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Avatar #854703
am Donnerstag, 10. Dezember 2020 um 17:15

Long Covid braucht Aufmerksamkeit

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Long-COVID: Eigenes Erleben schlägt Evidenz
aus Deutsches Ärzteblatt 49/2020 vom Freitag, 4. Dezember 2020
Die Existenz eines Post-viralen Fatigue Syndroms ist unbestritten und auf breiter Basis mit hoher Evidenz objektiviert. Das prominenteste Beispiel ist die EBV Infektion, aber auch andere Viren, wie HSV oder Influenza sind Verursacher einer solchen Symptomatik. Das Chronische Fatiuge Syndrom ist anders definiert und darf erst nach 6 Monaten Beschwerdepersistenz diagnostiziert werden. Es ist unbestritten, dass auch die Infektion mit Sars-CoV2, selbst bei nur subakutem initialen Verlauf, zu einer relevanten post-viralen Fatigue und weiteren Beschwerdekomplexen führt, die auffällig lange andauern. Solide Daten zu Definition und Management dieser post-akuten Covid-19 Erkrankung stehen derzeit naturgemäß noch aus. Ebenso gibt es keine suffiziente Evidenz für die Behauptung von Frau Kollegin Lenzen-Schulte, dass „Long-Covid Beschwerden umso eher beklagt werden, wenn Betroffene zuvor schon ängstlich oder depressiv waren“.

Vom Fatigue Syndrom Betroffene werden häufig stigmatisiert und nicht ernst genommen, da die Beschwerden schwer objektivierbar sind. Nun äußern sich betroffene Ärzte und Wissenschaftler und berichten über ihre eigenen lang anhaltende Symptome nach Sars-CoV2 Infektion. Diese Personen passen nicht in die von Frau Lenzen-Schulte im Artikel „Eigenes Erleben schlägt Evidenz“ skizierte Gruppe von Patienten, die „weiblich, jung bis mittelalt sind und zuvor schon ängstlich oder depressiv waren“. In den Berichten der Betroffenen Kollegen steckt die Chance, die Stigmatisierung der post-viralen und chronischen Fatigue ad acta zu legen und gleichzeitig auch junge und nicht vorerkrankte Menschen vor einer Infektion mit Sars-Cov2 zu warnen. Es ist schwer nachvollziehbar, warum angesichts der offenbar breiten Masse von Betroffenen von Alarmismus gesprochen wird.

Ich selbst, 43 Jahre, männlich, Marathonläufer ohne Vorerkrankungen und ohne depressive Grundstimmung, habe Schwierigkeiten, mich von den Folgen der initial allenfalls milden Sars-CoV2 Infektion, die nun mehr als 7 Wochen zurück liegt, zu erholen. Irreführende Schlagzeilen zu Long Covid helfen tatsächlich niemandem, dennoch sollte die Existenz dieser Krankheitsentität öffentlich perzipiert werden.

Prof. Dr. med. David Anz
Avatar #857303
am Samstag, 12. Dezember 2020 um 23:13

Irreführende Darstellung von ME/CFS

ME/CFS ist nicht das Zusammentreffen von Fatigue und "zahlreichen unspezifischen Symptomen". Kennzeichnend für ME/CFS ist vielmehr postexertionelle Malaise (PEM), eine Verschlechterung der Symptome nach Anstrengungen (physischer, kognitiver oder anderer Art). PEM ist von keiner anderen Krankheit bekannt und objektivierbar, z. B. durch eine 2-Tages-Spiroergometrie (vgl. Snell et al., Discriminative Validity of Metabolic and Workload Measurements for Identifying People With Chronic Fatigue Syndrome, doi:/10.2522/ptj.20110368).

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