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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

COVID-19 bei Patienten mit Asthma oder COPD: Inhalative Steroide wirken bei COVID-19 nicht protektiv, sie schaden aber auch nicht

Vetter, Christine

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Foto: zlikovec/stock.adobe.com
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Patienten mit COPD oder Asthma scheinen bei einer COVID-19-Erkrankung ein erhöhtes Mortalitätsrisiko zu haben, wenn sie in den Monaten zuvor mit inhalativen Steroiden (ICS) behandelt wurden. Das lässt eine aktuelle Beobachtungsstudie bei fast 1 000 000 Patienten vermuten, 148 557 mit COPD, 818 490 mit Asthma. Zu Beginn der Pandemie war zunächst beobachtet worden, dass unerwartet wenige Patienten mit COPD oder Asthma wegen einer COVID-19-Erkrankung hospitalisiert werden mussten. Dies hatte zu der Hypothese geführt, dass ICS bei schwerer SARS-CoV-2-Infektion möglicherweise protektive Effekte haben können.

Die neue Beobachtungsstudie bestätigt dies jedoch nicht. Die Erhebung britischer Forscher basiert auf elektronisch erfassten Gesundheitsdaten nach einem Index-Datum (1. März bis 6. Mai 2020). Es zeigte sich bei Patienten mit COPD, die ICS erhalten hatten, bei einer COVID-19-Infektion ein höheres Mortalitätsrisiko gegenüber COPD-Patienten, die lediglich mit langwirksamen Muskarinrezeptor-Antagonisten (LAMA) plus einem langwirksamen β-Agonisten (LABA) behandelt wurden (adjustierte Hazard Ratio [HR]: 1,39; [95-%-Konfidenzintervall] [1,10; 1,76]). Außerdem wiesen Asthmapatienten, die nur einen kurzwirksamen β-Agonisten (SABA) erhielten, gegenüber jenen mit hochdosierter ICS-Therapie ein erhöhtes Mortalitätsrisiko auf (HR: 1,55 [1,10; 2,18]). Nicht erhöht war hingegen das Risiko bei niedriger oder moderater ICS-Dosierung (HR: 1,14 [0,85; 1,54]). Sensitivitätsanalysen ergaben jedoch, dass die Assoziation der ICS-Therapie mit dem Sterblichkeitsrisiko bei einer COVID-19Erkrankung möglicherweise auch durch nicht explizit erfasste, geringe Unterschiede im Gesundheitszustand der Patienten mit und ohne ICS zu erklären sind.

Fazit: „Diese Beobachtungsstudie liefert keine Evidenz für ein erhöhtes Risiko für COPD- oder Asthmapatienten, bei Anwendung von inhalativen Steroiden an COVID-19 zu sterben“, kommentiert Prof. Dr. med. Michael Pfeifer, Chefarzt des Zentrums für Pneumologie am Krankenhaus Donaustauf und der Klinik für Pneumologie und konservative Intensivmedizin am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg. „Auch wenn im ersten Moment die Ergebnisse ein erhöhtes Mortalitätrisiko durch ICS vermuten lassen, dürfen sie keinesfalls so interpretiert werden, dass wir unser therapeutisches Vorgehen bei Asthma oder COPD ändern sollten“, so Pfeifer. „Für COPD-Patienten wurde in diesem beeindruckend großen Kollektiv ein gering, aber signifikantes erhöhtes Sterberisiko in der Gruppe mit einer Triple Therapie (ICS+LAMA+LABA) im Vergleich zu Patienten mit LABA/LAMA gefunden. Beim Vergleich einer dualen, steroidhaltigen Therapie (ICS+LABA) mit den LABA/LAMA behandelten Patienten findet sich jedoch kein Unterschied, sodass das ICS nicht der wesentliche Faktor für die erhöhte Mortalität des mit einem ICS behandelten COPD-Kollektivs sein kann. Eine der wesentlichen Schwächen der Analyse ist, dass sich der Schweregrad der Erkrankungen aus den Daten nicht sicher ableiten lässt. Die Studie liefert viele Einblicke, aber sie zeigt weder Nutzen noch Schaden einer ICS-Therapie bei COPD oder Asthma, sodass die Therapieempfehlungen der aktuellen Leitlinien für inhalative Steroide für beide Erkrankungen auch in der Pandemiesituation weiterhin gelten.“ Christine Vetter

Schultze A, Walker AJ, MacKenna B, et al.: Risk of COVID-19-related death among patients with chronic obstructive pulmonary disease or asthma prescribed inhaled corticosteroids: an observational cohort study using the OpenSAFELY platform. Lancet Respir Med 2020; 8: 1106–20.

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