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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

COVID-19 und Wochenbett: Infektion des Kindes lässt sich beim Rooming-in durch gute Hygiene verhindern

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: luckybusiness/stock.adobe.com
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Bei der Entbindung einer SARS-CoV-2-infizierten oder COVID-19-kranken Schwangeren stellt sich die Frage nach dem postpartalen Umgang der Mutter mit dem Kind. Vor allem Speichel und Atemwegssekrete der Mutter gelten als übertragungsrelevant. Welt­gesund­heits­organi­sation und Fachgesellschaften befürworten einen unmittelbaren Mutter-Kind-Kontakt, in Abhängigkeit vom Gesundheitszustand von Mutter und Kind, sofern Hygieneregeln eingehalten werden können (1). In einer prospektiven Studie an 6 Mutter-Kind-Zentren in der Lombardei ist untersucht worden, wie hoch das Risiko für virusnegative Kinder ist, sich während des Rooming-ins bei ihren SARS-positiven Müttern zu infizieren (2).

Zwischen 19. März und 2. Mai 2020 sind 62 Neugeborene, die symptomatisch SARS-CoV-2-inifizierte Mütter hatten, bei Rooming-in nachverfolgt worden (18–22 Tage). Die Frauen konnten entweder die Muttermilch abpumpen oder stillen. Vor dem Stillen waren Händewaschen und -desinfektion vorgeschrieben, beim Stillen ein Mund-Nasen-Schutz (MNS), aber keine Handschuhe. Ein Hautkontakt war also möglich. Außerhalb der Stillphase betrug der Abstand zwischen den Betten ≥ 2 Meter.

Die Kinder wurden nach mindestens 34 Wochen geboren und wogen ≥ 2 000 g. 95 % der Mütter entschieden sich für Stillen, 75 % stillten ausschließlich. Nur 1 von 62 Neugeborenen infizierte sich. Bei seiner Mutter hatten sich die Symptome in der Beobachtungszeit verschlechtert, das Rooming-in wurde abgebrochen. Das infizierte Kind entwickelte vorübergehend eine milde Dyspnoe. Alle anderen Kindern blieben virusnegativ.

Fazit: Rooming-in und Stillen sind mit einem geringen Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion von Kindern durch SARS-CoV-2-positive Mütter assoziiert, wenn es keine erhöhten Risiken gibt und die Mütter gesundheitlich in der Lage sind, die Hygienemaßnahmen einzuhalten.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Aktualisierte Stellungnahme von DGPM, DGGG, DGPGM, DGPI, GNPI und NSK zu SARS-CoV-2/COVID-19 und Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (2. Oktober 2020); über die Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI): https://dgpi.de
  2. Ronchi A, Pietrasanta C, Zavattoni M, et al.: Evaluation of rooming-in practice for neonates born to mothers with Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2 infection in Italy. JAMA Pediatr 2020; doi:10.1001/jamapediatrics.2020.5086.

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