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Avatar #691359
am Montag, 17. Mai 2021 um 22:24

Handwerkliche Schnitzer

Auf Seite 10 des Thesenpapiers steht folgender Satz:
„Demnach gab es in Deutschland Ende 2017 in 1.160 Krankenhäusern insgesamt 28.031 Intensivbetten, was etwa 33,9 Intensivbetten pro 100.000 Einwohnern entspricht. Diese befanden sich größtenteils (27.864 Intensivbetten) in Allgemeinen Krankenhäusern der Spitzen- oder Maximalversorgung.“

Lt. Herrn Schrappe befinden sich fast 100% der ITS-Betten in Häusern der Spitzen- und Maximalversorgung. Wenn man sich dagegen die aktuellen verfügbaren Betten nach Versorgungsgrad anschaut, kommt man auf ganz andere Zahlen:
14230 Betten bei Schwerpunkt- und Maximalversorgern
23410 Betten bei alle Versorgungsgrade
https://www.intensivregister.de/#/aktuelle-lage/laendertabelle

Also ich persönlich finde die Frage, ob die Zahl der Intensivbetten bei den Häusern der Grund- und Regelversorgung ein reichliches Drittel oder fast Null ist, schon irgendwie wichtig. Wenn Herr Schrappe wenigstens etwas Hintergrundwissen über die Kran­ken­haus­struk­tu­ren hätte, wäre ihm dieser Fehler nicht passiert.

Und wenn die gesamte zitierte Literatur des Thesenpapiers ausschließlich von Herrn Schrappe stammt, so hat dies auch ein gewisses Geschmäckle.
Avatar #673989
am Montag, 17. Mai 2021 um 22:35

Schrappe hat keine Ahnung

Wann kommt ein Patient auf eine IPS? Wenn er mehr Betreuung braucht als auf einer Normalstation zu wenn er technische Unterstützung braucht, die 24h betreut werden muss. Super, dass unser Land das in der Fläche anbieten kann. Wer am Schreibtisch diese Vorteile ignoriert, handelt fahrlässig.
Avatar #822254
am Montag, 17. Mai 2021 um 22:52

Keine Ahnung?

Natürlich kommen jetzt wieder alle Berufsbetroffenheitsempörten und behaupten, Schrappe habe keine Ahnung und ja in keiner der drei Wellen an vorderster Front gestanden.

Ich aber schon, und ich kann mich ebenfalls nur wundern, dass Spahn und Co letztes Jahr um die 7000 Betten in 30 Krankenhäusern platt gemacht und nun hunderte Beatmungsgeräte nach Indien geschickt haben. Und das alles in einer Zeit, in der massivste Grundrechtseinschränkung mit einer angeblich drohenden "Übrforderung des Gesundheitswesens" aufgrund steigender Inzidenzen durchgedrückt wurden, als die Zahlen (genauso wie schon beim ersten Lockdown) tatsächlich bereits wieder fielen.

An alle die Reflexempörten, die es nun angeblich wieder besser wissen, und erneut einen anerkannten Experten diffamieren wollen, frage ich, wieso wir immer noch nicht verpflichtend das Altenpflegepersonal testen, aber schon Schulkinder geimpft werden sollen, obwohl klar ist, dass diese nur in Ausnahmefällen schwer erkranken, deren Impfung aufgrund fehlender steriler Immunität aber nichts zur Herdenimmunität beiträgt?

Bitte nur ernstgemeinte, sachliche Zuschriften, keine Diffamierungen, Danke...
Avatar #745246
am Dienstag, 18. Mai 2021 um 09:53
geändert am 18.05.2021 09:54:49
geändert am 18.05.2021 09:55:39
geändert am 18.05.2021 10:01:26

@Staphylococcus rex - Ich glaube wenn, dann fehlen IHNEN hier die Detailkenntnisse

Das Thesenpapier von Herrn Schrappe ist ein besonders krasses Beispiel für den Dunning-Kruger Effekt und zeigt auf, was passiert, wenn Ökonomen ohne medizinische und organisatorische Detailkenntnisse Schlussfolgerungen außerhalb ihres Fachgebietes ziehen. 1. Kein einziges Mitglied der Autorengruppe gehört zu denen, die während der drei Covid Wellen an vorderster Front in den Krankenhäusern um das Leben der Patienten gekämpft haben. Das ist in etwa so, als ob ein Taubstummenverein die künstlerische Arbeit eines Symphonieorchesters bewerten soll. 2. Herr Schrappe echauffiert sich über die späte Verfügbarkeit an Echtzeitdaten über die Altersstruktur der ITS-Patienten. Nur, Echtzeitdaten gibt es nur mit Meldepflicht oder bei totaler Vernetzung unter Missachtung aller Datenschutzvorgaben. Beides hat seinen Preis, einen Preis, den nicht Herr Schrappe bezahlen muss. Detaillierte Daten zu den Patienten (Alter, Beatmungsdauer etc.) kommen später mit den Abrechnungsdaten. Aber so lange kann Herr Schrappe offensichtlich nicht warten. 3. Unterschiedliche ITS-Verweildauern in den unterschiedlichen Altersgruppen werden komplett ignoriert, auch hier würden die Abrechnungsdaten vieles klarstellen. Ansonsten kann ich mich hier den Argumenten von DIVI und MB nur anschließen. Wenn ein Ökonom auf statistische Besonderheiten hinweist und die Auswertung gemeinsam mit Fachleuten vor Ort durchführt, wäre dies eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und völlig in Ordnung. In der vorliegenden Form wird im Thesenpapier zwar mehrfach auf fehlende Fakten verwiesen, dies hindert aber Herrn Schrappe nicht daran, sich seine eigene Phantasiewelt zu erfinden.
Fachfremd???

Dazu aus dem Lebenslauf von Matthias Schrappe:

- 1973-1981 Studium und Promotion Humanmedizin Universität zu Köln
- 1990 Facharzt für Innere Medizin
- 1990 Habilitation für das Fach Innere Medizin (Klinische Infektiologie)
- 1995 Teilgebietsbezeichnung Hämatologie und Internistische Onkologie
- 1996 Teilgebietsbezeichnung Gastroenterologie
- 1996 Außerplanmäßige Professur der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln
- 2009 Ruf auf die W3-Professur und Leitung des Institutes für Patientensicherheit der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn

>>> http://www.matthias.schrappe.com/index_htm_files/cv_lang.pdf

Zur vermeintlich erhöhten Verweildauer:

Folgende Auswertungen wurden für den Beirat des BMG nach § 24 KHG zur Überprüfung der Auswirkungen der Regelungen des COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetzes vorgenommen:

"Die mittlere Verweildauer verlängerte sich im DRG-Bereich insgesamt um ein Prozent von 5,98 auf 6,02 Tage. In den kleinen Krankenhäusern sank die Verweildauer um 0,09 Tage, während sie in den großen um 0,14 Tage zunahm. Die Verweildauertage gingen fast so stark zurück wie die Fallzahlen: um zwölf Prozent. Bei den kleinen Krankenhäusern betrug der Rückgang dabei 15 Prozent, bei den mittleren 13 Prozent und bei den großen elf Prozent."

"Durch den Rückgang der Verweildauertage sank auch die Bettenauslastung deutlich: im DRG-Bereich insgesamt von 75,1 Prozent im Jahr 2019 auf ein historisches Allzeittief von 67,3 Prozent im vergangenen Jahr. Dabei sank die Bettenauslastung in den kleinen Krankenhäusern um 9,7 Prozentpunkte auf 62,1 Prozent, in den mittleren um 8,3 Prozentpunkte auf 66,3 Prozent und in den größeren um 7,0 Prozentpunkte auf 71,2 Prozent."

"Deutliche Unterschiede zwischen den Bettengrößenklassen gab es auch bei den Verweildauertagen auf den Intensivstationen. Während die Zahlen in den kleinen Häusern um fünf Prozent und in den mittleren um zwei Prozent zurückgingen, stiegen sie in den großen Häusern um ein Prozent an."

>>> https://www.aerzteblatt.de/archiv/218200/COVID-19-Pandemie-Historisch-niedrige-Bettenauslastung
Avatar #691359
am Dienstag, 18. Mai 2021 um 21:41

@Andre B., Wenn Sie schon persönlich werden,

dann haben Sie sich eine direkte Antwort verdient. Wenn die Fähigkeit zum verstehenden Lesen bei Ihnen vorhanden wäre, hätten Sie die Biografie von Prof. Schrappe bis zum Ende gelesen. Bereits seit 1996 hat er sich mit dem Aufbau eines QM-Systems aus der hauptberuflichen praktischen Patientenversorgung verabschiedet. Seit 1996 sind 25 Jahre vergangen, das darf man durchaus als fachfremd in Bezug auf aktuelle Vorgänge in der Intensivmedizin bezeichnen.

Die von Ihnen zitierten Verweildauern sind globale Zahlen von 2020 ohne Berücksichtung des Alters der Patienten und ohne Zuordnung zu den Phasen der Epidemie, sind also irrelevant für die Bewertung des Thesenpapiers von Herrn Schrappe. Ihm waren diese Zahlen sicher auch bekannt.

Ihre Kommunikationsstrategie besteht zu 50% aus dem Herbeten der Biografien der von Ihnen bevorzugten Eminenzen und zu 50% aus dem Kopieren von Textabschnitten, die Sie inhaltlich nicht verstanden haben. Auf dieser Basis ist eine Sachdiskussion mit Ihnen ausgeschlossen.

Was ich Herrn Schrappe vorwerfe ist nicht die Tatsache, dass er Ökonom ist, sondern die Selbstüberschätzung, mit der er eine unzureichende Datenlage bewertet. Mit den detaillierten Abrechnungsdaten der zweiten und dritten Welle werden sich viele Fragen beantworten lassen, aber auf diese Daten wird er noch warten müssen. Wenn Herr Schrappe Zweifel an der ITS-Pflichtigkeit vieler Patienten hat, könnte eine Punktprävalenzstudie auf einer oder mehreren ITS diese Frage klären. Aufgrund seiner Biografie hätte er dazu in mehreren Kliniken dazu die Chance gehabt. Herr Schrappe hat bewusst auf die Einbeziehung von Fachleuten aus der Intensivmedizin verzichtet, er hat darauf verzichtet, fehlende Abrechungsdaten auf anderem Weg vor Ort zu verifizieren, er stellt Behauptungen auf ohne sie wirklich zu beweisen und er hat in seinem Thesenpapier grobe handwerkliche Schnitzer. Durch den vorschnellen Gang an die Presse verhindert er eine Rückkopplung mit den betroffenen Berufsgruppen.

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