DÄ plusForenKommentare PrintKommentar der Deutschen Gesellschaft der Plastischen Chirurgen (DGPRÄC)

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Avatar #887898
am Montag, 14. Juni 2021 um 21:27

Falsche Richtung

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Ästhetische Eingriffe an Universitätskliniken: In Grenzen akzeptabel, aber nicht „geadelt“
aus Deutsches Ärzteblatt 22/2021 vom Freitag, 4. Juni 2021
Der Artikel mag Gedanken aus dem Elfenbeinturm zusammenfassen, allein die gesellschaftliche Realität wird völlig falsch eingeschätzt.
Die Ästhetik ist eine der vier Säulen der Plastischen Chirurgie. Eine Uni Klinik, die sich die zusammengefassten Gedanken zu eigen machte, würde einen Teil ihrer Weiterbildungsermächtigung abgeben müssen sowie einen Teil ihrer Mitarbeiter schneller als bisher verlieren. Zudem - nicht ganz unwesentlich in der ökonomisierten Medizin - würde ein Teil der Einnahmen außerhalb jeden Budgets wegfallen. Als Plastische Chirurgen sollten wir im Gegenteil uns der Ästhetik klar verschreiben, weil viele unserer Therapieverfahren auch und gerade deswegen erfolgreich sind, weil wir auch ästhetisch operieren. Wir müssen die Avantgarde der Ästhetischen Operateure sein, gerade weil wir das funktionelle mit dem ästhetischen verbinden können.
Die Gesellschaft verlangt nach dieser Chirurgie. Wenn sich universitäre Plastische Chirurgien dem nicht stellen, werden sie in diesem Bereich marginalisiert (oder sind es schon). Andersherum: wenn sich Universitäten als Speerspitze der Medizin verstehen, sollten sie den Begriff Lebensqualität in ihr Konzept integrieren und verstehen, dass Menschen heute andere Bedürfnisse haben, als es einem Medizinethiker in den Sinn kommen kann. Universitäten, die diese Art der Medizin zB auch in wirtschaftlich ausgegliederten Bereichen betreiben, sind jedenfalls in der Lage, mit Fug und Recht „komplette Plastiker“ auszubilden, ihre Fach- und Oberärzte länger zu halten und damit dem Versorgungsauftrag auch in dieser Richtung seriös Rechnung zu tragen. Universitäten können nur dann die Richtung vorgeben, wenn sie wissen, wovon sie sprechen. Also sollte es eigentlich heißen, nicht weniger, sondern mehr Ästhetik als universitärer Auftrag. Die Gesellschaft würde profitieren.
Avatar #967480
am Montag, 16. August 2021 um 18:20

Kommentar der Deutschen Gesellschaft der Plastischen Chirurgen (DGPRÄC)

Die Autorengruppe der Universität Münster verfasst ohne weitere externe Abstimmung eine Stellungnahme zur Durchführung von ästhetischen Eingriffen an Universitätskliniken per se. Die Schlussfolgerungen aus vorliegender ethischer Sicht erfordern aus der Perspektive der größten fachbezogenen Gesellschaft wichtige Ergänzungen und Anmerkungen.
Jeden Eingriff, der nicht von den Krankenkassen als Kostenträger übernommen wird, als ästhetischen Eingriff zu bezeichnen, ist falsch und geht an der Realität völlig vorbei. Eine Kostenzusage allein scheidet daher als Entscheidungskriterium aus.
Für die Planung und Durchführung der ästhetischen Medizin gelten elementare Grundprinzipien, die richtig angeschnitten sind und von uns vertreten werden. Dazu gehören v.a. die gewissenhafte Aufklärung, an die erhöhte Anforderungen zu stellen ist, wie es auch die Rechtsprechung verlangt. Dies betrifft auch die Patientenauswahl, die eine dysmorphe Veranlagung ausschließen muss. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die operative Durchführung und Nachbetreuung der Patienten nach medizinischen Standards.
Eine Reduzierung der Thematik auf den universitären Bereich wird dem Thema nicht gerecht und erschließt sich nicht, denn dies betrifft jedes Krankenhaus, das sich den ärztlichen Prinzipien verpflichtet fühlt. . Gerade in der ästhetischen Chirurgie ist eine Qualitätskontrolle dringend erforderlich, um die Bevölkerung vor selbsternannten „Schönheitschirurgen“ zu schützen.
Kritisch anzumerken und fehlend im Beitrag ist die Bedeutung einer Durchführung ästhetischer Eingriffe in fachärztlicher Hand, für die bislang (leider) der Gesetzgeber keinerlei Schutz bietet und damit auch dem Wildwuchs Tür und Tor offenlässt.

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