NewsMedizinPankreaskarzinom: Adjuvante Chemotherapie mit Folfirinox kann Leben nach Operation verlängern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Pankreaskarzinom: Adjuvante Chemotherapie mit Folfirinox kann Leben nach Operation verlängern

Freitag, 21. Dezember 2018

/Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Nancy – Für Patienten mit Pankreaskarzinom, das aufgrund seiner Therapieresistenz zu den Krebserkrankungen mit der schlechtesten Prognose gehört, gibt es Grund zur Hoffnung. In einer jetzt im New England Journal of Medicine (2018; 379: 2395-2406) vorgestellten Studie hat eine adjuvante Chemotherapie mit Folfirinox nach einer R0- oder R1-Resektion das krankheitsfreie und das Gesamtüberleben der Patienten deutlich verlängert.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 17.000 Menschen an einem Pankreas­karzinom. Mit etwa 16.500 ist die Zahl der Todesfälle nicht viel geringer. Da die Erkrankungszahlen steigen, könnte das Pankreaskarzinom demnächst zur zweit­häufigsten Krebstodesursache werden, wenn keine entscheidenden Fortschritte in der Therapie erzielt werden.

Anzeige

Selbst wenn die Tumore komplett entfernt werden können, überleben die wenigsten Patienten mehr als 2 Jahre. Die Versuche, die okkulten Krebszellen durch eine adjuvante Chemotherapie abzutöten, die beispielsweise beim Darmkrebs die Überlebenschancen verbessert, sind beim Pankreaskarzinom lange gescheitert. Erst in der CONKO-001-Studie gelang es mit Gemcitabin, das krankheitsfreie Überleben von 6,7 auf 13,4 Monate (das Gesamtüberleben aber nur von 20,2 auf 22,8 Monate) zu verlängern. Die Kombination aus Gemcitabin plus Capecitabin erreichte in der ESPAC-4-Studie eine weitere Verbesserung des Gesamtüberlebens auf 28,0 Monate gegenüber 25,5 Monaten unter einer Monotherapie mit Gemcitabin.

Vor diesem Hintergrund könnten die Ergebnisse der französisch-kanadischen Studie PRODIGE-24 („Partenariat de Recherche en Oncologie DIGEstive 24“) eine weitere Verbesserung bedeuten.

An der Studie nahmen 493 Patienten teil, die sich von einer Operation erholt hatten, bei der der Tumor mikroskopisch (R0) oder makroskopisch (R1) komplett reseziert werden konnte. Weiteres Einschlusskriterium war ein Tumormarker CA 19-9 von unter 180 U/ml.

Die Patienten wurden über 6 Monate auf eine Therapie mit Gemcitabin oder einem modifizierten Folfirinox-Regime (Fluorouracil, Leucovorin, Irinotecan und Oxaliplatin) randomisiert.

Wie Thierry Conroy vom Institut de Cancérologie de Lorraine in Nancy und Mitarbeiter berichten, betrug das mediane krankheitsfreie Überleben, der primäre Endpunkt der Studie, in der modifizierten Folfirinox-Gruppe im Mittel 21,6 Monate gegenüber nur 12,8 Monaten in der Gemcitabin-Gruppe (Hazard Ratio 0,58; 95-%-Konfidenzintervall 0,46 bis 0,73). Die krankheitsfreie Überlebensrate nach drei Jahren betrug in der Folfirinox-Gruppe 39,7 % gegenüber 21,4 % in der Gemcitabin-Gruppe. Das mediane Gesamtüberleben wurde von 35,0 auf 54,4 Monate verlängert (Hazard Ratio 0,64; 0,48-0,86). Die Gesamtüberlebensrate nach 3 Jahren betrug in der Folfirinox-Gruppe 63,4 % und in der Gemcitabin-Gruppe 48,6 %.

Das längere Überleben wurde durch eine erhöhte Toxizität erkauft. In der Folfirinox-Gruppe kam es bei 75,9 % der Patienten zu Nebenwirkungen vom Grad 3 oder 4 gegenüber 52,9 der Patienten in der Kontrollgruppe. In der Folfirinox-Gruppe kam es häufiger zu gastrointestinalen Nebenwirkungen, wobei eine Diarrhö (84,4 %, davon 18,6 mit Grad 3 oder 4) im Vordergrund stand. Unter Gemcitabin kam es häufiger zu einer Thrombozytopenie (50,4 %, davon 4,5 mit Grad 3 oder 4). Neutropenien traten in beiden Gruppen in etwa gleich häufig auf. Ein Patient der Gemcitabin-Gruppe starb an den Folgen einer interstitiellen Pneumonitis, die als Folge der Therapie bewertet wurde.

Der nächste Schritt in der Chemotherapie des Pankreaskarzinoms könnte nach Ansicht der Editorialistin Hedy Kindler, Universität Chicago, in einer neoadjuvanten Chemotherapie bestehen, um die Rate der R0-Resektionen zu erhöhen. Auch eine präoperative Strahlentherapie könnte diesem Ziel dienen. Studienergebnisse zu diesen beiden Ansätzen stehen noch aus. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Februar 2019
Bern/Genf – Bei neuroendokrinen Tumoren des Pankreas, Magens und des Darms könnten Medikamente in Kombination besser wirken als einzeln – insbesondere wenn Somatostatin-Analoga beteiligt sind. Zu
Neuroendokrine Tumoren: Medikamente wirken kombiniert meist besser als einzeln
20. November 2018
Würzburg – Ein Wirkstoff aus einer tropischen Regenwald-Liane hemmt das Wachstum von Bauchspeicheldrüsenkrebszellen. Das haben Forscher vom Institut für Organische Chemie der Universität Würzburg und
Alkaloide aus Lianen töten Pankreaskrebszellen in vitro
31. Juli 2018
London – In Kombination mit einer Chemotherapie könnte Cannabidiol (CBD) von Vorteil bei der Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs sein. Das berichten Forscher der Queen Mary University in London und
Cannabinoid verbessert die Überlebensrate von Mäusen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs
22. Juni 2018
Dresden – Patienten mit Pankreaskrebs, deren Tumorzellen spezielle Mutationen zeigen, sind medikamentöse angreifbar. Das berichten Wissenschaftler des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT)
Bauchspeicheldrüsenkrebs: Seltene Genveränderungen machen Tumor angreifbar
20. Juni 2018
Rochester/Minnesota – Mehr als 5 % aller Patienten mit duktalem Pankreaskarzinom weisen Mutationen in 6 Genen auf, die in einer Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 319: 2401–2409) mit
Keimzellmutationen in sechs Genen häufige Ursache des Pankreaskarzinoms
1. Juni 2018
München – Ein neuer Anti-Krebswirkstoff könnte gegen mehr Krebsarten eingesetzt werden, als bisher angenommen. Ein Team der Technischen Universität München (TUM) zeigte im Mausmodell und an
SHP2-Inhibitoren auch gegen Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs einsetzbar
8. Februar 2018
München – Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den Krebserkrankungen mit der höchsten Sterblichkeit. Bestimmte Gen-Vervielfältigungen könnten die besondere Aggressivität und frühe Metastasierung dieser
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER