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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Geschlechtsangleichende Operationen: Kaum vermehrte Harninkontinenz nach Trans-Gender-Operationen von Mann zu Frau

Lenzen-Schulte, Martina

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Foto: fotohansel/stock.adobe.com
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Patienten, die sich wegen einer Geschlechtsdysphorie einer angleichenden Operation von Mann zu Frau unterziehen, müssen nicht mit dauerhafter Beckenbodenschwäche und mehr Funktionsstörungen wie Harninkontinenz rechnen. Dies ergab die Nachkontrolle einer Fallserie von 15 Transgender-Frauen (mittleres Alter 30,06 Jahre), die sich zwischen 2016 bis 2018 in der Universität Pernambuco in Recife in Brasilien einer Inversionsvaginoplastik unterzogen hatten.

Diese gilt als Goldstandard, um das Aussehen und die Funktionalität von Vulva und Vagina einer Cis-Gender-Frau möglichst gut nachzuahmen, schreiben die Autoren um Dr. Andrea Lemos vom Labor für Frauengesundheit und Beckenbodenforschung in Pernambuco. Hierfür sind eine Orchidektomie und eine Penisamputation, die Konstruktion einer Neovagina sowie Klitoris- und Labienplastiken notwendig.

Das geht mit einer Resektion von bindegewebigen und muskulären Haltestrukturen des Beckenbodens zwischen Skrotum und Anus einher, wodurch unter anderem der urethrale Sphinkter beeinträchtigt wird. Auch Diskontinuitäten des N. pudendus könnten zu urologischen Funktionsstörungen beitragen.

Außer Schmerzen und der sexuellen Zufriedenheit wurde auch untersucht, inwiefern die Beckenbodenverletzung mit Inkontinenz als Nebenwirkung einherging. Es zeigte sich sowohl im Rahmen der digitalen Untersuchung als auch in der Elektromyografie 15 Tage nach dem Eingriff zwar eine deutliche Schwächung des Beckenbodens. Diese hatte sich jedoch bei einer weiteren Nachuntersuchung (30 Tage postoperativ) wieder gebessert.

Sechs der 15 operierten Patienten litten 30 Tage postoperativ an milder bis moderater Urininkontinenz, vier davon hatten diese Symptomatik jedoch bereits zuvor entwickelt. Eine bei sieben Patienten vorbestehende Nykturie hatte sich bei fünf von ihnen nach dem Eingriff sogar gebessert.

Fazit: Anders als in früheren Berichten über eine deutliche Zunahme urologischer Symptome von fünf auf fast 20 % nach geschlechtsangleichenden Operationen von Mann zu Frau, zeigt die aktuelle Fallserie, dass dies nicht zwingend geschehen muss und sich einige der präoperativen Inkontinenzsymptome sogar verbessern.

Dr. med. Martina Lenzen-Schulte

Hazin M, Ferreira CWS, Andrade R, et al.: Assessment of the strength and electrical activity of the pelvic floor muscles of male-to-female transgender patients submitted to gender-affirming surgery: A case series. Neurourol Urodyn 19 June 2021, DOI: 10.1002/nau.24728.

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