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Avatar #659995
am Sonntag, 18. April 2021 um 21:52

Vigilant?

Bei den Bundespressekonferenzen mit Jens Spahn und Lothar Wieler haben wir uns daran gewöhnt, dass sie mehr durch Arthur Schopenhauer als von kritischem Denken geprägt sind. „Der Wille“ [Verf.: zum Lockdown und zur Macht] „macht das innere, wahre und unzerstörbare Wesen des Menschen aus“, geht jedoch mit „einer Störung und Trübung der Erkenntnis“ einher. Es ist zu befürchten, dass die „Corona-Fallzahl“ als Hauptsteuerungsinstrument milliardenteurer Entscheidungen mittlerweile zu einem Gutteil in nicht mehr als einem positiven Testergebnis besteht.
Leider trägt auch das Manuskript von Taquet et al. mehr zur „Trübung“ der Erkenntnis als zur „Clarification“ bei. Der Hauptgrund ist, dass 10 der 20 Cebralvenenthrombosen (CVT) bei Personen < 40 Jahre aufgetreten sind, während die mRNA-Impfstoffe ganz überwiegend ältere Menschen erhielten. Der Vergleich CVT nach COVID-19 und nach Impfung hinkt mithin beträchtlich. Eine (durchaus) mögliche) Auswertung nach Altersgruppen erscheint zwingend.
Während die Sterberate, die Rate schwerer COVID-19-Erkrankungen und auch die Rate an Portalvenenthrombosen mit dem Alter und in jeder Altersklasse mit den Komorbiditäten ansteigt, betreffen CVT überwiegend jüngere Menschen. CVT sind maßgeblich für die Bewertung des individuellen Nutzen-Risiko-Verhältnisse bei jüngeren Menschen, vor allem jüngeren Frauen.
Übrigens werden Gesunde geimpft und keine COVID-19-Patienten. Die mitgeteilten Todesraten sind keine „Mortality“, letztere bezieht sich auf die Gesamtbevölkerung. Auch sollten in nicht-normalverteilten Gruppen Median und Spannbreiten, nicht Mittelwerte und Standardabweichung verwendet werden.
Avatar #877804
am Montag, 19. April 2021 um 11:12

Nutzen Risiko Abwägung

Zu der Nutzen-Risiko Abwägung ist den ärtzlichen (?) oder fachlichen Kollegen durch aus bewußt worum es geht. Als betroffenenr Vater einer 28 jährigen Tochter mit SVT kann ich dazu nur sagen: wenn die altersspez. Daten zur Nutzen/Risiko Abwägung vielleicht etwas früher
vom PEI kommuniziert worden wären (bei dem 1.Stop 1:100 000, beim 2. Aussetzen 1: 15 000) hätte ich meine Tochter mit ASTRA nicht impfen lassen. Das Risiko in dieser Altersgruppe schwer an COVID 19 zu erkranken ist höher als eine SVT zu bekommen. Das dazu. Bei vielen normal zugelassenen Medikamenten (keine Schnellzulassung) liegen auch deutlich bessere Daten vor um solch eine Abwägung zu treffen. Ihre letzten Sätze auch eine SVT durch COVID-Erkrankung in dieser Altersgruppe zu bekommen enthalten die Wörter: vermuten, ähnlich, wahrscheinlich. Wenn sie auf Vermutungen ihre Nutzen/Risiko Abwägung betreiben, ja dann. Ein bischen Schwund ist immer ? Auf welcher Basis betreiben sie dann ihre Abwägung? Natürlich auf Grundlage von Daten und Erfahrungen. Und um dies geht es hier auch beim Impfen. Risiken minimieren bzw. wenns geht ausschließen. Wieviel SVT durch Impfreaktion halten sie denn für tolerabel bei ca. 80 mio. Impflingen ?
Was mittlerweile klar aus den zeitverzögerten(s. England) Daten hervorgeht ist das in alterspezifischen Gruppen das Risiko signifikant höher ist eine SVT mit vektorbasierten Impfstoffen zu bekommen als eine schwerwiegende COVID Erkrankung. Deshalb auch das neue Impfvorgehen (Nutzen/Risiko Abwägung). Wir haben ja Alternativen, die auch NW haben mit (im moment) geringeren Risiken. Wer kein Impf-Risiko haben will läßt sich halt nicht impfen, trägt dafür ein anderes Risiko.
Übrigens bin ich froh in diesem Gesundheitssystem (wo man auch Geld verdient) zu leben mit einem hohen Anspruch an Transparenz und Qualität. Auch hier sterben Menschen, allerdings weniger als in Ländern mit schlechten Gesundheitsdiensten. Fboehmke, falls sie das nicht verstehen impfen sie 20-60 jähr. Pat. mit AS
Avatar #877804
am Montag, 19. April 2021 um 11:16

Nachtrag

Risiko in der Altersgruppe schwer an COVID zu erkranken ist niedriger als eine SVT zu erleiden. Sorry, die Emotionen.
Avatar #659995
am Montag, 19. April 2021 um 12:22

Vigilant? - Nachtrag

@BB-DD, Ihren Vorwurf der unkritischen Publikation dieses redaktionellen Beitrags auf aerzteblatt.de teile ich. Warum musste nec den Titel der Oxford-Pressemitteilung „Risk of rare blood clotting higher for COVID-19 than for vaccines“ noch zuspitzen „Risiko von Sinusvenenthrombose nach COVID-19 viel höher als nach Impfung“?
Zu dem, was in den Kommentaren schon gesagt wurde (werden gleiche Altersgruppen verglichen, werden Gesunde mit Gesunden und Kranke mit Kranken verglichen) bin ich auf ein wesentliches Orientierungskriterien gestern noch nicht eingegangen: Werden Fälle mit Tod als härtestem Endpunkt berichtet.
Taquet et al. führen (in Tabelle 2) bei mehr als einer halben Million COVID-19-Patienten 4 Todesfälle nach CVT an, Greinacher et al., auf deren Publikation ausdrücklich Bezug genommen wurde, beschreiben (ebenfalls in Tabelle 2) – leider ohne individuelle demographische Daten – 6 Todesfälle nach CVT in einer analysierten Gruppe von 11 Patienten (9 Frauen) im medianen Alter von 36 Jahren (Spannbreite 22 – 49 Jahre) mit thrombotischen Komplikationen nach AstraZeneca-Impfung. Greinacher et al. liefern leider keine Anhaltspunkte, wie viele Personen, namentlich auch Frauen, der Altersgruppe 22 – 49 Jahre im Ereigniszeitraum den AstraZeneca-Impfstoff erhielten, es dürften aber nicht wesentlich mehr als eine Million gewesen sein.
Der geschilderte Sachverhalt bezüglich letaler CVT nach COVID-19 und AstraZeneca-Impfung in Deutschland berechtigt meines Erachtens zu großer Skepsis bezüglich der Schlussfolgerungen von Taquet et al. (siehe auch https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=1041&typ=1&nid=122872&s=vitt)
Avatar #659995
am Montag, 19. April 2021 um 15:58

Vigilante Unruhe

Die Presseverlautbarung zum CVT-Risiko zitiert Professor Paul Harrison abschließend wie folgt:
‘We’ve reached two important conclusions. Firstly, COVID-19 markedly increases the risk of CVT, adding to the list of blood clotting problems this infection causes. Secondly, the COVID-19 risk is higher than we see with the current vaccines, even for those under 30; something that should be taken into account when considering the balances between risks and benefits for vaccination.’
In ihrem Manuskript analysieren Taquet et al. Daten eines großen US-amerikanischen Gesundheitsnetzwerks (TriNetX Analytics) und finden bei mehr als einer halben Million Einträgen mit einer ICD-10-Diagnose für COVID-19 (U07.1) 20 Patienten bei denen gleichzeitig eine I67.6 (nichteitrige Thrombose des intrakraniellen Gefäßsystems) kodiert wurde, 6 der Patienten (30%) waren < 30 Jahre alt. Altersabhängige Analysen des CVT-Risikos werden nicht durchgeführt, insbesondere nicht für Patienten < 30 Jahre.
Zusätzlich werden in der Datenbank 2 I67.6-Codierungen bei knapp einer halben Million Menschen aufgespürt, die eine COVID-19-Impfung erhalten hatten (1 Eintrag nach BioNTec, 1 Eintrag ohne Angabe des verwendeten Impfstoffs). Es finden keinerlei weitere Analysen dieser 2 vermeintlichen CVT-Fälle nach Impfung statt.
Von den zwei „wichtigen Schlussfolgerungen“ Paul Harrisons verdient die erste, dass COVID-19 das CVT-Risiko steigert, durchaus weitere Beachtung und ist die zweite eine Zumutung. Die Arbeit liefert keinerlei Belege für das Nutzen-Risiko-Verhältnis, schon gar nicht bei Personen < 30 Jahre. Sie impliziert zudem völlig ungerechtfertigt, dass alle COVID-19-Impfstoffe ein vergleichbares CVT-Risiko bergen. Damit ignoriert Paul Harrison die aufwändige Arbeit seiner ärztlichen Kollegen Greinacher et al. und Schultz et al. zur Charakterisierung des Risikos einer thrombotischen Immun-Thrombozytopenie nach AstraZeneca-Impfung in gleicher Weise wie die Aufarbeitung der Problematik durch PRAC und EMA

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