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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung: Keine Reduktion der Rate von akuten Exazerbationen durch Metoprolol

Dtsch Arztebl 2020; 117(12): A-608 / B-521

Vetter, Christine

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Foto: SciePro/stock.adobe.com
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Inzidenz und Prävalenz vieler Lungenerkrankungen haben in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. Bei der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist die Entwicklung allerdings besonders deutlich. In Deutschland leiden etwa 8–12 % der Bevölkerung an COPD, in der Altersgruppe ab 40 Jahren sind es 10–12 %. Diese irreversible Krankheit ist damit häufiger als Asthma, als Pneumonie und als Lungenkrebs. Jährlich sterben circa 11 000 Frauen und 15 000 Männer in Deutschland an den Folgen einer COPD.

Beobachtungsstudien haben Hoffnungen geweckt, durch den kardioselektiven Betablocker Metoprolol das Exazerbations- und auch das Mortalitätsrisiko bei Patienten mit moderater bis schwerer chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) senken zu können.

In randomisierten Studien konnten diese positiven Befunde bislang aber nicht bestätigt werden. Auch eine aktuelle prospektive Studie bei 532 herzgesunden Patienten (Alter: 40–85 Jahre; FEV1: 41,1 +/– 16,3 %) mit COPD und Exazerbationen in der Anamnese hat ein negatives Resultat (1).

Die Patienten wurden randomisiert mit retardiertem Metoprolol oder Placebo behandelt. Zwischen den beiden Patientengruppen zeigte sich mit 202 Tagen unter Metoprolol gegenüber 222 Tagen unter Placebo kein signifikanter Unterschied im primären Endpunkt: der Zeit bis zum Auftreten einer ersten Exazerbation (Hazard Ratio [HR]: 1,05; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [0,84; 1,32]; p = 0,66).

Patienten unter Metoprolol-Therapie hatten außerdem ein erhöhtes Risiko für Exazerbationen, die zu einer Klinikeinweisung führten (HR: 1,91 [1,29; 2,83]). Während der Studienzeit kam es außerdem zu 11 Todesfällen unter Metoprolol gegenüber 5 Todesfällen unter Placebo. Die Studie wurde daher wegen Sinnlosigkeit sowie Sicherheitsbedenken vorzeitig abgebrochen.

Fazit: „Die Rationale der Studie war es, den Effekt einer Metoprolol-Therapie bei COPD-Patienten zu untersuchen“, erklärt Prof. Dr. med. Adrian Gillissen, Kreiskliniken Reutlingen/Ermstalklinik, Med. Klinik III (Innere Medizin & Pneumologie). „Kurios und befremdlich zugleich ist jedoch, dass explizit Patienten eingeschlossen wurden, bei denen keine Indikation für eine Betablockertherapie bestand – abgesehen von der eher vagen Hypothese, dadurch Exazerbationen senken zu können“, kommentiert Gillissen. Zum anderen seien Patienten einer Hochrisiko-COPD-Gruppe aufgrund erhöhter Exazerbations- und Steroid-Therapierate behandelt worden.

Insgesamt generiere diese sehr gut publizierte Studie damit mehr Fragen, als sie beantworte, so Gillissen. Es leite sich zwangsläufig die Empfehlung ab, keine Patienten mit Metoprolol zu behandeln, bei denen hierfür keine eindeutige Indikation bestehe, und insbesondere keine Hochrisiko-COPD-Patienten.

Dies ist auch der Tenor im begleitenden Editorial (2). Zurzeit seien Ärzte eher zurückhaltend, Patienten mit COPD Betablocker zu verschreiben, selbst wenn es eine indikationsentsprechende kardiale Komorbidität gebe. Das Ergebnis der Studie sei eher bestätigend für die Zurückhaltung zu werten. Sollten Betablocker bei COPD-Patienten mit Herzerkrankungen erwogen werden, sei das Risiko-Nutzen-Verhältnis sehr sorgsam abzuwägen. Christine Vetter

  1. Dransfield MT, Voelker H, Bhatt SP, et al.: Metoprolol for the prevention of acute excerbations of COPD. N Engl J Med 2019; 381: 2304–14.
  2. MacNee W: Beta-blockers in COPD—a controversy resolved? N Engl J Med 2019; 381: 2367–8.

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