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Medizin

Mikrobiom unterscheidet zwischen entzündlichen Darm­er­krank­ungen und Reizdarmsyndrom

Freitag, 21. Dezember 2018

/ fotoliaxrender, stock.adobe.com

Groningen – Patienten mit entzündlichen Darm­er­krank­ungen und dem Reizdarm­syndrom haben unterschiedliche Bakterien im Darm. Laut den in Science Translational Medicine (2018; 10: eaap8914) vorgestellten Ergebnissen könnte ein Stuhltest die Differentialdiagnose erleichtern.

Die Symptome von entzündlichen Darm­er­krank­ungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa auf der einen Seite und dem Reizdarmsyndrom auf der anderen Seite können sich ähneln. Für eine sichere Differenzialdiagnose ist derzeit eine Darmspiegelung notwendig. Dies würden die Ärzte den Patienten mit Reizdarmsyndrom gerne ersparen. Denn die Darmschleimhaut ist bei diesen Patienten unauffällig, während bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa die typischen Entzündungsmerkmale und Beschädigungen zu sehen sind.

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Morbus Crohn und Colitis ulcerosa werden heute mit einer gestörten Reaktion des Immunsystems auf die Darmbakterien in Verbindung gebracht. Beim Reizdarmsyndrom, dessen Pathogenese unklar ist, wird ebenfalls ein Einfluss vermutet.

Arnau Vich Vila von der Universität Groningen und Mitarbeiter haben deshalb das Mikrobiom von 1.792 Personen untersucht. Darunter waren 355 Patienten mit entzündlichen Darm­er­krank­ungen, 412 Patienten mit Reizdarmsyndrom und 1.025 gesunde Kontrollen.  Dabei wurde eine sogenannte „Whole Genome Shotgun Sequencing“ durchgeführt, die eine relativ genaue Bestandsaufnahme aller im Stuhl enthaltenen Bakterien erlaubt.

Die Analyse ergab, dass zwischen den 3 Gruppen gewisse Unterschiede bestanden. Zu den Leitbakterien von Gesunden gehören Actinobacteria. Bei den Patienten mit entzündlichen Darm­er­krank­ungen fiel eine Häufung von Bacteroidetes auf, während bei den Patienten mit Reizdarmsyndrom häufig Firmicutes im Vordergrund standen.

Ein Test, der neben den Patienteneigenschaften (Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index) und dem Entzündungsmarker Calprotectin die 20 häufigsten Bakterienarten berücksichtigte, erreichte einen ROC-Wert von 0,90 für die Unterscheidung von entzündlichen Darm­er­krank­ungen und Reizdarmsyndrom. Mit der Mikrobiom-Untersuchung lag der ROC-Wert bei 0,80 und damit in etwa so hoch wie bei einem alleinigen Darmtest, der die 5 häufigsten Bakterien berücksichtigt. Der ROC-Wert kombiniert Sensitivität und Spezifität. Ein Wert von 1,0 ist eine sichere Diagnose, ein Wert von 0,5 ein reiner Zufall.

Die Rolle der Darmbakterien beim Reizdarmsyndrom ist nicht genau bekannt. Sollte die Veränderung der Darmflora jedoch ursächlich sein, dann könnte durch die Gabe von Probiotika oder durch eine Stuhltransplantation eine Linderung oder sogar Heilung erreicht werden. Alle bisherigen Versuche mit Probiotika haben laut Vila jedoch zu enttäuschenden Ergebnissen geführt. Mach den Ergebnisse der Studie könnte es jedoch möglich sein, dass die Präparate die falschen Bakterien enthielten. © rme/aerzteblatt.de

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