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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Peripartale Kardiomyopathie: Bei ischämischen Herzkrankheiten enger Verwandter ist das Risiko erhöht

Dtsch Arztebl 2019; 116(45): A-2086 / B-1709 / C-1670

Gerste, Ronald D.

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Foto: JPchret/stock.adobe.com
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Die peripartale Kardiomyopathie (peripartum cardiomyopathy, PPCM) ist eine relativ seltene Erkrankung bislang kardiologisch unauffälliger Frauen, die kurz vor der Geburt oder bis zu einem halben Jahr danach auftritt. In Dänemark kommt es circa einmal bei 10 000 Geburten zu dieser schweren, durch linksventrikuläre Dysfunktion gekennzeichneten Erkrankung. Aus dem skandinavischen Land kommt auch eine Studie, bei der es darum ging, eine mögliche genetische Ätiologie der PPCM, deren Ursache unbekannt ist, zu identifizieren und eine potenzielle Häufung von Herzkrankheiten bei Verwandten 1. Grades von Frauen mit peripartaler Kardiomyopathie nachzuweisen.

Die Autoren werteten mehrere nationale dänische Gesundheitsregister der Jahre 2005 bis 2014 aus. Es fanden sich 48 Frauen mit einer PPCM-Diagnose, die sich für die Analyse eigneten, da ausreichende Informationen über nahe Verwandete vorlagen. Die an peripartaler Kardiomyopathie erkrankten Frauen waren im Durchschnitt bei Krankheitsbeginn 31 Jahre alt. Die meisten von ihnen waren zum ersten Mal schwanger, mehr als die Hälfte hatten das Kind per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht und 44 % hatten während der Schwangerschaft eine Prä-Eklampsie gehabt.

Beim Vergleich der Daten der Patientinnen mit einer altersgematchten Kontrollgruppe von Gebärenden ohne kardiale Auffälligkeiten fand sich eine signifikant größere Wahrscheinlichkeit bei den an PPCM leidenden Frauen, Verwandte 1. Grades (Eltern, Geschwister) mit einem Herzfehler zu haben: 23 % in der PPCM-Gruppe gegenüber 10 % in der Kontrollgruppe. Geschwister hatten in 29 % ein Herzproblem oder einen Hypertonus gegenüber 16 % bei den Geschwistern der gesunden Probandinnen; bei den Müttern der an PPCM leidenden Frauen waren ischämische Herzleiden deutlich häufiger als bei den Müttern aus der Kontrollgruppe. Keine der Patientinnen hatte eine Verwandte 1. Grades, die ebenfalls eine peripartale Kardiomyopathie erlitten hätte.

Fazit: „Diese dänische Studie zeigt, dass die peripartale Kardiomyopathie eine seltene Erkrankung bislang kardiologisch unauffälliger Frauen ist, dass aber das Risiko einer PPCM erhöht ist, wenn schwangere Frauen Verwandte 1. Grades mit Herzerkrankungen haben“, erläutert Prof. Dr. med. Hans-Joachim Trappe, Direktor der Medizinischen Klinik II (Kardiologie und Angiologie) am Marien Hospital Herne/Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. „Diese Schwangeren sollten besonders intensiv kardiologisch überwacht und betreut werden.“

Dr. med. Ronald D. Gerste

Christiansen MN, Køber L, Torp-Pedersen C, et al.: Prevalence of heart failure and other risk factors among first-degree relatives of women with peripartum cardiomyopathy. Heart 2019; 105:1057–62.

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