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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Tuberkulose: Neuartige Proteinvakzine ruft spezifische B- und T-Zell-Antworten hervor

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: picture alliance/BSIP NIAID
Foto: picture alliance/BSIP NIAID

Mycobacterium tuberculosis (Mtb) infiziert weltweit circa 10 Mio. Menschen pro Jahr neu. Bei einem großen Teil bildet sich nach einer ersten Immunantwort eine latente Tb-Infektion (LTBI) heraus. Die Erreger überleben nichtreplikativ in Granulomen der Lunge (dormantes Stadium). Bei 10 % entwickelt sich eine aktive Erkrankung. Der einzige lizenzierte Tb-Impfstoff Bacille Calmette-Guérin (BCG) basiert auf dem Rindertuberkulose-Erreger und schützt Kleinkinder moderat. Gegen die pulmonale Tb ist er weitgehend wirkungslos.

Eine neue Strategie ist es, mehrere Mtb-Antigene mit einem potenten Adjuvans zur T-Zellaktivierung zu kombinieren. Da Mtb in der dormanten Phase andere Antigene exprimiert als in der aktiven, werden Antigene verschiedener Stadien in solche Impfstoffkandidaten integriert. Einer ist ID93 + GLA-SE.

Die antigene Komponente (ID93) enthält ein tetravalentes Fusionsprotein aus 2 Virulenzfaktoren, einem Dormanzantigen und einem Prolin-Prolin-Glutamin-Protein. Das Adjuvans (GLA-SE) ist eine Öl-in-Wasser-Emulsion, in die ein Agonist für den Toll-like-Rezeptor 4 eingebettet ist.

In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-2a-Studie sind Immunogenität und Sicherheit von ID93 + GLA-SE geprüft worden. Es nahmen 18–60 Jahre alte Patienten teil mit einer antibiotikasensiblen, pulmonalen Tb und mindestens 4-monatiger Behandlung. Sie mussten BCG-geimpft und HIV-negativ sein.

Es wurden Placebo oder ID93 in verschiedenen Dosierungen (2–10 μg) kombiniert mit GLA-SE in verschiedenen Mengen (2–5 μg) an 2 oder 3 Tagen (Tage 0/56 oder 0/28/56) intramuskulär injiziert.

Von 177 eingeschlossenen Patienten konnten 61 randomisiert werden. 2 Injektionen à 2 μg ID93 + 5 μg GLA-SE riefen antigenspezifische IgG- und CD4+-T-Zellantworten hervor, die deutlich und signifikant über denen der Placebogruppen lagen und über den Studienzeitraum von 6 Monaten anhielten. Es gab keine schweren unerwünschten Effekte. Die meisten Nebenwirkungen waren leichte bis mittelschwere Schmerzen an der Injektionsstelle und bei einem Patienten ein Grad-3-Erythem.

Fazit: „Bessere Impfstoffe gegen die Tuberkulose werden dringend benötigt“, kommentiert Prof. em. Dr. rer. nat. Stefan H. E. Kaufmann, Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie Berlin. „Schwerpunkt liegt dabei auf der Prävention der Erkrankung. Mit zunehmenden Inzidenzen an multiresistenten Tuberkulosefällen, die schwierig bis gar nicht zu behandeln sind, nimmt aber das Interesse an einer therapeutischen Impfung zu. Wichtige Kandidaten sind Lebendimpfstoffe und adjuvantierte Fusionsproteine wie ID93/GLA-SE.“

In der Phase-2a-Studie mit Tuberkulosepatienten unter medikamentöser Behandlung seien deutliche antigenspezifische IgG- und CD4-T-Zell-Antworten festgestellt worden. „Die stimulierten CD4+- T-Zellen mit Helferfunktion produzieren u. a. Interferon-γ, Tumor-Nekrose-Faktor-α und/oder Interleukin-2. Das sind Anzeichen für eine deutliche Immunantwort. Allerdings dürften auch CD8+-T-Zellen gerade bei der Heilung der aktiven Tuberkulose eine wichtige Rolle spielen. Diese T-Zell-Population wurde leider nicht untersucht. Dennoch sind die Befunde vielversprechend. Sie zeigen, dass Patienten mit aktiver Tuberkulose die Impfung gut vertragen und eine deutliche Immunantwort entwickeln.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Day TA, Penn-Nicholson A, Luabeya AKK, et al.: Safety and immunogenicity of the adjunct therapeutic vaccine ID93 + GLA-SE in adults who have completed treatment for tuberculosis: a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 2a trial. Lancet Respir Med 2020; DOI:10.1016/S2213–2600(20)30319–2.

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