MedizinMedizinreportMulti- und extrem resistente Tuberkulose: Dreifachkombination von zwei Tuberkulostatika und Antibiotikum hoch wirksam
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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Multi- und extrem resistente Tuberkulose: Dreifachkombination von zwei Tuberkulostatika und Antibiotikum hoch wirksam

Dtsch Arztebl 2020; 117(12): A-610 / B-522

Meyer, Rüdiger

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Foto: Tuberkulose/picture alliance/BSIP
Foto: Tuberkulose/picture alliance/BSIP

Eine Dreifachkombination aus den neuen Tuberkulostatika Bedaquilin und Pretomanid mit dem Antibiotikum Linezolid hat innerhalb von 6 Monaten bei 9 von 10 Patienten eine multi- oder extrem resistente Tuberkulose kuriert.

Multiresistenzen (MDR) – gegen die Standardmedikamente Isoniazid und Rifampicin – haben die Therapie der Tuberkulose auf bis zu 2 Jahre verlängert und die Anwendung schlechter verträglicher Substanzen erzwungen. Bei extremer Resistenz (XDR) auch gegen Fluorchinolone und injizierbare Substanzen waren die Heilungschancen gering.

In Südafrika lag die Erfolgsrate zuletzt nur noch bei 20 %. Dort wurden deshalb in der Nix-TB-Studie Bedaquilin und Pretomanid mit dem Antibiotikum Linezolid kombiniert, das als Reserveantibiotikum gegen grampositive Bakterien bekannt und ebenfalls gegen M. tuberculosis wirksam ist.

An der Studie nahmen an 3 Standorten in Südafrika 109 Patienten mit pulmonaler MDR/XDR-Tuberkulose teil. Sie litten seit median 12 Monaten (bis zu 141 Monate) an Tuberkulose und waren mit median 7 Wirkstoffen vorbehandelt. Die Behandlungsdauer war mit 26 Wochen deutlich verkürzt und verzichtete auf injizierbare Wirkstoffe.

Endpunkt der Studie waren entweder ein Therapieversagen oder ein Rezidiv in den ersten 6 Monaten nach dem Ende der Behandlung. Dies trat nur bei 11 Patienten (10 %) auf. Die übrigen 98 Patienten (90 %) wurden von ihrer Tuberkulose geheilt, darunter 63 (von 71) Patienten mit MDR-Tuberkulose (89 %) und 35 (von 38) mit XDR-Tuberkulose (92 %). Von den 11 der nicht geheilten Patienten verstarben 7, davon 6 unter der Therapie. Die Nebenwirkungen wurden vor allem auf Linezolid zurückgeführt. 81 % entwickelten eine Neuropathie, 48 % eine Myelosuppression, weshalb Linezolid vorübergehend abgesetzt oder in der Dosis reduziert wurde.

Fazit: Die 3er-Kombination dürfte ein unzweifelhafter Fortschritt in der Behandlung der Tuberkulose sein. Die Frage, die Guy Thwaites von der Universität Oxford und Payam Na-hid von der Universität von Kalifornien in San Francisco im Editorial aufwerfen, ist, wie lange dieser bestehen bleibt. Die neue 3er-Kombination ist wie andere anfällig für Resistenzen. 2 Patienten erlitten einen Rückfall. Bei einem Patienten konnte mittels Genomanalyse nachgewiesen werden, dass er nach dem Rückfall mit dem gleichen Stamm des Erregers infiziert war. Im Genom des Erregers wurde eine Mutation gefunden, die vermutlich zu einer Resistenz auf Bedaquilin geführt hat. Rüdiger Meyer

Conradie F, et al.: Treatment of Highly Drug-Resistant Pulmonary Tuberculosis. NEJM 2020; 382: 893–902.

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