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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Frühes Mammakarzinom: Zirkulierende Tumorzellen weisen auf ein erhöhtes Rezidivrisiko hin

Dtsch Arztebl 2019; 116(41): A-1840 / B-1518 / C-1487

Gerste, Ronald D.

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Foto: Evgeniy Kalinovskiy/stock.adobe.com
Foto: Evgeniy Kalinovskiy/stock.adobe.com

Das Mammakarzinom ist weltweit die am zweithäufigsten diagnostizierte Krebserkrankung und das häufigste Malignom der Frau. Meist wird der Tumor vor Metastasierung diagnostiziert. Zwar ist die Heilungsrate bei frühem Mammakarzinom hoch, Rezidive aber sind häufig. Der Nachweis der sogenannten molekularen Restkrankheit (molecular residual disease, MRD), die bei der initialen Behandlung nicht eliminiert wurde, könnte dazu beitragen, adjuvante Therapien gezielt Patientinnen mit einem erhöhten Rezidivrisiko zukommen zu lassen und eine Übertherapie bei jenen Frauen zu vermeiden, die kein solches Risiko aufweisen. Als ein potenzieller Parameter, der eine Identifizierung von Patientinnen mit MRD ermöglichen könnte, gilt die zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA), die in Serum als sogenannte Flüssigbiopsie bestimmt werden kann.

In einer prospektiven Multicenterstudie hat eine britische Studiengruppe die ctDNA und andere Parameter bei 144 Patienten, die wegen Mammakarzinom im Frühstadium operiert wurden und dann adjuvante Chemotherapie erhielten oder im umgekehrter Reihenfolge behandelt wurden, alle 3 Monate im ersten Jahr und danach alle 6 Monate bestimmt. Bei 101 der im Schnitt 54 Jahre alten Patientinnen lagen eine (n = 78) oder mehrere Mutationen (n = 23) vor, die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 35,5 Monate. Der Nachweis von ctDNA während der Nachbeobachtungszeit war stark mit einem Rezidiv assoziiert: ctDNA wurde bei 23 von 26 Patientinnen mit Rezidiv (88 %) nachgewiesen (Hazard Ratio [HR] für ein Rezidiv bei ctDNA im Serum: 25,2 (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [6,7; 95,6]; p < 0,001). Zwischen dem Nachweis von ctDNA in die Flüssigbiopsie und dem Auftreten des Rezidivs vergingen durchschnittlich 10,7 Monate (8,1; 19,1). Einen Hinweis auf eine extrakraniale Fernmetastase lieferte die ctDNA bei 22 von 23 betroffenen Patientinnen.

Fazit: „Die Flüssigkeitsbiospie weist ein hohes Potenzial für das Therapiemonitoring sowie für die Therapieoptimierung (Selektion von zielgerichteten Therapien basierend auf somatischen Mutationen) in der metastasierten Situation auf“, erklärt Prof. Dr. Tanja Fehm, Direktorin der Universitätsfrauenklinik Düsseldorf. Sie warnt indes: „Für die Rezidivfrüherkennung ist die Wertigkeit einer Flüssigkeitsbiopsie bedeutend komplexer zu beurteilen. Solange wir nicht wissen, ob die frühzeitige Systemtherapie bei Nachweis einer „positiven“ Liquid biopsy ohne bildmorphologischem Korrelat einen klinischen Benefit für die Patientin darstellt, sind die erzielten Ergebnisse interessant, aber nur bedingt klinisch relevant. Aus diesem Grund sollte zeitnah eine randomisierte klinische Studie konzipiert werden, die den Nutzen einer therapeutischen Intervention bei sehr frühem klinisch nicht apparentem Rezidiv für das klinische Outcome der Patientin beleuchtet.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Garcia-Murillas I, Chopra N, Méndez IC, et al.: Assessment of molecular relapse detection in early-stage breast cancer. JAMA Oncol 2019; doi: 10.1001/jamaoncol. 2019. 1838

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