniveau kritisiert, nämlich in Sträflingskleidung verkleidet...daher verstehe ich Ihre Argumentation nicht?

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