DÄ plusForenSchweizAls Arzt in die Schweiz? Keine Illusionen haben!

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Wer einen Arbeits­aufenthalt im Ausland plant, hat viele Fragen. In diesem Forum können Ärzte aus dem Ausland ihre Erfahrungen weitergeben und sich mit mit Ärzten in Deutschland austauschen.Wer einen Arbeits­aufenthalt im Ausland plant, hat viele Fragen. In diesem Forum können Ärzte aus dem Ausland ihre Erfahrungen weitergeben und sich mit mit Ärzten in Deutschland austauschen.

Avatar #89856
am Montag, 2. August 2010 um 23:21
geändert am 03.08.2010 00:05:19
geändert am 03.08.2010 18:48:43
geändert am 04.08.2010 19:36:42
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geändert am 08.08.2010 23:13:04
geändert am 10.08.2010 21:56:00
geändert am 12.08.2010 23:35:39

Als Arzt in die Schweiz? Keine Illusionen haben!

Beim Lesen der Beiträge zum Thema fällt auf, dass es nur wenige fundierte Statements gibt - da kommt Lectro nicht umhin, doch einen Beitrag zu verfassen.

Lectro kennt das Gesundheitssystem von 4 Staaten aus eigener Anschauuung: Dasjenige des sogen. Realsozialismus, die Varianten aus der Bundesrepublik und den britischen Inseln und nun seit 10 Jahren die eidgenössische.

1. Atmosphärisches:
Wer in die Schweiz gehen möchte, muss sich darüber im Klaren sein, dass die Ressentiments gegenüber Deutschen schon immer gross waren, in den letzten 6-8 Jahren aber massiv zugenommen haben. Das gilt zumindest für die Deutschschweiz, für die ich hier generell sprechen möchte (Wer gut - nicht unbedingt sehr gut - italienisch oder französisch spricht, ist in der Romandie oder im Tessin eher willkommen).
Ein Grund liegt wohl darin, dass viele Deutschschweizer gegenüber Deutschen einerseits einen Minderwertigkeitskomplex haben (auch, weil sie nicht so schnell Schriftdeutsch sprechen können), andererseits aber im Stillen die Schweiz für das tollste und vollkommenste Land der Welt halten, allen Nachbarn weit überlegen. Allerdings braucht man nun aber ausgerechnet (weil man selbst gern tiefe Steuern zahlt und Kosten für Bildung einspart) ein paar gut ausgebildete Arbeitskräfte von dort, die dann zu allem Überfluss vielleicht noch Vorgesetzte der Einheimischen werden, da gedeihen Ressentiments und Aggressionen aus gekränktem Grössenwahn prächtig.
Das klingt vielleicht etwas pauschalierend, ist aber durchaus so gemeit, denn im öffentlichen Diskurs im vermutlich fremdenfeindlichsten Staat Europas kommen Ausländer überwiegend als suspekte Gestalten vor, welche in die Schweiz einwandern, um deren Sozialwerke zu plündern und undankbar dafür sind, dass sie von den selbstlosen Schweizern aus Elend und Arbeitslosigkeit gerettet wurden. Auch Deutsche werden durchaus so gesehen.
Im Spital, z.B. beim Vorstellungsgespräch, wird man das zunächst nicht zu spüren bekommen, dort sind 50% der Mitarbeitenden Ausländer und man braucht den Bewerber mangels eigenen ärztlichen Nachwuchses ja. Das ändert sich, wenn man dann in den Alltrag abtaucht.
Es gibt inzwischen eine stattliche Anzahl von Büchern zum Theme (alle von Schweizern geschrieben), die verniedlichen die zum Teil rüde Behandlung insbesondere von Deutschen zwar gern oder bieten Rechtfertigungen, welche bis 1933 zurückreichen an, man sollte sie zur Vorbereitung ruhig lesen, die Realität sieht dann noch anders aus.
Besonders hervorzuheben ist die Situation im Kanton Zürich, wo auch in Zeitungen regelmässig das Thema "wie viele Deutsche erträgt die Schweiz" auflagenfördernd aufgegriffen wird. Die zugehörigen Leserbriefe lassen dabei oft ein solches Mass an Hass und Verachtung erkennen, dass man eine Ahnung davon bekommt, wie gern man die inzwischen 250000 Deutschen wieder nach Hause schicken würde, wenn man denn nur könnte.

2. Sprache
Die Umgangssprache der Einheimischen wird allgemein als Schweizerdeutsch bezeichnet, letztlich stammt sie, wie die Schweizer selbst, vom Schäbischen ab, nur die Sprache der Basler hat ihren Ursprung im Elsass, was ihnen, zusammen mit der Lage jenseits des Jura oft Anfeindungen aus der übrigen Deutsch-schweiz einbringt.
Da mindestens in jedem Kanton, oft auch von Tal zu Tal eine andere Abart des Schweizerdeutschen gesprochen wird, haben es sowohl Zugewanderte als auch Romands und Tessiner in der Deutschschweiz sprachlich nicht einfach.
Ohwohl alle Zeitungen und auch ein Teil der Radio- und Fernsehsendungen und natürlich alle politischen Verlautbarungen aber auch Produktbe-schriftungen in Schriftdeutsch gehalten sind, legen viele Schweizer grossen Wert auf die Feststellung, dass für sie Schriftdeutsch eine nur ungern gesprochene Fremdsprache sei.
Von Deutschen, welche in die Schweiz lommen, wird erwartet, dass sie das Schweizerdeutsche ihrer Wohnregion verstehen. Die Geister scheiden sich daran, ob sie auch selbst die jeweilige Mundart zu erlernen hätten. Wer dies versucht, sollte es wirklich ernsthaft betreiben, Schweizer sind schnell beleidigt, wenn sie den Eindruck gewinnnen, man persifliere ihre Sprache.
The worst case: An schriftdeutsche Worte ein -li dranhängen und meinen, dass sei Schweizerdeutsch.

3 Arbeitsalltag
Im Gegnsatz zu den Meiungen anderer Autoren in diesem Forum vertrete ich die Ansicht, dass die Hierarchien in der Schweiz nicht flacher sondern sogar höher als in D. sind.
Man darf sich nicht dadurch täuschen lassen, dass in der immer noch ländlich geprägten schweizer Gesellschaft schnell zum "Du" übergegangen wird. Auch sollte die landestypische Konfliktscheu (die auch dazu führt, dass man seine Wut über die "vielen Ausländer" gern anonym äussert) nicht mit Liberalität oder Toleranz verwechselt werden.
Die hierarchischen Grenzen in der Schweiz werden für Deutsche schwerer erkennbar, sublimer gezogen:
3.1. Bezahlung (hier Salär genannt):
Das Verhältnis liegt bei AA 1
OA (entspricht Facharzt in D. ) 1,5 -2
LA (Leitender Arzt (wie OA in D.) 3- 3,5
CA 5- 10
So gross sind die Unterschiede in D. wohl kaum.
3.2. Unangreifbarkeit und uneingeschränkte Macht der CÄ:
Ausser, wenn er (selten sie) Ausländer ist, sind CÄ unumschränkte Herrscher mit durch kein Gesetz geregelter, höchstenz durch einen Spitalverwalter limitierter Entscheidungskompetenz und praktisch unkündbar. Es ist überhaupt ein Kennzeichen der Eidgenossenschaft, dass vieles durch keine Rechtsvorschift geregelt ist oder Gesetze so verschwommen formuliert sind, dass sie sich in jeder Richtung auslegen lassen. Insbesondere trifft das auf Gesetze zum Schutz von Arbeitnehmern zu (so gilt das Arbeitszeitgesetz in Spitälern nur für Privatspitäler, die staatlichen KH sind ausgenommen), was System hier hat, denn reich werden zu können ist in der Schweiz das wichtigste Bürgerrecht, da muss alles Störende möglichst klein gehalten werden.
Und so kann der CA trotz vorgeschriebener 50 Stunden Arbeitswoche beliebige Arbeitszeiten abverlangen, die Registrierung von Überzeiten untersagen, während der Arbeitszeit privat abwesend sein, die Visite dann am Abend durchführen, Pool zahlen oder nicht, Ferien gewähren oder nicht, ohne dass alle Nachgeordneten (auch LÄ) etwas dagegen unternehmen können.
In wieweit Nachgeordnete in Entscheidungsfindungen einbezoger werden, entscheidet in der Regel der CA allein.
Nur Rumbrüllen darf er nicht, das gilt als "deutsch", denn in der Schweiz sollen alle gleich erscheinen und leise sein.
3.3. Zuteilung von Wissen:
Wer in D. schon als Arzt gearbeitet hat, wird schnell bemerken, dass vieles, was in D. Fachstandard ist, in der Schweiz abgelehnt wird. Hier orientiert man sich gern an den USA, was fachlich zwar gut ist, als deutscher Facharzt muss man rasch umlernen und wem mal rausrutscht "das haben wir in D. so gemacht", dem wird offen, meist aber hinter vorgehaltener Hand sein angeblich arrogantes deutsches Verhalten angekreidet.
Was man leider aus dem angloamerikanischen Raum nicht importiert hat, das ist die Teachingkultur, welche dort herrscht. Die gibt es in der Deutschschweiz nämlich weitgehend nicht. Damit die Chefs viel verdienen, ist rasches Durchpauken von möglichst vielen Pat. angesagt. Erklärungen, Zeit zum Lesen von Fachliteratur, Assistenzen bei Operationen (operieren wollen vor allem OÄ, welche das als AÄ nicht durften) sind da nur störend. Wenn man das anspricht, kommt der Standardsatz:" Mich hat man auch ins kalte Wasser geworfen, und ich bin trotzdem ein toller Arzt geworden". Auch hier gibt es keine Rechte, die jährlichen Assistenten-Evaluationen der Weiterbildungsstellen durch die FMH (hat Teile der Befugnisse unserer ÄK) sind lächerlich, denn in den meisten Spitälern werden, da sie viel kleiner als in D. sind, nur wenige AA beschäftigt, die Chefs erhalten die Ergebnisse der Befragung und können dann trotz Anomymisierung leicht auf die Quellen schliessen. So schreibt lieber niemand unbequeme Wahrheiten auf, und Kliniken, welche kaum einen Finger für die Weiterbildung der AA rühren, erhalten dennoch ihre Weiterbildungs-ermächtigung.
Facharztprüfungen wurden in der Schweiz erst zwischen 1986 und 2005 je nach Fachgebiet schrittweise eingeführt. Im Gegensatz zur fehlenden Wissens- und Könnensvermittlung sind sie anspruchsvoll. Oft werden die US-Examina übernommen, auf mehere Tage verteilt und die operativen Fachrichtungen haben auch praktische Tests zu absolvieren. Daher wissen schweizer Fachärzte oft viel mehr als deutsche, praktische Fähigkeiten (US und Endoskopien bei Internisten) sind eher geringer vorhanden.
3.4. Closed shop:
Dafür wurde die Schweiz auch schon von der WTO getadelt: Rund 80% der freien Stellen werden niemals offen ausgeschrieben, sondern unter der Hand aufgrund von Beziehungen vergeben. Das ist auch im Gesundheitsbereich so und hat für AÄ die Folge, dass ohne Vitamin B die Weiterbildung bald zu Ende ist, ein weiterer Punkt, am welchem Chefs ihre Macht ausspielen. Arbeitsverträge für AA sind praktisch immer, für OA oft ebenfalls befristet.
Ausserdem braucht man für den Abschluss der Weiterbildung ein A-Jahr (Tätigkeit an einer Klinik mit max. Weiterbildungsbefugnis), dort eine Anstellung zu finden, ist selbst für Schweizer schwer, Ausländer haben es noch schwerer, sodass sich die Weiterbildung häufig verlängert oder in der Schweiz überhaupt nicht abgeschlossen werden kann. Ausländische A-Jahre (z.B. Uni. in D.) werden immer restriktiver anerkannt.
Ausserdem gibt es die Tendenz, dass die CÄ der grossen Unikliniken (Bern, Basel, Zürich) sich die Deutschschweiz in Interessensphären aufteilen, sodass es kompliziert wird, wenn man in Basel ausgebildet wurde und eine OA-Stelle im Kanton Zürich sucht.

4. Finanzielles
Die Saläre in der Schweiz klingen hoch (AA 70-90000 CHF, OA 110-180000 CHF, LA 220-330000 CHF, CA kaum unter CHF 400000 CHF) Die Steuern sind niedrig, kaum höher als 20-25%.
Saläre sind von Kanton zu Kanton, aber auch innerhalb eines Kantons unterschiedlich, man kann auch, ungewohnt für Deutsche, verhandeln, was insbesondere bei Mangelfachrichtungen (Psychiatrie, Radiologie, Anaesthesie und Intensivmedizin) klappt.
Die Steuern richten sich nach Kanton und Wohngemeinde: Man zahlt die für alle je nach Einkommen gleiche Bundessteuer, die Staatssteuer an den Kanton in unterschiedlicher Höhe und die Gemeindesteuer in jeweils unterschiedlicher Höhe an seine Wohngemeinde.
Aber man sollte sich nicht täuschen lassen: Das Existenzminimum liegt in der Schweiz bei CHF 39000 im Jahr, davon ist man als AA nicht so weit entfernt: Lebensmittel und Kosumgüter sind 30-50% teurer als in D., Mieten unter CHF 1000/Monat findet man nur in abgelegenen Dörfern, in Zürich gibt es dafür ein Ein-Zimmer-Appartment.
Die Krankenkassenprämie muss man selbst bezahlen 200-300 CHF/Monat (bei Unterbringung Doppelzimmer und Arztwahl), für Ledige oder Paare ohne Kinder geht das auf, bei einer 4köpfigen Familie fallen rasch 1000 CHF monatlich an (Kinder habei eigene Prämien, eine Familienversicherung gibt es nicht). Eine Zahnarztversicherung bekommt man nur für viel Geld, sie ist in der Krankenversicherung nicht enthalten, hohe Selbstbehalte sind bei der KV die Regel ( 1200-2500 CHF/Jahr ). Die Unfallversicherung (nicht in KV enthalten) bezahlt dagegen meist der Arbeitgeber.
Auch als Ausländer muss man in die Rentensysteme AHV (Basisrente für alle, Beitrag eingommensabhängig) und Pensionskasse einzahlen. In Karlsruhe gibt es die gemeinsame Rentenanstalt D/Ch, welche später die in der CH geleisteten Rentenzahlungen auf die Altersrente anrechnet (also Belege lebenslang aufbewahren) bzw. für die, welche für immer in der Schweiz bleiben, die in D. geleisteten Zahlungen anrechnet. Den Pool, (für OÄ, LÄ und CÄ ein grosser Teil des Einkommens) muss man meist privat rentenversichern, was nicht billig ist. AHV-Rente bekommt nur, wer mindestens 10 Jahre eingezahlt hat, für alle Kurzzeitbeschäftigten sind die Beiträge also verloren.

5. Frauen
Für sie ist die Schweiz ein besonderes Pflaster. Ohne darauf eingehen zu wollen, wann hier Frauenwahlrecht und formale Gleichberechtigung (erst in den 70er bzw. 90er Jahren) Realität wurden, muss klar sein, dass viele Schweizerinnen und Schweizer Frauen am liebsten am heimischen Herd, nicht aber als Konkurentinnen am Arbeitsplatz oder um Karriereposten sehen. Auch wenn es in letzter Zeit einige Fortschritte gegeben hat (3 von 7 Bundesräten sind Frauen): Von älteren und mittelalten Pat. wird Frau Dr. meist mit "Schwester" und der danebenstehende Pflegemitarbeiter mit "Herr Dr. " angeredet und Bemerkungen wie "Du musst doch nicht arbeiten, dein Mann verdient doch genug" hört man auch von Frauen. Chefärztinnen sind noch seltener als in D.

6. Lebensalltag/Kultur
Da 60-Stunden-Wochen für Ärzte die Regel sind, unter 50 Lebensjahren meist nur 4 Wochen Urlaubsanspruch bestehen und Überzeitkompensationen bestenfalls in der Hälfte der Spitäler und nur für AA und OA gewährt werden, muss man schon in Zürich, Bern und Basel oder ihrer nächsten Umgebung wohnen, will man ab und an am kulturellen Angebot partizipieren. Ausserhalb dieser Städte ist im Nützlichkeitsstaat Schweiz bestenfalls das Niveau des Bayerischen Waldes anzutreffen (Kino und Kneipe) und Mainz liegt kulturell näher an New York als Zürich, welches mit dem Slogan der "kleinsten Grossstadt" für sich wirbt, nur das erste Attribut trifft zu.
Auch eine Kneipenkultur wie im übrigen Europa gibt es hier nicht, entweder teure Abzockerbar, "gutbürgerliche" Spiesserkneipe mit dem Flair der 60er oder Dorfkaschemme, Sonntags ist oft Ruhetag, auch in den grossen Städten.
Modernes oder kritisches Theater kommt hier nicht gut an, sowohl wenn Ausländer (Schlingensief) als auch Einheimische (Marthaler) die schweizer Spiessigkeit aufs Korn nehmen, hört der Spass schnell auf. Aber auch mit den eigenen Intellektuellen kommt man erst klar, wenn sie endlich verschieden sind und nichts Kritisches mehr äussern können (Frisch...). Akademische Bildung steht in der Deutschschweiz ganz allgemein nicht hoch im Kurs, Eliten sind meist der Finanzwelt zugehörig und diskret (über Geld spricht man nicht, ausser im oft verachteten Zürich), Intellektueller ist eher ein negativ besetzter Begriff für Akademiker aus D..
Ein besonderes Kapitel sind Kinder, Kinderbetreuung und der Schulalltag. Wie schon oben gesagt, sind Frauen in der Arbeitswelt weniger akzeptiert, damit sie auch zu Hause bleiben, ist Kinderbetreuung rar und teuer, Schulen planen die volle Verfügbarkeit eines Elternteiles (welches wohl?) ein mit Block-unterricht zu alternierenden Zeiten, sodass ein Elternteil einen Vollzeitjob hat, die lieben Kleinen zu chauffieren, Schulbusse fehlen (allerdings ist der ÖV sehr gut ausgebaut).
Wer in einen anderen Kanton umziehen muss, erlebt im Schulsystem eine Unterschiedlichkeit, welche beim Unzug ins Ausland nicht grösser sein könnte, alle Bemühungen, das System zu vereinheitlichen, wurden von den Rechtsparteien unter Ausnutzung des weit verbreiteten Lokalpatriotismus (Kantönligeist) torpediert. Hier ist mit viel Stress zu rechnen, auch deshalb, weil in der Schweiz nur 20% eines Jahrgangs Matur (Abitur) machen dürfen (aus finanziellen Gründen gibt es nicht mehr Gymnasiumsplätze - siehe unter tiefe Steuern), da wurden auch schon Sonderregelungen für Ausländerkinder gefordert, damit sie Schweizern nicht die Gymnasiumsplätze wegnehmen.

7. Politik
Ausländer erhalten zunächst die Bewilligung B (hier wird wie in D. die Steuer gleich vom Lohn einbehalten), EU-Bürger nach 5 Jahren die Bewilligung C, welche sie mit den Schweizern fiskaljuristisch gleichstellt (Lohn wird voll ausbezahlt, Steuern müssen selbstständig entrichtet werden).
Den roten Pass kann man erst nach 10 Jahren beantragen und dann gilt noch eine Wartezeit von 2 Jahren, meist entscheidet eine Behörde über das Gesuch. Dabei müssen auch Integrationsbemühungen nachgewiesen und eine Prüfung abgelegt werden, ohne Mitgeliedschaft in einem Verein und anderes lokales Engagement wird man auch als Deutscher (trotz Sprach- und Gesellschafts-kenntnissen) als nicht integriert angelehnt.
Ob sich der rote Pass lohnt, muss jeder für sich entscheiden, die D/CH-Doppel-Staatsbürgerschaft ist jedenfalls möglich, und wer evtl. für immer im Land bleiben will, fährt damit besser.
Man darf dann auch mit abstimmen, obwohl sich die Basisdemokratie besser anhört als sie ist, 4-5 mal im Jahr zu verformulierten Fragen oder Gesetzen ja oder nein sagen zu dürfen, bedeutet nicht automatisch mehr Mitspracherecht. Dass die schwierigen oder wesentlichen Entscheidungen meist am Volk vorbeigeschleusst werden, geben auch kritische Schweizer zu.
Mit oder ohne "Schweizerpass" (offizielle Schreibweise) bleibt man in den Augen der Einheimischen aber immer Ausländer, am nicht oder nicht vollkommen gesprochenen Schweizerdeutsch gleich zu erkennen, auch in der offiziellen Statistik des Bundesamtes für Migration bleibt Ausländer, wer nicht als Nachfahre von Schweizern im Lande geboren wurde.

Facit:
Wenn Lectro heute am Anfang seiner Berufskarriere stünde, würde er in die USA oder ins UK gehen, um wirklich eine gute Ausbildung zu erhalten, oder nach Skandinavien, die Schweiz fiele ihm erst nach Deutschland ein.
Als gestandener Arzt, der eine lukrative Anstellung in Aussicht hat, kann man schon hierher wechseln, aber man muss etwas wegstecken können, sich gut vorbereiten und wissen, was einen erwartet.
Dass die Schweiz nicht Deutschland ist, sollte ohnehin klar sein, für viele Eidgenossen haben die Schweiz und Deutschland aber nicht mal die geringste historische und kulturelle Gemeinsamkeit, und dieses Märchen vorgehalten zu bekommen, sollte einen nicht überraschen.
Im Lande der angeblich ältesten Demokratie der Welt wird die EU gern als undemokratisches Auslaufmodell bezeichnet, da können die Bewohner ihres grössten Teilstaates, zudem erst seit 60 Jahren auf dem (allerdings nicht basisdemokratischen) Weg aus der Nazidiktatur (die oft mit Genuss als ja gerade erst überwunden dargestellt wird) nicht auf allzuviel Liebe, bestenfall auf Gnade hoffen.
Avatar #90315
am Dienstag, 3. August 2010 um 15:20

die schweizer..

sollen mal nicht so zimperlich sein. laut statistik sind 22% aller in der schweiz tätigen ärzte ausländer, mehr als die hälfte davon wiederum (56%) sind deutsche. mehr als 10% der ärzte sind also deutsche. trotzdem herrscht ärztemangel. würden plötzlich alle deutschen ärzte wegfallen hätten die schweizer ein massives versorgungsproblem.

http://www.saez.ch/pdf_d/2009/2009-49/2009-49-680.PDF
Avatar #88033
am Montag, 9. August 2010 um 11:46

hmm..

da scheint jemand sehr unzufrieden..also ich bin seit 4 jahren in lausanne, uniklinik, sehr gute weiterbildung von 6-8h pro woche, arbeitsbelastung+zeiten absolut in ordnung, daher top-lebensqualität, gute chefs die sich viel mühe geben mit der weiterbildung, auf das arbeitsklima achten etc., freundliche leute, null problem als deutscher, überall freundlich empfangen, team eh bunt gemischt. kann mir allerdings gut vorstellen, dass es in andern teilen der schweiz und in andern häusern anders aussieht..
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am Dienstag, 10. August 2010 um 16:29

Sorgfältig ausgearbeitet...

...von Lectro. Nicht alles, was beschrieben ist, gilt überall in CH, aber vieles kommt am einen oder anderen Arbeitsort vor. Man sollte die beschriebenen Erfahrungen nicht leichtfertig als negative Einzelmeinung abtun. Das eigentlich traurige sind aber nicht die wie auch immer gearteten Bedingungen in CH sondern die in D-Land, die einem (als Dt. Arzt) die Arbeitsmigration überhaupt erst als Option nahelegen.
Avatar #89856
am Dienstag, 10. August 2010 um 22:00

Das habe ich ja schon eingangs gesagt...

..., dass ich nur für die Deutschschweiz sprechen möchte. Gerade die Romands leiden ja auch oft unter dem Alleinvertretungsanspruch ihrer deutschsprachigen Vettern. Aus der Romandie hört man viel Gutes, aber dorthin kann nur gehen, wer, wie eingangs auch gesagt, gutes Alltagsfranzösisch spricht, wofür wir Deutschen ja nicht so bekannt sind, aber Ausnahmen bestätigen die Regel...

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http://www.fmh.ch/index.cfm?l=d&a=1&m=30&o=1012&obj=1

Bundesamt für Gesundheit
CH-3003 Bern
Tel ++41 (0)31 322 21 11
Fax ++41 (0)31 322 95 07

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http://www.bag.admin.ch/berufe/projektmed/gesetz/d/index.htm


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