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Politik

Pharmaverband kritisiert zunehmenden Preisdruck bei Arzneimitteln

Dienstag, 22. Oktober 2019

/Schlierner, stockadobecom

Berlin – Eine Preisuntergrenze für Arzneimittel, die einem Festbetrag unterliegen, hat heute in Berlin der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Arz­neimittelhersteller (BAH), Hermann Kortland, gefordert. Außerdem müssten bei der Fest­setzung der Erstattungsobergrenzen innovative Darreichungsformen berücksichtigt wer­den. Denn die Herstellung von Säften beispielsweise für Kinder sei teurer als die von Tabletten, so Kortland.

Er sprach sich bei der 8. Berliner Runde des BAH auch dafür aus, Qualitätsstandards bei der Produktion von Arzneimitteln bei der Höhe der Erstattungspreise stärker zu berück­sichtigen. Zudem kritisierte Kortland die Rahmenvorgaben bei den Rabattverträgen, die Kranken­kassen mit Pharmaunternehmen vereinbaren können.

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Um Lieferengpässe zu vermeiden, sollten Rabattverträge mit mindestens drei Anbietern und nicht wie zurzeit exklusiv mit einem Unternehmen geschlossen werden. Bei versor­gungskritischen Arzneimitteln sollte es, wie zuletzt für Impfstoffe beschlossen, ein Ra­battvertragsverbot geben.

Zuvor hatten in der Berliner Runde Vertreter aus Politik, Gewerkschaften und Industrie darüber diskutiert, wie sich die Gesundheitsgesetzgebung auf die mittelständischen Phar­maunternehmen in Deutschland auswirkt. Norbert Gerbsch von Pohl Boskamp forderte, man müsse Wirtschafts- und Sozialpolitik zusammendenken.

Auf Landesebene seien die Pharmaunternehmen gern gesehene Gesprächspartner der Politiker. Denn dort gehe es um Innovationen und Arbeitsplätze. Auf Bundesebene hin­gegen, wo die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen würden, mangele es an Ein­flussmöglichkeiten. „Hier besteht Handlungsbedarf“, sagte Gerbsch. Er kritisierte zugleich, dass die mittelständischen Unternehmen durch immer höhere Anforderungen an die Pro­duktionsstandards bei gleichzeitig zunehmendem Preisdruck im „Schraubstock“ steckten.

Das Bedürfnis nach Vernetzung ist riesengroß

Volker Ratzmann (Grüne), Bevollmächtigter des Landes Baden-Württemberg beim Bund, sprach sich für eine bessere Vernetzung sämtlicher Akteure im Gesundheitswesen aus. Die Gesundheitswirtschaft sei das zweitgrößte wirtschaftliche Standbein in seinem Bun­desland, erklärte Ratzmann. Angesichts dieses Potenzials sei ein Austausch auch auf Bundesebene dringend notwendig. „Das Bedürfnis danach ist riesengroß“, sagte er mit Blick auf die Erfahrungen mit einem Strategiedialog in Baden-Württemberg.

Auch die SPD-Politikerin Gabriele Katzmarek plädierte dafür, wirtschaftliche Aspekte in der Gesundheitspolitik stärker zu berücksichtigen. Sie habe keine Berührungsängste ge­genüber der Industrie, betonte die Berichterstatterin Gesundheitswirtschaft ihrer Partei.  Die Industrie präge noch immer das Land und sei für dessen Wohlstand verantwortlich.

Allerdings wies sie auch darauf hin, dass es in der Gesundheitsversorgung einen staat­li­chen Abnehmermarkt gebe. „Und das ist gut so“, erklärte die SPD-Politikerin. Das sei auch ein Vorteil für die Industrie. Denn in vielen anderen Ländern hänge die Versorgung mit Arzneimitteln vom Geldbeutel der Patienten ab.

In Deutschland hätten dagegen alle Menschen Zugang zu notwendigen Arzneimitteln. Das gelte es zu erhalten. Katzmarek sprach sich jedoch dafür aus, bei der Verhandlung über Erstattungspreise volkswirtschaftliche Faktoren wie die Vermeidung von Arbeitsun­fähigkeit oder Krankenhauseinweisungen stärker zu berücksichtigen.

Industrie ist der klassische „Problembär“

Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP, Reinhard Houben, kritisierte grundsätzlich die seiner Ansicht nach zu negative Grundeinstellung zur Industrie. „Die Industrie ist seit 20 Jahren der klassische Problembär“, sagte er. „Doch wir schaffen es nur mit der Industrie, unsere Zukunftsprobleme zu lösen.“

Es greife zu kurz, immer nur über die zu hohen Preise und deren Eindämmung zu disku­tie­ren. Man müsse auch die Leistungsfähigkeit der Krankenkassen und der Patienten in den Blick nehmen. „Darf Medizin nicht auch teurer werden?“, fragte der Wirtschaftspo­litiker. © HK/aerzteblatt.de

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