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Avatar #873110
am Mittwoch, 24. Februar 2021 um 11:07

Zweifelhafte Expertise

Die wissenschaftliche Naivität mit der behauptet wird, das Nicht-Aufsuchen von Kliniken habe keine Übersterblichkeit verursacht, ist erschreckend. 9.000 Tote durch/mit Covid-19 und 9.000 mehr Todesfälle 2020 zu 2019. Passt. Fertig. Hier wird offensichtlich keine Studienlage, keine Evidenz mehr benötigt. Es gibt in der Tat noch wenige wissenschaftliche Untersuchungen, wie z.B. die Studie des Wissenschaftlichen Institutes der AOK "Qualitätsmonitor 2020" oder die Untersuchung des Hochrhein-Klinikums zur Übersterblichkeit im Landkreis Waldshut-Tiengen. Diese kommen jedoch bisher zur Erkenntnis, dass der Rückgang der Inanspruchnahme der klinischen Notfallversorgung sehr wohl Einfluss auf die Sterblichkeit der Patienten hatte. Stattdessen verwendet Professor Busse hier seine "Milchmädchen-Rechnung".
Der anschließende Vorschlag, stationäre Notfallaufnahmen durch den MDK entscheiden zu lassen, zeugt von komplett fehlendem Verständnis klinischer Abläufe. Hier sollen tatsächlich jahrelang nicht klinisch tätige Ärzte, z.B. der Fachrichtung Gynäkologie/Geburtshilfe entscheiden, ob ein kritsicher Patient stationär aufgenommen werden soll? Wer soll denn da die Verantwortung übernehmen, wenn bei Ablehnung der Aufnahme etwas schief geht? Der MDK-Arzt???
Es ist wahrscheinlich so, dass es 10 bis 15 Prozent leichtere Fälle gibt, die man auch ausserhalb des Krankenhauses behandeln könnte. Diese in den ambulaten Sektor zu bewegen, wird dort auch Geld kosten und wird die Fixkosten in den Kliniken nicht erheblich senken, lediglich den kleineren Anteil der variablen Kosten. Das Problem mit der Fehlbelegung ist mit Überarbeitung der Vergütungsstrukturen ambulanter Leistungen für Kliniken sicher lösbar.
Was ich erschreckend finde ist, dass einer der führenden Experten am Ohr von Jens Spahn mit der reduzierten Formel "Notfälle von Kliniken fernhalten" und "kleine Kliniken schließen" Gehör findet und nachweisbare Fakten oder Praxisrelevanz keine Rolle spielen. Make Healt Great Again!
Udo
Avatar #90500
am Donnerstag, 25. Februar 2021 um 19:09

Vorab-Prüfungen wünschenswert aber untersagt

Leider sehen es aktuell die Gerichte mit den Vorab-Prüfungen anders. Es gibt ja Krankenhäuser, die vor der Aufnahme das Ganze prüfen lassen wollen. Denen wird das vom LSG Sachsen untersagt:

Aus den vorstehend skizzierten Grundsätzen zur Prüfung der Erforderlichkeit stationärer Krankenhausbehandlungen ergibt sich, dass eine Prüfung seitens des Krankenhauses vor/bei Aufnahme (§ 39 Abs. 1 Satz 2 SGB V) und seitens der Krankenkasse regelmäßig erst danach (insb. nach Eingang der Abrechnung) – ggf. unter Beauftragung des MDK (§ 275 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 1c SGB V) – vorgenommen wird. (LSG Sachsen, 26.02.2019 - L 9 KR 691/17 B ER)
Avatar #673989
am Dienstag, 2. März 2021 um 10:42

Rückgang der Fallzahlen im Krankenhaus

Herr Busse lebt leider in Berlin, einem Ballungsraum mit vielen Grosskliniken. In der Fläche sieht das aber anders aus und gerade Corona hat gezeigt, wie wichtig viele kompetente kleinere Intensivstationen für unser Land sind. Dass Patienten mit Schlaganfall oder Herzinfarkt nicht klinisch behandelt worden sind, kann doch nur ein Kodierthema sein. Wer bleibt denn halbseitengelähmt in seinem Bett liegen, ohne sich behandeln zu lassen. Hier redet Herr Busse doch Quatsch.
Dr. Linde, Mettmann

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