DÄ plusForenKommentare NewsNutzen-Risiko-Abschätzung bezüglich Sterblichkeit - Nachtrag

Kommentare News

Kommentare News

Alle Kommentare zu Online-News

Avatar #659995
am Montag, 12. April 2021 um 21:30

Nutzen-Risiko-Abschätzung bezüglich Sterblichkeit II

Kommentar zur Nachricht
SARS-CoV-2: Was tun bei Verdacht auf VITT nach Impfung mit Vaxzevria?
vom Montag, 12. April 2021
Da Gesunde geimpft werden, ist die COVID-19-bezogene Mortalität relevant. Nach Williamson et al. (nature, 20.08.2020), betrug diese Mortalität in UK in der Altersgruppe 80+ Jahre 0,57%, 70-79 Jahre 0,14%, 60 – 69 Jahre 0,05% und 50 – 59 Jahre 0,02%. In jüngeren Altersgruppen wird die Todesgefahr durch COVID-19 massivst überschätzt und sind bereits wenige letale Nebenwirkungen oder auch letale Impfversager kritisch für die Nutzen-Risiko-Bilanz (zumindest mit Bezug zur Sterblichkeit).
Ein Abwägen von Todesfällen durch Thrombosen gegen Verhinderung von Hospitalisierungen, intensivmedizinischen Behandlungen oder maschinellen Beatmungen, also gegen nicht-letale Endpunkte, erscheint mir sehr schwierig.
Leider musste ich mir diese Einschätzung selbst zusammenbasteln, gelesen habe ich sie nirgends. Warum? Rechnet das PEI eine Nutzen-Risiko-Bilanz oder genügt dem Institut die große Differenz zwischen Impffrequenz und der Frequenz schwerer, gegebenenfalls letaler Thrombosen. Wie rechnet die EMA, die an der Impfung jüngerer Menschen festhält?
Avatar #771752
am Montag, 12. April 2021 um 21:32

Behandungsemthoden

Hier gibt es eine gute und evidenzbasierte Übersicht über Behandlungsmethoden, die in jedem Fall anschlagen:
https://swprs.org/zur-behandlung-von-covid-19/
Avatar #659995
am Montag, 12. April 2021 um 21:32

Nutzen-Risiko-Abschätzung bezüglich Sterblichkeit

„Laut PEI sind bis zum 2. April nach 2.945.125 Impfungen mit AZD1222 (Vaxzevria) 42 Fälle einer zentralen Venen-/Sinusvenenthrombose gemeldet worden.“ Ist das als Risiko-Relativierung oder Nutzen-Risiko-Abschätzung gedacht?
Greinacher et al. aus Greifswald haben am 09.04.2021 Daten von 11 Personen, davon 9 Frauen (medianes Alter 36 Jahre) veröffentlicht, die schwere Thrombosen oder Thrombozytopenien nach Impfung mit AstraZeneca erlitten, 6 oder 7 der Personen starben daran (Erfassung bis zum 15.03.2021). Leider gibt Tab. 2 der Arbeit nicht die demographischen Daten (Geschlecht und Alter) der Einzelfälle an.
Der AstraZeneca-Impfstoff wurde im Februar 2021 verfügbar.
Aus den RKI-Lageberichten vom 02.02.2021 und 16.03.2021 lässt sich zusammenrechnen, dass in diesem Zeitraum insgesamt 42 Frauen im Alter zwischen 20 und 49 Jahren verstarben. Wenn alle Frauen dieser Altersgruppe mit AstraZeneca geimpft worden wären, hätte man nur maximal 42 Todesfälle verhindern können. Tatsächlich wurden bis Mitte März 3 Millionen Dosen des Astra-Zeneca-Impfstoffs verimpft. Angenommen ein Drittel davon erhielten Frauen zwischen 20 und 49 Jahre, die in Deutschland insgesamt 10 Millionen ausmachen, so hätten selbst bei einer - sehr unwahrscheinlichen - 100%igen Wirksamkeit einer Einmalimpfung nur 4 COVID-19-bezogene Todesfälle verhindert werden können. Die veröffentlichten 6 oder 7 Todesfälle an Thrombosen und Thrombozytopenien nach AstraZeneca-Impfung deuten damit sehr entschieden auf ein negatives Nutzen-Risiko-Verhältnis bezüglich Sterblichkeit in dieser Altersgruppe.
Avatar #659995
am Montag, 12. April 2021 um 21:42

Nutzen-Risiko-Abschätzung bezüglich Sterblichkeit - Nachtrag

Sorry, ich war zu schnell, vielleicht interessiert es ja jemanden:
Williamson et al. 2020: Mortalität 18 – 49 Jahre 0,002%.
Avatar #691359
am Montag, 12. April 2021 um 22:54

Was wäre wenn?

Um den Nutzen und die Risiken einer Impfung abwägen zu können, sollte man ungefähr wissen, auf welche Risiken wir uns ohne Impfung einlassen. Mortalitätszahlen vom Sommer letzten Jahres sind dazu aus verschiedenen Gründen denkbar ungeeignet.

Den besten Überblick geben die Dienstagsausgaben der täglichen Situationsberichte des RKI.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Apr_2021/2021-04-06-de.pdf?__blob=publicationFile
Fangen wir an mit der Tabelle auf S.4, bundesweit haben wir ca. 2,9 Mio. Meldefälle und knapp 80 000 Todesfälle. Meldefälle sind nicht Infektionsfälle. Nehmen wir als grobe Schätzung an, die tatsächliche Zahl der Infektionen ist dreimal so groß, also ca. 9 Millionen. Nehmen wir weiterhin an, dass bei einem R0 = 3 sich etwa 54 Mio. Menschen infizieren können, dann haben wir etwa ein Sechstel des Weges zur Herdenimmunität zurück gelegt.

Die „Heatmaps“ auf Seite 10 zeigen an, in welchen Altersgruppen das aktuelle Geschehen abläuft und erlauben gute Prognosen zur Krankenhausbelastung. Die bisherigen Impfungen der Ü80 zeigen z.B. das aktuell diese Gruppe wenig Probleme bereitet, dafür aber sind die Gruppen zwischen 55 und 65 relevant für die ITS-Belegung. Auf S. 11 sieht man sehr schön die jahreszeitlichen Schwankungen von Hospitalisierungsrate und Fallsterblichkeit. Das bedeutet, Publikationen vom Sommer/Herbst 2020 unterschätzen die Risiken von Covid 19.

Auf Seite 13 dieser Berichte sieht man die altersspezifischen Todesfälle. Das bedeutet aber auch, im worst case muss man die bisherigen Zahlen etwa mit 6 multiplizieren, bevor die Epidemie zu einem natürlichen Ende oder Gleichgewichtszustand kommt. Für Impfprogramme bedeutet dies, man muss Frauen über 60 und Männer über 55 impfen, um die meisten Todesfälle zu verhindern. Für die eigene Risikobewertung bedeutet dies, das Risiko schwerer UAW muss für jede Altersgruppe ins Verhältnis zu den vermeidbaren Todesfällen gesetzt werden (=bisherige Zahl x 5).

Letzte Beiträge zu diesem Thema

Zusatzinfos