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am Donnerstag, 16. September 2021 um 08:59

Patienten-Täuschung durch Zweiklassenportale

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Ein Drittel der Patienten liest Onlinebewertungen vor Arztbesuch
vom Dienstag, 31. August 2021
Endlich bewegt sich die Auseinandersetzung um Jameda vorwärts Richtung BGH, denn die alles entscheidende Neutralitätsfrage Jamedas ist nach wie vor ungeklärt und alle bisherigen Urteile bei den OLGs unterliegen einem Neutralitäts-Vorbehalt. Bisher konnte sich Jameda durch einen Relaunch nach diversen OLG-Urteilen aus der Affäre ziehen. Das könnte sich bald ändern, denn der BGH wird sich dieses Jahr mit der Neutralität des Portals befassen. Bei der Frage, ob Jameda neutral am Markt operiert, werden hoffentlich auch mögliche verdeckte Vorteile wie das Aufbessern von Bewertungs-Durchschnitten zugunsten zahlender Kunden – und damit auf Kosten der zwangsgelisteten Kollegen - zur Sprache kommen. Ein Radiofeature des Südwestrundfunks (SWR2) vom Februar 2021 berichtet von einem Plastischen Chirurgen, dessen Jameda-Bewertung bis zum Entzug seiner Approbation mit der Bestnote 1,0 angegeben war. Schlechte Bewertungen des Jameda-Kunden, der zahlreiche Patientinnen bei Brust- und Nasenoperationen erheblich geschädigt hatte, wurden vom Portal reihenweise gelöscht. In der gleichen Sendung berichtete der Berliner MKG-Chirurg Udo Schwarzott, wie einfach er als Jameda-Testkunde schlechte Bewertungen löschen lassen konnte: Ein kurzer Anruf bei der Jameda-Kundenbetreuung genügte. Als der Chirurg nach der kostenfreien Testphase keinen Vertrag bei Jameda abschloss, fiel diese Möglichkeit weg und es wurde plötzlich sehr schwierig, negative Bewertungen löschen zu lassen. Vor diesem Hintergrund wirken Jamedas gebetsmühlenartig vorgetragenen Beteuerungen, man behandele alle Ärzte gleich, wenig glaubwürdig. Jameda könnte den Vorwurf der Bevorzugung zahlender Kunden wenigstens teilweise entkräften, indem bei allen Ärzten nachprüfbar die Zahl der gelöschten Negativbewertungen angegeben würde. Eine Herausgabe dieser Daten lehnte das Portal jedoch auf Nachfrage der SWR-Journalistin ab. Der BGH wird jedenfalls bald die Möglichkeit haben, dem Web-Auftritt eines Portals ein Ende zu bereiten.

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