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Ärzteschaft

Leberzirrhose: Empfehlungen zur sicheren Anwendung von Arzneimitteln

Dienstag, 4. Februar 2020

/Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Berlin – Eine Leberzirrhose bei einem Patienten kann bekanntlich den Stoffwechsel und die Dosis-Wirkungsbeziehung von Arzneimitteln verändern und das Risiko von Nebenwir­kungen erhöhen. Eine niederländische Arbeitsgruppe hat nun evidenzbasierte Empfeh­lun­gen für den Einsatz und die Dosierung zahlreicher praxisrelevanter Arzneimittel bei Leberzirrhose erarbeitet.

Diese Empfehlungen stehen aber bislang nur auf Niederländisch und zu einem kleinen Teil auf Englisch zur Verfügung. Experten der niederländischen Arbeitsgruppe und Mit­glie­der der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) haben einige dieser Empfehlungen jetzt in der Zeitschrift „Arzneiverordnung in der Praxis“ (AVP) zusammen­fassend dargestellt.

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Für Deutschland wird die Prävalenz der Leberzirrhose laut den Autoren auf etwa 900/ 100.000 geschätzt. Die häufigsten Ursachen für eine Leberzirrhose sind Alkoholabusus, chronische Virushepatitiden B und C sowie nichtalkoholische Fettlebererkrankungen.

Seltenere Ursachen sind unter anderem Autoimmunhepatitiden, primäre biliäre Cholan­gitis, primär sklerosierende Cholangitis, medikamentös-toxische Lebererkrankungen, Stoffwechselkrankheiten wie Hämochromatose, eine chronische Stauungsleber und das Budd-Chiari-Syndrom.

„In Abhängigkeit von der verbliebenen Leberfunktion kann bei einer Leberzirrhose der Stoffwechsel einiger Arzneimittel verändert sein. Daher muss gegebenenfalls die Dosis angepasst werden oder bestimmte Arzneimittel sollten ganz vermieden werden“, schrei­ben die Autoren in dem Beitrag.

Ursächlich für die Veränderungen der Pharmakodynamik und -kinetik sei vor allem ein verminderter hepatischer sogenannter First-Pass-Effekt durch den veränderten Blutfluss durch die Leber sowie eine verminderte Aktivität von Arzneimittel metabolisierenden Enzymen.

Für Patienten mit Leberzirrhose gehe die Verordnung bestimmter Arzneimittel mit beson­deren Risiken einher, vor allem wenn spezifische Dosisempfehlungen nicht beachtet wür­den: Die Nierenfunktion könne sich verschlechtern, es könnten gastrointestinale Blutun­gen auftreten oder eine hepatische Enzephalopathie kann induziert oder verschlechtert werden.

Die niederländische Arbeitsgruppe hat mehr als 200 Arzneimittel auf ihre sichere Anwen­dung bei Leberzirrhose evaluiert. Ausgewählt wurden Arzneimittel, die häufig zur Be­hand­lung von Komplikationen bei Leberzirrhose eingesetzt oder generell breit angewen­det werden.

Ein Expertengremium hat die Medikamente verschiedenen Sicherheitskategorien zuge­ord­net und Dosierungsempfehlungen in Abhängigkeit von dem Grad der Leberfunktions­ein­schränkung erarbeitet.

Die Autoren des AVP-Beitrages haben zudem einige Arzneimittel aufgeführt, die bei Pa­tienten mit Leberzirrhose in Deutschland von Bedeutung sein können, aber bislang nicht im Rahmen des niederländischen Projekts bewertet wurden. © hil/aerzteblatt.de

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