Kommentare News

Kommentare News

Alle Kommentare zu Online-News

Avatar #760158
am Freitag, 25. September 2020 um 19:55

Sie

antworten nicht auf das, was ich geschrieben habe, das ist auch eine Antwort. Sollten wir doch froh sein, dass die Zahlen noch so niedrig sind und nicht so wie in Frankteich https://www.sueddeutsche.de/politik/corona-marseille-frankreich-1.5026230

Oder

https://www.welt.de/vermischtes/live206935325/Corona-Zahl-der-Toten-koennte-sich-bis-Impfkampagne-verdoppeln.html

Avatar #831974
am Freitag, 25. September 2020 um 23:05

Zahlen

Lieber Wilhelm,
ja, der Corona-Virus kann sehr schlimm für einen Betroffenen sein. Das gilt aber leider nicht nur für diesen Erreger, sondern für eine Vielzahl anderer - wie sie im Folgenden erfahren werden. Ich möchte Ihnen nahelegen, sich die Vergleichsstudie, veröffentlicht beim RKI, Epid Bull 2020;41:3–10 | DOI 10.25646/7111, zwischen Corona und allen anderen Atemwegserkrankungen von Grippewellen (zusammengefasst, leider nicht nur Influenza) anzuschauen und sehr genau zu lesen. Das kühlt die Corona-Angst etwas ab, sofern man sich vor Corona von anderen Erregern noch nicht so akut bedroht fühlte. Dort wird auf Basis von Daten aus Sentinelkliniken (also nur ein Teil der Kliniken in D) nach Alter verglichen, wie viele Menschen und wie lange beatmet wurden, wieviele Menschen starben usw. Es stellt sich heraus, dass die Atemwegsinfektionen der Grippewellen der letzten 5 Jahren fast 70'000 Menschen in einem bestimmten Vergleichszeitraum, d.h. durchschnittlich fast 14'000 pro Jahr, in diese! Kliniken gebracht hat (und dabei handelt es sich nur um weniger als 2/3 der jährlichen Fälle in diesen Einrichtungen). Verglichen wird dies mit knapp 1500 Coronapatienten dieses Jahres (mehr als 3/4 der Fälle).
Eines vorweg: Ob das alles vollständig repräsentativ ist, kann man nicht sagen, auch sind natürlich die Basis der Statistiken sehr unterschiedlich, schließlich liegen sind die Zahlen von Corona nur 1/50 derer der anderen Patienten. Aus der Betrachtung vielmals ausgeschlossen wurden 17% der Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen einer Grippewelle, weil dies Kinder/Jugendliche betraf und die Kohorten sonst nicht vergleichbar gewesen wären. Ja es wurden offenbar durchschnittlich fast 2400 Kinder pro Jahr (im entsprechenden Zeitraum) mit schweren Atemwegserkrankungen (nicht Corona) in diesen Krankenhäusern behandelt. Diese Kinder hat bisher niemand bedauert und tut es auch aktuell nicht - wegen diesen Kindern macht auch keiner Kitas und Schulen zu und sperrt Spielplätze - nur wegen Corona, mit dem im Prinzip kein Kind ins Krankenhaus kommt. Die anderen mit RS, Rhino, Grippe usw. liegen trotzdem dort, auch jetzt, denn die momentane Auslastung der Krankenhausbetten ist derzeit nicht anders als sonst um diese Jahreszeit.
Weiters wurde erkannt, dass die Unterschiede des Medianalter - abgesehen von den Kindern - nicht sonderlich unterschiedlich sind und vor allem Menschen hohen Alters dort behandelt werden müssen. Für Corona liegt der Anteil an Intensivpatienten mit 37% etwas höher als für die anderen schwer Atemwegserkrankten mit 32%. Die Beatmungsquote (22% Corona vs. 14% andere Krankheiten) war höher und die Dauer der Beatmung für Coronapatienten stellt sich als etwas länger heraus. Auch starben etwa 21% der Coronapatienten, während es für die anderen Krankheiten "nur" 12% waren (und 0.1% der Kinder - sind immerhin etwa 2 oder 3 pro Jahr). Der Anteil verstorbener nach Beatmung ist mit 36% und 34% recht gleich, dort ist es also egal ob mit Corona, RS-Virus oder Influenza, 1/3 der beatmeten Patienten stirbt leider. Das Medianalter für die verstorbenen Patienten liegt jeweils bei 81, was so etwa dem Median des Sterbealters in Deutschland entspricht - nichts Aufälliges also!
Jetzt stellen wir doch diese Statistik aber doch nochmal auf richtige Füße:
In diesen Kliniken sind also dieses Jahr 330 Corona-Patienten beatmet worden und 315 Corona-Patienten verstorben. Unterstellt, es wäre auch dieses Jahr genau wie im Durchschnitt der letzten 5 Jahre gewesen, wären im gleichen Zeitraum mit irgendeiner, nicht genau angegebenen anderen Atemwegserkrankung 1960 Patienten beatmet worden, im gleichen Durchschnittsalter und nach sehr ähnlicher Leidensgeschichte wären 1680 Patienten verstorben. Wenn Sie sich vor Corona fürchten, dann bitte doch mindestens genauso vor der Grippe und anderen Atemwegsinfektionen, die Sie auf die Intensivstation bringen, vor allem wenn Sie beatmet werden müssen. Die Schäden resultieren doch oft auch gar nicht vom Erreger selbst, sondern von der Maßnahme.
Nehmen wir es nun nochmal zusammen, dann war Ihr Risiko im Krankenhaus wegen einer schweren Atemwegserkrankung (Corona, Grippe, sonstige) beatmet werden zu müssen im vergangenen Frühjahr/Sommer 16% höher und an einer schweren Atemwegserkrankung zu sterben 19% höher als im Durchschnitt! der letzten 5 Jahre. Nun hatten wir 2018 eine besonders schlimme Grippewelle, bei der Ihr Risiko sicher ebenso hoch oder noch höher gelegen hätte als inklusive Corona dieses Jahr hier (Das kann man sicher auch recherchieren). Nur hat zu dieser Zeit niemand eine solche Panik verbreitet. Es geht doch nicht darum, dass Corona harmlos ist, die Gefahr durch diese Krankheit wird nur leider massiv übertrieben, ihre Verbreitung und Ausbreitungsdynamik erst recht.
Und vor allem stößt mir bitter auf, wenn von bisher 9500 Coronatoten in Deutschland berichtet wird und von den Übersterblichkeiten im Frühjahr, ohne diese Angaben mal einzusortieren. Es ist immer schlimm, wenn jemand stirbt, nur leider sind seit Beginn des Coronazeitalters im März in Deutschland eine halbe Mio. Menschen gestorben, wenn wir den Durchschnitt von reichlich 900'000 pro Jahr, sprich etwa 2500 pro Tag ansetzen. Vor der Coronazeit hatten wir eine erheblich "negative" Übersterblichkeit. Insofern muss man da auch nochmal nachfragen, ob die Leute nicht einfach nur 2 Monate später nicht an Grippe oder RS-Viren, sondern an Corona verstorben sind und ob wir aufgrund der eher milden Grippesaison nicht vielleicht sogar mit allen Coronapatienten in den Krankenhäusern zusammengenommen insgesamt weniger Patienten behandelt und beatmet haben, ganz sicher aber begraben mussten, als während der schweren Grippesaison 2018, Impfung hin und Therapie für alle anderen Viren außer Corona her. Meinen Sie nicht, es ist an der Zeit, etwas ruhiger an das Thema heranzugehen? Und noch etwas, die Wahrscheinlichkeit als Opfer eines schweren Verkehrsunfalles im Krankenhaus zu landen ist erheblich höher als mit einer Coronainfektion - und auch die Todesrate ist mit über 3000 pro Jahr nicht niedrig, oft sind auch erhebliche Behinderungen im Anschluss zu ertragen. Trotzdem gehen wir aus dem Haus, über die Straße und fahren mit dem Auto, sei es nur zur Arbeit oder evtl. auch zum Theater, in die Oper oder mit den Kindern ins Kino, was jetzt wegen der vollkommen verzerrt gesehenen Coronagefahrenlage nicht mehr möglich sein soll. Entschuldigen Sie, es ist absurd. Ich bin nicht bereit, das Land abzureißen, unsere Kultur zu zerstören, meinen Kindern die Bildung zu verwehren und mich von der Brücke zu stürzen, weil ich Angst habe, an einer Erkältungskrankheit zu sterben. Die Hände habe ich mir schon immer gewaschen, wenn ich heim komme, angeniest habe ich sonst auch niemanden, und wenn ich ernsthaft krank war bin ich zu Hause geblieben. Dieses Vorgehen wird auch weiter genauso beibehalten, dann habe ich eine gute Chance, andere vor Schaden zu bewahren und selbst auch noch ein paar Jahre zu leben. Auf Krankheiten, die "keine Symptome" zeigen, verweigere ich den Test, wann immer dies noch legal möglich sein mag, gegen Gesetze verweigere ich mich nicht, jedoch ich tue mein Bestes, auch andere Leute von einem vernünftigeren Ansatz als dem bisher erlebten zu überzeugen. Beste Grüße.
Avatar #745246
am Sonntag, 27. September 2020 um 05:18

wilhem

Ich stelle mich mit keiner Faser gegen Ihren Wunsch sich gesund zu halten, sondern ich unterstütze diesen sogar explizit! Noch habe ich etwas dagegen das Herr Kekule seine eigene Meinung hat. Wogegen ich aber etwas habe ist, das er als Arzt öffentlich Meinungen transportiert, die wissenschaftlich einfach nicht haltbar sind.

Als weiteres Beispiel:

"Betrachtet man nur die 20-bis 70-Jährigen in Deutschland, komme man auf fast 0,8 Prozent Letalitätsquote. "

Ich nehme einfach mal an, Herr Kekule spricht eigentlich von der Letalitätsrate.(?) Schauen wir uns einmal die Definition dieses Begriffs genauer an.

"Die Letalität ist das Verhältnis der Todesfälle durch eine bestimmte Erkrankung zur Zahl der klinisch Erkrankten."

Herr Kekule sagt also damit aus, das 0,8% der 20-70 Jährigen die ERKRANKT und nicht etwa NUR positiv getestet worden, letztendlich an Covid-19 verstorben sind. Wir wissen inzwischen aber bereits, das junge Menschen nur sehr selten überhaupt(!) erkranken. Die Verwendung der IFR, die jene überwiegend asymptomatischen Verläufe mit einbezieht, wäre daher der viel geeignetere Parameter, um die reale Gefährdungslage für eine bestimme Altersgruppe abzubilden.

Die international bisher gesammelten Daten bezüglich der IFR für die betreffende Altergruppe, widersprechen den Aussagen von Herrn Kekule außerdem eindeudig! Die von Ihm angegebenen 0,8% sind also als nicht glaubwürdig und im Gesamtkontext nur als völlig tendenziös verzerrt anzusehen. Von einem Wissenschafler der öffentlich im TV als "Experte" präsentiert wird, erwarte ich erheblich mehr Evidenz und Sachlichkeit.

IFR für verschiedene Länder unterteilt in Altersgruppen:

Für Spanien vom 7 August: Covid confirmed > 0.82, Excess deaths > 1.07, Below 50 years > 0.10, Below 40 years > 0.03 (https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.08.06.20169722v1)

Für Norditalien vom 6 August: Above 70 years > 10.5, Below 70 years > 0.43, Below 50 years > <0.01, 80+, first phase > 30.40, 80+, second ph. > 8.10 (https://www.eurosurveillance.org/content/10.2807/1560-7917.ES.2020.25.31.2001383)

Für New York vom 29 Juni: Overall > 0.70, 25 to 44 y. > 0.12, <25 years > 0.01 (https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.06.28.20142190v1 & https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.06.27.20141689v1)

Für England vom 14. bzw. 21 August: July 28 (MCT) > 0,30, July 28 (ONS), 45 to 64 years > 0.50, Below 44 years > 0.03 (https://www.cebm.net/covid-19/estimating-the-infection-fatality-ratio-in-england/ & https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.08.12.20173690v2)

Für Belgien vom 20 Juni: General population > 0.43, Incl. care homes > 1.25, 45 to 64 years > 0.21, Below 44 years > 0.02 (https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.06.20.20136234v1)

Letzte Beiträge zu diesem Thema

Zusatzinfos