MedizinMedizinreportNahrungsergänzungsmittel bei Erkältung: Zinkacetat ohne Einfluss auf die Symptomdauer, aber mit unerwünschten Effekten
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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Nahrungsergänzungsmittel bei Erkältung: Zinkacetat ohne Einfluss auf die Symptomdauer, aber mit unerwünschten Effekten

Dtsch Arztebl 2020; 117(7): A-334 / B-296 / C-284

Meyer, Rüdiger

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Foto: karepa/stock.adobe.com
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In mindestens 20 randomisierten Studien der letzten Jahrzehnte ist untersucht worden, ob Zink gegen Erkältungen wirkt. Lutschtabletten sind die beliebteste Form zinkhaltiger Nahrungsergänzungsmittel. Von den 20 Studien fanden sich in 8 signifikante Vorteile von Zink-Lutschtabletten bei Erkältung, in den übrigen 12 Studien dagegen nicht.

Viele Negativergebnisse könnten darauf zurückzuführen sein, dass Lutschtabletten häufig Zitronensäure enthalten, so eine Hypothese von Forschern der Universität Helsinki. Zitronensäure binde Zink-Ionen und wirke damit einer Aufnahme über die Mundschleimhaut entgegen. Deshalb verwendeten die Wissenschaftler in einer eigenen prospektiven randomisierten, doppelblinden placebokontrollierten Studie Zinkacetat (1). Es nahmen 253 Probanden mit im Allgemeinen ≥ 2 länger andauernden Erkältungen pro Jahr teil. Die Patienten wurden in eine Verum- und eine Placebogruppe randomisiert und gebeten, unmittelbar nach Auftreten von Symptomen 6 mal täglich 1 Lutschtablette mit 13 mg elementarem Zink oder mit Placebo für maximal 5 Tage einzunehmen. Bis zum Abklingen der Erkältung sollten sie täglich einen Web-basierten Fragebogen ausfüllen (12 Symptome plus potenzielle Nebenwirkungen). Primärer Endpunkt war die Erholungsrate bis Tag 10 nach Symptombeginn.

87 Patienten bekamen während der Wintersaison 2017/18 eine Erkältung. Nach einem Follow-up von 10 Tagen ergab sich ein nomineller, nicht aber statistisch signifikanter Nachteil für die Gruppe mit Zink-Lutschtabletten mit einer medianen Erholungszeit von 7 Tagen vs. 5 Tagen unter Placebo (Rate Ratio: 0,68; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [0,42; 1,08]; p = 0,10).

In der Gruppe mit Zink-Lutschtabletten kam es häufiger zu Geschmacksstörungen (52 % vs. 7 %) und anderen Nebenwirkungen wie Trockenheit an Zähnen und Mundschleimhaut (24 % vs. 2 %).

Fazit: Zinkacetat als Nahrungsergänzungsmittel (6 × 13 mg/Tag) verkürzt nicht die Dauer einer Erkältung und hat, wie erwartet, im Vergleich zu Placebo mehr Nebenwirkungen. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat für Zink in Nahrungsergänzungsmitteln eine Höchstmenge von
6,5 mg elementarem Zink pro Tag empfohlen (2). Rüdiger Meyer

  1. Hemilä H, Haukka J, Alho M, et al.: Zinc acetate lozenges for the treatment of the common cold: a randomised controlled trial. BMJ Open 2020; 10: e031662.
  2. Weißenborn A, Bakhiya N, Demuth I, et al.: Höchstemgen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. J Consum Prot Food Saf 2018; 13: 25–39.

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