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Organspende

Organspende

Wie kann die Zahl der Organ­spenden erhöht werden? Viele halten die sogenannte Wider­spruchs­regelung für eine Lösung, nach der Organe entnommen werden dürfen, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten nicht wider­sprochen hat. Kritiker sehen darin einen Eingriff in ihr Selbst­bestimmung­recht.

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am Montag, 30. Dezember 2013 um 14:56

Pro Zustimmungsregelung

Jedes Jahr sterben rund tausend Menschen, die auf ein Organ warten. Es gibt viele schwerstkranke Patienten, denen mit einer Transplantation geholfen werden könnte. Daran besteht kein Zweifel. Und die meisten Menschen sind grundsätzlich auch bereit, ihre Organe zu spenden. Doch wieso besitzen dennoch nur zwölf Prozent der Deutschen einen Organspendeausweis?

Nach der bisher in Deutschland geltenden erweiterten Zustimmungslösung dürfen einem Toten nur dann Organe entnommen werden, wenn er sich zu Lebzeiten damit einverstanden erklärt oder wenn die Angehörigen ausdrücklich einer Explantation zustimmen. Nach der Widerspruchslösung gilt automatisch jeder als einverstanden mit der Organentnahme, wenn er nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen hat. Das könnte die Zahl der Organspenden deutlich erhöhen.

Doch Nächstenliebe kann nicht gesetzlich verordnet werden, und der Wunsch zu helfen, rechtfertigt keinen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht. Schließlich geht es bei Sterben und Tod um äußerst persönliche und sensible Bereiche. Und es muss ja wohl Gründe geben, warum so viele Menschen letztlich doch davor zurückschrecken, den Organspendeausweis zu unterzeichnen. Häufig ist es die Angst, dass beispielweise nach einem Unfall nicht alles getan wird, um ihr Leben zu retten. Auch wenn diese Ängste unberechtigt sind, so müssen sie doch ernst genommen werden. Letztlich können sie nur durch eine umfassende Information aus dem Weg geräumt werden.

Und der Blick ins Ausland zeigt, dass beispielsweise in Schweden nach mehrmaligem Wechsel zwischen Zustimmungs- und Widerspruchslösung keine Veränderungen der Spenderaten festzustellen waren. In Spanien, das für den Erfolg der Widerspruchslösung steht, ist der Einsatz von Transplantationskoordinatoren hervorragend organisiert. Nirgendwo sonst in Europa sind die Aktivitäten zur Förderung der Organspende vergleichbar. Das macht den spanischen Erfolg aus und zeigt zugleich, dass es bessere Wege als eine Gesetzesänderung gibt, um die Zahl der Transplantationen zu erhöhen.
Gisela Klinkhammer

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Zusatzinfos

Welche Regelungen gibt es?

  • Zustimmungsregelung
    Nur wer zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat, ist potenzieller Organspender (Organspendeausweis). In Deutschland gilt die „erweiterte Zustimmungsregelung“: Die Angehörigen können nach dem mutmaßlichen Willen des Verstorbenen entscheiden, wenn sich dieser nicht geäußert hat.
  • Widerspruchsregelung
    Organe dürfen entnommen werden, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. Bei der „erweiterten Wirderspruchsregelung“ haben die Angehörigen ein Vetorecht. Eine solche Regelung gilt unter anderem in Österreich und Spanien. BH