MedizinMedizinreportUnkontrolliertes Asthma: Tripletherapie in einem Inhaler bessert Lungenfunktion und beugt Exazerbationen vor
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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Unkontrolliertes Asthma: Tripletherapie in einem Inhaler bessert Lungenfunktion und beugt Exazerbationen vor

Dtsch Arztebl 2020; 117(1-2): A-30 / B-28 / C-28

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: bydvvid/stock.adobe.com
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Ein Teil der Asthmapatienten hat bei Inhalation von Kombinationen aus Steroiden und langwirksamen ß-Agonisten noch immer Symptome oder schwere Exazerbationen. Diese Patienten sind Zielgruppe einer inhalativen Tripletherapie mit einem langwirksamen Muskarin-Antagonisten (LAMA; Glycopyrronium [GB]), einem langwirksamen ß2-Agonisten (LABA; Formoterol [FF]) und einem Steroid (ICS; Beclometason [BDP]). In 2 prospektiven Phase-3-Studien, TRIMARAN und TRIGGER, sind Effektivität und Sicherheit dieser Kombination geprüft worden.

Es wurden international Patienten rekrutiert, die zuvor trotz steroidbasierter Behandlungen innerhalb der letzten 12 Monate mindestens eine schwere Exazerbation hatten. An der TRIMARAN-Studie nahmen 1 155 Probanden teil. Nach einer 2-wöchigen Einleitungsphase wurden sie randomisiert in eine Gruppe, die eine Kombination aus 10 μg GB, 6 μg FF und 100 μg BDP inhalierte (n = 579), und eine Kontrollgruppe (n = 576), die eine Zweierkombination bekam (BDP 100 μg plus FF 6 μg). Die Patienten nahmen jeweils 2-mal 2 Stöße täglich.

In TRIGGER wurden 1 437 Teilnehmer aufgenommen. Es gab 3 Studienarme und das Steroid war in allen Gruppen höher dosiert. Randomisiert wurde in eine Gruppe mit der Kombination GB 10 μg/FF 6 μg/BDP 200 μg. Eine 2. Gruppe erhielt die Zweifachmedikation BDP 200 μg/FF 6 μg und eine 3. Gruppe zusätzlich zu dieser Zweifachkombination noch Tiotropium (BDP 200 μg/FF 6 μg/Tiotropium 2,5 μg). Auch hier wurden täglich 2-mal 2 Stöße inhaliert.

Zusammengesetzter primärer Endpunkt war die Prä-Dosis-Einsekundenkapazität (FEV1) nach 26 Wochen und die Rate mittelschwerer bis schwerer Exazerbationen zu Woche 52. Die Prä-FEV1 hatte sich in der TRIMARAN-Studie signifikant um 57 mL gegenüber BDP/FF verbessert (95-%-Konfidenz-Intervall [95-%-KI] [15; 99] p = 0,008) und in der TRIGGER-Studie um 73 mL [26; 120] p = 0,0025).

Nach 52 Wochen war die Rate mittlerer und schwerer Exazerbationen gesunken, und zwar um 15 % in der TRIMARAN-Studie (Rate Ratio [RR]: 0,85 [0,73; 0,99] p = 0,033) und um 12 % in der TRIGGER-Studie (RR: 0,88 [0,75; 1,03] p = 0,11). Darüber hinaus reduzierte GB/FF/BDP in der vorab festgelegten gepoolten Analyse die jährliche Rate schwerer Exazerbationen gegenüber BDP/FF um 23 % (p = 0,0076), die Rate moderater Exazerbationen um 12 % (p = 0,0427) und die kombinierte Rate mittelschwerer bis schwerer Exazerbationen um 14 % (p = 0,0083).

Die Kombinationstherapien der beiden Studien wurden im Allgemeinen gut vertragen. Bei insgesamt 4 Patienten gab es schwere unerwünschte Effekte der Medikation.

Fazit: Die Addition eines langwirksamen Muskarin-Antagonisten zu einem langwirksamen ß2-Agonisten und einem Steroid verbessert die Lungenfunktion anhaltend und reduziert die Rate der Exazerbationen. Dies belegen die Studien TRIMARAN und TRIGGER, in denen erstmals in großen Populationen von Patienten mit nicht kontrolliertem Asthma ein einziger Inhalator zur Applikation von 3 Medikamenten geprüft wurde. Die Moleküle hatten durchschnittlich einen Durchmesser von < 2 μm, dies mache möglicherweise auch kleinere Atemwege für die Substanzen zugänglich, so die Autoren. Eine Dreifachkombination aus einem Inhaler könne die Therapie vereinfachen.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Virchow JC, Kuna P, Paggiaro P, et al.: Single inhaler extrafine triple therapy in uncontrolled asthma (TRIMARAN and TRIGGER): two double-blind, parallel-group, randomised, controlled phase 3 trials. Lancet 2019; 394: 1737–49.

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