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Forschung nutzt geringfügig weniger Versuchstiere

Freitag, 21. Dezember 2018

/dpa

Berlin – In Deutschland wurden 2017 geringfügig weniger Versuchstiere eingesetzt als im Jahr zuvor. Ihre Zahl sank um 1,7 Prozent auf rund 2,807 Millionen Tiere (2016: rund 2,854 Millionen) in Versuchen eingesetzt worden. Das zeigen Zahlen des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL).

In den Angaben eingeschlossen sind 2.068.813 Tiere, die in Tierversuchen verwendet wurden, und 738.484 Tiere, die ohne Versuchseingriffe für wissenschaftliche Zwecke getötet wurden. „Bei etwa 80 Prozent der eingesetzten Versuchstiere handelte es sich um Nagetiere, vor allem Mäuse und Ratten, wobei Mäuse etwa 66 Prozent der eingesetzten Tiere ausmachten. Circa zwölf Prozent der Tiere waren Fische, rund fünf Prozent Kaninchen und etwa zwei Prozent Vögel“, schreibt das BMEL.

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Der Anteil der Affen und Halbaffen ist mit 3.472 Tieren im Vergleich zum Vorjahr (2016: 2.400) deutlich gestiegen. Menschenaffen wurden in Deutschland zuletzt 1991 für wissenschaftliche Zwecke verwendet, wie das BMEL erläuterte. Bei Hunden und Katzen beliefen sich die Zahlen der eingesetzten Tiere auf 3.330 und 718, die insbesondere zur Erforschung von Tierkrankheiten sowie für die gesetzlich vorgeschriebene Toxizitäts- und Unbedenklichkeitsprüfung von Tier- und Humanarzneimitteln zum Einsatz kamen. Im Vergleich zum Vorjahr zeigte sich damit insgesamt ein leichter Rückgang.

Laut dem Bericht wurden 50 Prozent der Tiere im Bereich der Grundlagenforschung eingesetzt. Bei 27 Prozent ging es um die Herstellung oder Überprüfung von Medikamenten. Weitere 15 Prozent nutzten die Wissenschaftler unmittelbar zur Erforschung von Krankheiten bei Menschen und Tieren.

„Ich will, dass die Zahl der Tierversuche kontinuierlich gesenkt wird. Tiere sind Mitgeschöpfe. Sie verdienen unser Mitgefühl“, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) der Neue Osnabrücker Zeitung angesichts der Zahlen. Dort wo Experimente an Tieren unerlässlich seien, müsse weiter an Alternativen geforscht werden, diese fördere ihr Ministerium finanziell. Die Grünen im Bundestag kritisierten das als ungenügend. Renate Künast, tierschutzpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, sagte: „Wir brauchen jetzt eine klare Ausstiegsstrategie.“

Der Medizinische Fakultätentag (MFT) weist darauf hin, dass Tierversuche mit dem 3R-Prinzip (Replace, Reduce, Refine) strengen Regelungen für die tierexperimentelle Forschung unterliegen. So dürften nur dann Tierversuche durchgeführt werden, wenn nachweislich keine anderen geeigneten Methoden zur Verfügung stünden, um eine wissenschaftliche Fragestellung zu bearbeiten, schreibt der MFT in einer Mitteilung. Anzahl und Belastung der eingesetzten Tiere seien auf ein notwendiges Maß zu beschränken. Jeder Tierversuch müsse darüber hinaus durch die zuständige Behörde genehmigt werden.

Der MFT stellt aber ebenso klar, dass Tierversuche ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Grundlagenforschung und Therapieentwicklung sind. Sie bilden laut MFT die Vorstufe für viele klinische Studien und ermöglichten dadurch den Transfer von Erkenntnissen in die Regelversorgung. Viele medizinische Durchbrüche, etwa im Bereich der Krebsforschung, seien durch Tierversuche erst ermöglicht worden.

„Für die Hochschulmedizin, wo neueste medizinische Erkenntnisse gewonnen und auch erstmalig am Patienten angewendet werden, sind vorhergehende Tierversuche unerlässlich“, sagte MFT-Generalsekretär Frank Wissing. Nur so leßen sich grundlegende Erkenntnisse und die größtmögliche Patientensicherheit gewährleisten.

„Die biomedizinische Forschung geht immer sparsamer mit Versuchstieren um. Sie leistet ihren Beitrag zu einem stetig wachsenden Forschungsfeld mit einem sinkenden Anteil an Versuchstieren“, betonte heute der Sprecher der Initiative Tierversuche verstehen, Stefan Treue. Er verwies darauf, dass weniger Tiere bei mehr Forschungen zum Einsatz kämen.

© may/dpa/aerzteblatt.de

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