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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Perkutane Koronarintervention: Dauer der dualen Plättchenhemmung kann offenbar verkürzt werden

Dtsch Arztebl 2019; 116(45): A-2085 / B-1708 / C-1669

Vetter, Christine

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Foto: alex-mit/iStock
Foto: alex-mit/iStock

Kann die duale Plättchenhemmung nach perkutaner Koronarintervention (PCI) ohne Effektivitätsverlust verkürzt werden? Das war Fragestellung zweier aktueller Studien.

In der STOPDAPT-2-Studie (1) wurde geprüft, ob eine nur 1-monatige duale Antiplättchen-Therapie (DAPT) dem Standard der 12-monatigen DAPT in der Wirksamkeit vergleichbar ist. In die multizentrische, offene randomisierte Studie wurden 3 045 Patienten nach PCI eingeschlossen und 1 oder 12 Monate lang mit Acetylsalicylsäure (ASS) plus Clopidogrel behandelt, jeweils gefolgt von einer Clopidogrel-Monotherapie. Der Wirksamkeitsendpunkt setzte sich zusammen aus kardiovaskulärem Tod, Myokardinfarkt, ischämischem oder hämorrhagischem Schlaganfall, Stentthrombosen oder Blutungen im Verlauf von 12 Monaten.

Es zeigte sich nach 1 Jahr bei verkürzter DAPT eine signifikant niedrigere Ereignisrate gegenüber der Standardtherapie von 2,36 vs. 3,70 %. Die Kriterien von Nichtunterlegenheit (p < 0,01) und Überlegenheit (p = 0,04) wurden erfüllt.

Ursache des günstigen Abschneidens der kurzzeitigen DAPT war eine geringere Blutungsrate (TIMI major/minor: 0,41 % vs. 1,54 %; p = 0,004) ohne Zunahme ischämischer Komplikationen. Bei ischämischen Ereignissen war Clopidogrel-Mono einer DAPT nicht unterlegen (2,0 % vs. 2,5 %, p = 0,005).

In der Studie SMART-CHOICE (2) wurde die DAPT nach Implantation eines Drug-eluting-Stents (DES) auf 3 Monate im Vergleich zur üblichen 12-monatigen Gabe verkürzt. Eingeschlossen wurden 2 993 koreanische Patienten. Auch hier gab es einen kombinierten Endpunkt: Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall. Die Studie ergab eine Ereignisrate von 2,9 % bei 3-monatiger DAPT gegenüber 2,5 % bei 12-monatiger DAPT, sodass eine Nicht-Unterlegenheit gegeben war (p = 0,007). Es gab dabei weder bei der Gesamtmortalität (1,4 % vs. 1,2 %; p = 0,61) noch bei der Herzinfarktrate (0,8 % vs. 1,2 %; p = 0,28) oder den Schlaganfällen (0,8 % vs. 0,3 %; p = 0,14) einen signifikanten Unterschied zwischen beiden DAPT-Regimen. Die Blutungsrate war unter der verkürzten DAPT allerdings signifikant geringer (2,0 % vs. 3,4 %; p = 0,02).

Fazit: „Die Studien belegen, wie zuvor andere Untersuchungen wie die GLOBAL- und die LEADERS-Studie, dass bei der DAPT nach PCI frühzeitig auf Acetylsalicylsäure verzichtet werden kann. ASS erhöht das Risiko für Blutungskomplikationen, schützt aber nicht vor ischämischen Endpunkten“, kommentiert Prof. Dr. med. Christian Hamm, Direktor der Medizinischen Klinik I (Kardiologie und Angiologie) des Universitätsklinikums Gießen. „Ob das allerdings auch für Hochrisikoprozeduren und alle akuten Koronarsyndrome zutrifft, werden künftige Studien wie die TWILIGHT-Studie, deren Ergebnis in Kürze zu erwarten ist, zeigen müssen.“ Christine Vetter

  1. Watanabe H, Domei T, MD; Morimoto T et al.: Effect of 1-month dual antiplatelet therapy followed by clopidogrel vs 12-Month dual antiplatelet therapy on cardiovascular and bleeding events in patients receiving PCI. The STOPDAPT-2 randomized clinical trial. JAMA 2019; 321: 2414–27.
  2. Hahn JY, Song YB, Oh JH, et al.: Effect of P2Y12 inhibitor monotherapy vs dual antiplatelet therapy on cardiovascular events in patients undergoing percutaneous coronary intervention. The SMART-CHOICE randomized clinical trial. JAMA 2019; 321: 2428–37.

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