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Ausland

US-Behörden stellen Pharmaunternehmen auf eine Stufe mit Drogendealern

Mittwoch, 27. November 2019

/Avatar_023, stock.adobe.com

New York – Pharmaunternehmen, die Schmerzmittel produzieren, könnte in den USA nach einem Zeitungsbericht weiterer großer rechtlicher Ärger drohen. Die Justizbehörden prüfen im Rahmen einer strafrechtlichen Untersuchung offenbar, ob Hersteller und Händ­ler abhängig machender Opioide gegen das bundesweite Suchtmittelgesetz „Controlled Substances Act“ verstoßen haben. Das schrieb das Wall Street Journal unter Berufung auf Insider. Die Ermittlung stehe aber noch am Anfang.

Das Gesetz dient eigentlich vor allem der Strafverfolgung von Drogendealern und illega­len Netzwerken zum Handel mit verbotenen Rauschmitteln. Seine Anwendung würde eine Eskalation im Vorgehen gegen Unternehmen bedeuten, die mit Schmerzmitteln zur grassierenden Medikamentenabhängigkeit in den USA beigetragen haben sollen.

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Entsprechend nervös reagierten Anleger: Die Aktien der betroffenen Pharmakonzerne und Arzneimittelhändler Teva, Mallinckrodt, AmerisourceBergen, Amneal, McKesson und John­son & Johnson – gegen die sich die Ermittlung richten soll – gerieten teilweise massiv unter Druck. Die Unternehmen sind wegen ihrer Rolle in der Opioidkrise ohnehin schon mit einer Klagewelle konfrontiert.

Den Pharmakonzernen wird vorgeworfen, mit ihren Produkten den Grundstein für die Schmerzmittelepidemie gelegt zu haben, die in den vergangenen Jahren laut US-Behör­den zu Hunderttausenden Toten durch Überdosierungen führte. Bundesstaaten, Städte und Landkreise fordern von den Unternehmen Milliarden von Dollar zurück, die sie für den Kampf gegen Opioid-Abhängigkeit und Überdosierungen ausgegeben haben. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 10. Dezember 2019, 23:55

@normalerdoktor

da brauchen Sie nicht in die USA zu schauen. Auch hierzulande habe ich schon Migränepatientinnen gesehen, die jeden Monat 10 Fläschchen Tramadol-Trropfen wegen ihrer Migräne verschrieben bekamen.
Mischpräparate aus Opioiden (Tramadol, Codein) und Paracetamol sind vor allem bei Zahnärzten sehr beliebt.Wir haben in Deutschland einen kaum erfassten Abusus von schwach wirksamen Opioiden (Tramadol, Tilidin), die von Migräne über Regelschmerzen bis zu orthopädischen Indikationen recht libertär verschrieben werden.
Nach Auffassung der zuständigen Gremien wurde von einer Aufnahme von Tramadol in die Anlage zum BtMG abgesehen, weil Tramadol angeblich kein oder ein nur sehr leichtes Entzugssyndrom auslöst.
Als Suchtmediziner sehe ich das genaue Gegenteil: Sowohl der hochdosierte Dauergebrauch als auch der Entzug erzeugen schwerste psychische und physische Probleme, da sich ein Opioidentzug und ein SRI-Entzug überlagern.
Die leichte Verfügbarkeit behindert zusätzlich den Erhalt einer mühsam erzielten Abstinenz!
Ich halte die amerikanische Opioidkrise für eine Folge des dortigen Sozial- und Gesundheitssystems: Die "Hire & Fire"-Kultur, die bei häufigen krankheitsbedingten Fehlzeiten zum Verlust von Arbeitsplatz und damit meist auch der Kran­ken­ver­siche­rung führt, und die enorm teure ärztliche Behandlung - ein Arztbesuch kostet zwischen 100 $ und 500 $, dazu kommen sehr hohe Arzneimittelpreise.
Eine - bei Opioiden essenzielle - regelmäßige Einnahme ist für die Kranken finanziell nicht drin, eine Bedarfseinnahme führt in die Sucht.
Und Opioide sind halt sehr wirksam - mit Schmerzen arbeiten ist damit kein Problem.
Wenn dann die weitere Einnahme nicht mehr finanzierbar ist, geht es halt zum Dealer an der Ecke, der Heroin für einen Bruchteil des Oxycodonpreises anbietet.
Wird das Strassenheroin dann mit Fentanyl oder Fentanylderivaten "aufgeppept", ist der Drogentod nicht mehr weit: Eine Portion aus dem selben Bubble kann bei unsorgfältigem Mischen wirkungslos, die nächste tödlich sein....

Avatar #648603
normalerdoktor
am Montag, 9. Dezember 2019, 22:38

Schon entsetzlich

Wenn stimmt, wie ich kürzlich dem Bericht einer seriösen Zeitung entnommen habe, dass in den USA einer Patientin zur Behandlung ihrer Migräne (!) die 3x tgl. Einnahme eines Mischpräparates aus Oxycodon (unklar ob 2,5, 5 oder 10 mg) + 375 mg Paracetamol (Percocet®) verschrieben wurde, kann ich mich nur entsetzen.

Da ist ja so ziemlich alles falsch, was man bei der medikamentösen Therapie einer Migräne falsch machen kann. Und dass die Frau danach Opiatabhängig war ist kaum verwunderlich.

Wieso haben Ärzte so etwas verordnet?
Avatar #769631
Naturfreund
am Dienstag, 3. Dezember 2019, 17:21

nicht nur in den USA

https://www.youtube.com/watch?v=EWj2N93TFNA
Avatar #769631
Naturfreund
am Dienstag, 3. Dezember 2019, 17:19

wen wunderts

https://www.youtube.com/watch?v=l_vFehFekUc
LNS