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Übersterblichkeit bei Hitzewellen in Deutschland: Zahl der hitzebedingten Todesfälle zwischen einigen Hundert und vielen Tausenden

Dtsch Arztebl 2019; 116(31-32): A-1439 / B-1191 / C-1175

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Mikael Lever/stock.adobe.com
Foto: Mikael Lever/stock.adobe.com

Die Gesundheitsgefährdung durch Extremwetterlagen wird künftig weiter zunehmen, so die Welt­gesund­heits­organi­sation. In Deutschland traten 11 der extremsten Hitzewellen seit 1950 nach der Jahrtausendwende auf. Dazu gehörten die Sommer der Jahre 2003, 2006, 2013, 2015 und 2018. Fragestellung einer gemeinsamen Untersuchung des Robert Koch-Instituts in Berlin, des Deutschen Wetterdienstes und der Charité Berlin war, ob sich ein systematischer Zusammenhang zwischen der Wärmebelastung der deutschen Bevölkerung und erhöhter Mortalität belegen lässt (1).

Die wöchentliche Gesamtsterblichkeit wurde mithilfe der Zahlen des Statistischen Bundesamtes ermittelt, gegliedert nach Bundesländern. Die mittleren Temperaturen pro Woche (Wochenmitteltemperaturen) wurden auf Grundlage des Bodenmessnetzes des Deutschen Wetterdienstes erhoben. Die Analyse betrifft die Jahre 2001 bis 2015.

Der Verlauf der Mortalität lasse sich mit der Wochenmitteltemperatur am besten erklären, so die Autoren. Ab einem Schwellenwert von 20° C liege die Maximaltemperatur in der jeweiligen Woche meist über 30° C. Die Zahl der Hitzetoten stieg ab einer Wochenmitteltemperatur von circa 23° C exponentiell an: am stärksten bei den 75-bis 84-Jährigen und den über 85-Jährigen, aber auch in niedrigeren Altersgruppen.

Die meisten hitzebedingten Todesfälle gab es 2003 mit 7 600. Es folgten die Sommer 2006 mit 6 200 Hitzetoten, 2015 mit 6 100 und 2010 mit 3 700. In den übrigen Jahren lag die Zahl zwischen 300 in 2011 und 1 600 im Jahr 2005. Ursachen für einen hitzebedingten Tod seien Herzkreislaufstörungen, Nierenversagen, Atemwegserkrankungen und Schlaganfälle.

Fazit: Die Zahl der Hitzetoten in Deutschland variiert von einigen Hundert pro Jahr und vielen Tausend. Am stärksten gefährdet sind gebrechliche Menschen, wenn sie allein leben, ambulant betreut werden und kognitiv eingeschränkt sind (2). Hausärzte könnten zwar die bei Extremwetterlagen gefährdeten Patienten identifizieren (2), der erhöhte Bedarf an Hausbesuchen aber lasse sich durch ambulante Versorgung allein nicht ausgleichen. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. an der Heiden, M, et al.: Schätzung hitzebedingter Todesfälle in Deutschland, 2001– 2015. Bundesgesundheitsbl 2019; 62: 571.
  2. Becker C, Herrmann A, Haefeli W, et al.: Neue Wege zur Prävention gesundheitlicher Risiken und der Übersterblichkeit von älteren Menschen bei extremer Hitze. Bundesgesundheitsbl 2019; 62: 565–70.

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