DÄ plusForenKommentare NewsStudienzwang vor Therapieoption?

Kommentare News

Kommentare News

Alle Kommentare zu Online-News

Avatar #659853
am Freitag, 12. Februar 2021 um 11:35

Chancen wahrnehmen statt inquisitorisch abkanzeln!

Kommentar zur Nachricht
SARS-CoV-2: Asthmaspray mit Budesonid verhindert schwere Verläufe
vom Donnerstag, 11. Februar 2021
Dieser Bericht ist höchst ärgerlich, weil er das Potential, das sich in der referierten Studie abzeichnet, mit höchst fragwürdigen formalen Argumenten abqualifiziert.
Fakt ist, dass hier ein weit verbreitetes Medikament, dessen Wirkprofil, vor allem aber dessen Sicherheit bestens bekannt und evaluiert ist, für eine (noch) nicht zugelassene neue Indikation eingesetzt wurde ("off label use") und dabei (vorläufig) nicht nur viel versprechende, sondern dramatisch positive Ergebnisse produzierte.
Welche Biasquelle sollte denn die Absenkung schwerer Verläufe um 90% so stark beeinflusst haben, dass bei Wiederholung in einem placebokontrollierten RCT nichts Relevantes mehr übrig bleibt? Würde der Autor wohl verzichten, einem Ertrinkenden ein Rettungsseil zuzuwerfen, nur weil dieses zwar eine Zulassung als Abschleppseil, nicht aber für die Anwendung am Menschen hat? Derzeit verlieren Tag für Tag noch mehr Menschen ihr Leben durch COVID-19 als in einem Jumbojet Platz finden!
Da ist es in höchstem Maße unethisch, ja sogar zynisch, sich auf formale Forderungen zurückzuziehen anstatt a) ad hoc eine Chancen-Risiko-Abwägung zum off label use zu machen und b) weitere Studien vorzuschlagen, die innerhalb von Wochen aussagekräftige Ergebnisse erbringen können, um damit a) zu wiederholen und ggf. zu adjustieren.
Eine Cluster-randomisierte Studie oder ein RCT im "play the winner" Design könnten schon nach einer überschaubaren Zahl von Patienten und in wenigen Wochen (weitere) klare, praxisrelevante Aussagen liefern. Und genau das ist das Gebot der Stunde: Evidenz als der "gewissenhafte, ausdrückliche und vernünftige Gebrauch der egenwärtig besten externen, wissenschaftlichen Evidenz für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung individueller Patienten" (Sackett DL et al. Evidence based medicine: what it is and what it isn't. BMJ 1996;312:71-72).
Avatar #599470
am Montag, 8. März 2021 um 15:40

Studienzwang vor Therapieoption?

Ich kann klresch hier nur uneingeschränkt Recht geben; diese kleine Studie aus Oxford sollte allen Klinikern und Niedergelassenen ein Aufruf sein, endlich nicht nur bei Asthma und COPD, sondern auch bei viralen Infektionen des Respirationstraktes die bisher lediglich mäßigen Behandlungsempfehlungen um den kostbaren Einsatz der Inhalativen Glukokortikosteroide (ICS) in den ersten Tagen des fieberhaften Infektes zu erweitern. Während dieser Zeit kann das Immunsystem spezielle Antikörper bilden, doch die schwere interstitielle Entzündungsreaktion der Lunge kann durch die ICS bekanntlich verhindert werden. Sollte es sich doch um eine bakterielle (Super-)Infektion handeln, kann immer noch ein adäquates Antibiotikum, ggf. nach Antibiogramm zum Einsatz kommen, bzw. auch ein Antimykotikum. Auch die Behandlung der Influenza sollte endlich auch um die vorrübergehende ICS-Gabe in den ersten 7 Tagen erweitert werden (was in anderen Ländern übrigens bereits Gang und Gäbe ist...).

Letzte Beiträge zu diesem Thema

Zusatzinfos