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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Vorhofflimmern bei Älteren: Herzrhythmusstörung erhöht über subklinische Schlaganfälle das Demenzrisiko

Dtsch Arztebl 2019; 116(31-32): A-1439 / B-1191 / C-1175

Meyer, Rüdiger

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Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com
Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com

Vorhofflimmern ist die häufigste Rhythmusstörung bei älteren Menschen. Der Herzvorhof wird nicht mehr komplett entleert. So können sich darin Blutgerinnsel bilden, die ins Gehirn gelangen und Schlaganfälle auslösen. Vorhofflimmern gilt als Risikofaktor für Demenz, die Datenlage aber ist uneinheitlich.

Ein internationales Team hat deshalb Daten von Patienten ≥ 60 Jahre ausgewertet, die in Südkorea staatlich krankenversichert waren und zwischen 2005 und 2012 Vorsorgeuntersuchungen erhalten hatten.

10 435 hatten Vorhofflimmern und 252 176 nicht (Kontrolle). Bis Ende 2015 erkrankten 24,4 % aus der Kohorte mit Vorhofflimmern an Demenz vs. 14,4 % der Kontrollgruppe. Die adjustierte Hazard Ratio (HR) für Demenz betrug 1,52 mit vs. ohne Vorhofflimmern (95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [1,43; 1,63]; p < 0,001). In einer zweiten Analyse blieben Teilnehmer mit zwischenzeitlichem Schlaganfall unberücksichtigt. Die HR für Demenz war mit 1,27 etwas niedriger als in der ersten Analyse, aber dennoch statistisch signifikant (1,18; 1,37). Die Inzidenz der Demenz erhöhte sich von 2,7 Neudiagnosen/100 Personenjahre ohne Herzrhythmusstörung auf 4,1 mit Vorhofflimmern (Δ 1,4/100 Personenjahre). In der Kohorte ohne Schlaganfalldiagnose in der Beobachtungszeit stieg die Inzidenz von 2,5 auf 3,5/100 Personenjahre.

Die wahrscheinlichste Erklärung sei, dass ältere Menschen mit Vorhofflimmern häufiger als ohne Vorhofflimmern subklinische Schlaganfälle bekommen, die Demenzen fördern, so die Autoren.

Die Studiendaten stärken diese Hypothese insofern, als die HR auf eine vaskuläre Demenz mit 2,11 (1,85; 2,41) höher war als das Risiko für einen Morbus Alzheimer, obwohl auch diese Demenzform bei Vorhofflimmern häufiger auftrat (HR: 1,31 [1,20; 1,43]). Unter prophylaktischen Antikoagulanzien reduzierte sich das Demenzrisiko um 39 % (HR: 0,61 [0,54; 0,68]).

Fazit: Eine große Kohortenstudie stützt die These, dass Vorhofflimmern bei älteren Menschen das Risiko für Demenz erhöht. Antikoagulanzien könnten durch Schlaganfallprophylaxe auch dem Demenzrisiko vorbeugen. Rüdiger Meyer

Kim D, Yang PS, et al.: Risk of dementia in stroke-free patients diagnosed with atrial fibrillation: data from a population-based cohort. Eur Heart J 2019; doi:10.1093/ eurheartj/ehz386.

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