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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Gestationsdiabetes: Auf Patientendaten basierende Früherkennung in Studie erfolgreich

Dtsch Arztebl 2020; 117(6): A-264 / B-234 / C-227

Gießelmann, Kathrin

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Foto: picture alliance/Phanie
Foto: picture alliance/Phanie

Mithilfe von Daten aus elektronischen Gesundheitsakten hat ein Forscherteam aus Israel ein Screening zur Früherkennung von Gestationsdiabetes (GDM) entwickelt. Es könnte dazu beitragen, die Erkrankung früher zu erkennen und somit auch besser zu behandeln.

Für die Entwicklung und Validierung des Screenings verwendeten die Wissenschaftler retrospektive Gesundheitsdaten von 368 351 Frauen, die zwischen 2010 und 2017 in Israel entbunden hatten (588 622 Schwangerschaften). Basis der neuen Methode waren sowohl die Ergebnisse der 2 Glukosetests, die standardmäßig zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche zur Erkennung von GDM durch-geführt werden, als auch die zu verschiedenen Zeitpunkten der Schwangerschaft verfügbaren Daten von Labortests, Arztdiagnosen, Körpermaßen und Medikationen.

Basierend auf 2 355 Patientenmerkmalen und mithilfe eines maschinellen Lernansatzes entwickelten sie 2 Modelle zur Vorhersage von GDM. Eines der beiden Modelle nutzt die Gesamtheit aller Patientendaten. Das andere Modell besteht aus einem vereinfachten Fragebogen, der sich auf die Abfrage der 9 einflussreichsten Risikofaktoren beschränkt.

Für das umfangreichere Modell zeigte sich bereits zu Beginn der Schwangerschaft eine relativ hohe Vorhersagekraft (Area under the curve [auROC] = 0,85), die die Vorhersagekraft eines Baseline-Risiko-Scores deutlich übertraf (auROC = 0,68). Aber auch mit dem einfacheren 9-Fragen-Modell war die Genauigkeit nur leicht reduziert (auROC = 0,80).

Fazit: „Die Relevanz der Vorhersage eines GDM ist sehr groß, weil GDM immer häufiger wird“, sagt Prof. Dr. med. Andreas Fritsche, Diabetologe und Professor für Ernährungsmedizin und Prävention am Universitätsklinikum Tübingen. Die Ergebnisse der israelischen Studie lassen sich allerdings nicht ohne Weiteres auf andere Länder wie Deutschland übertragen. „In der untersuchten israelischen Population ist GDM weniger häufig als in Deutschland“, erklärt Fritsche, „zudem wird in Israel ein anderes Screeningsystem durchgeführt.“ Den vereinfachten Fragebogen hält der Diabetologe aber auch für ein Screening in Mitteleuropa für „sehr interessant“. Denn eine Behandlung in der Frühschwangerschaft oder gar vor der Zeugung, und zwar von Mutter und auch Vater, könnte die epigenetische Übertragung der Veranlagung für Übergewicht und Diabetes auf das Kind verhindern. Kathrin Gießelmann

Artzi NS, Shilo S, Hadar E, et al.: Prediction of gestational diabetes based on nationwide electronic health records. Nature Medicine 2020; 26: 71–76.

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