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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Bluthochdruck: Renale Denervation bei Patienten mit moderatem Hypertonus effektiv und sicher

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: 4frame group/stock.adobe.com
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Seit Längerem wird diskutiert, für welche Gruppen von Hypertonie-patienten und unter welchen Voraussetzungen die katheterbasierte renale Denervation (RDN) eine Alternative zu anderen Therapien bei Bluthochdruck sein kann. Ein Vorteil der RDN: Sie ist eine ständig aktive Therapie, also unabhängig von der Adhärenz des Patienten an Medikamente. Die Studienlage zur RDN ist allerdings uneinheitlich.

Die internationale Spyral-HTN-Off-Med-Pivotal Studie ist einfach verblindet; es wird die Effektivität der RDN bei Patienten mit moderatem Hochdruck vs. Placebo geprüft. Prof. Dr. med. Michael Böhm, Direktor der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg, koordiniert die Studie. 331 Teilnehmer mit einem Praxis-Blutdruck ≥ 150 mmHg < 180 mmHg systolisch, ohne medikamentöse Hochdruckbehandlung, wurden randomisiert in eine Gruppe mit RDN (Radiofrequenz/Multi-Elektrodenkatheter) und eine mit Scheinbehandlung (Angiografie; [1]). Primärer Wirksamkeitsendpunkt waren Änderungen der Blutdruckwerte in der 24-h-Messung, sekundärer Endpunkt der Praxis-Blutdruck, beides nach 3 Monaten.

Eine Überlegenheit der RDN in den beiden Endpunkten wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit erreicht. In der RDN-Gruppe sank der Praxis-Blutdruck um durchschnittlich 6,5 mmHg im Vergleich zu den Ausgangswerten ([95-%-Kredibilitätsintervall nach Bayes-Statistik] [–9,6; –3,5] und in der 24-h-Messung um 3,9 mmHg verglichen zur Basismessung [–6,2; –1,6]). Es gab keine relevanten unerwünschten Effekte innerhalb von 3 Monaten.

Fazit: Eine katheterbasierte renale Denervation kann auch bei Patienten mit moderater, nicht medikamentös behandelter Hypertonie den Blutdruck senken, schlussfolgern die Forscher. Der blutdrucksenkende Effekt sei allerdings vergleichsweise gering, so der Kommentar (2). Dennoch könne die Strategie einer Einmalbehandlung mit länger anhaltender Wirkung für bestimmte Patienten eine attraktive Option sein. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Böhm M, Kario K, Kandzari DE, et al.: Efficacy of catheter-based renal denervation in the absence of antihypertensive medications (SPYRAL HTN-OFF MED Pivotal): a multicentre, randomised, sham-controlled trial. Lancet 2020; 395: 1444–51.
  2. Blankestijn PJ, Meijvis SC: Renal denervation: time to define the focus research. Lancet 2020; 395: 1404–5.

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