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Politik

Pflegekräftemangel in Niedersachsen absehbar

Freitag, 28. Dezember 2018

/dpa

Hannover – Bis 2033 werden voraussichtlich 35 bis 43 Prozent der heute in Nieder­sachsen tätigen Pflegefachpersonen nicht mehr in ihrem Pflegeberuf tätig sein. Diese Zahlen nannte Sandra Mehmecke, Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen, unter Berufung auf den Bericht zur Lage der Pflegefachberufe.

Der Bericht der Pflegekammer Niedersachsen stellt erstmals valide Zahlen, Daten und Fakten zur Situation der Pflegefachberufe in Niedersachsen aus einer Vollerhebung zur Verfügung. Grundlage des Berichts bildet die Registrierung der Pflegefachpersonen in der Pflegekammer Niedersachsen.

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„Die vorliegenden Daten belegen dramatisch die Vermutung, dass der Nachwuchs in Pflegefachberufen die Lücke durch Berufsausstiege in den nächsten 15 Jahren kaum wird schließen können“, sagt Mehmecke. Aufgrund der Datenanalyse sei davon auszugehen, dass in 15 Jahren mehr als zwei Fünftel der heute tätigen Pflegefachpersonen ihren Beruf nicht mehr ausüben werden.

Der Altersdurchschnitt der Pflegefachberufe in Niedersachsen beträgt 45 Jahre. Dabei ist die Altersklasse der über 50-Jährigen mit 38 Prozent am stärksten vertreten. Die Altersklasse der 19- bis 35-Jährigen macht mit knapp 27 Prozent den geringsten Anteil der Pflegefachpersonen aus. Einen großen Einbruch gibt es ist der Altersklasse der über 61-Jährigen. Diese verringert sich gegenüber den 51- bis 60-Jährigen um mehr als 75 Prozent – von 18.682 vollständig registrierten Pflegefachpersonen im Alter von 50 bis 60 Jahre auf 4.328 über 61 Jahre.

„Es ist schon jetzt davon auszugehen, dass die derzeit jährlich etwa 3.700 bis 4.000 Nachwuchskräfte unter Berücksichtigung einer insgesamt hohen Teilzeitquote den zukünftigen Bedarf an Pflegefachpersonen in Niedersachsen nicht decken können.

Hochgerechnet kommen derzeit in Niedersachsen dem Bericht zufolge im Durchschnitt 11,3 Pflegefachpersonen auf 1.000 Einwohner. Es zeigen sich große regionale Unterschiede. Auf den einwohnerstarken Landkreis Harburg kommen beispielsweise prognostisch mit knapp sechs Pflegefachpersonen die wenigsten Pflegefachpersonen auf 1.000 Einwohner. Der Kreis Göttingen hat mit 16,29 Pflegefachpersonen auf 1.000 Einwohner die meisten Pflegefachpersonen im Verhältnis zu den Einwohnern. Selbst die einwohnerstärkste Region Hannover liegt nicht deutlich über dem derzeitigen Durchschnitt von Niedersachsen.

Der Frauenanteil der Pflegefachpersonen in Niedersachsen liegt bei 85,47 Prozent. In der Berufsgruppe der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege ist der Anteil der Frauen mit 98,17 Prozent noch deutlich höher als in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Altenpflege.

Die derzeitigen Angaben der vollständig registrierten Pflegefachpersonen in Niedersachsen zeigen zudem eine sehr geringe Akademisierungsquote in den Pflegefachberufen auf. Von den 60.000 vollständig registrierten Pflegefachpersonen haben gerade einmal 1.800 Pflegefachpersonen (drei Prozent) einen akademischen Grad angegeben. 97 Prozent der Pflegefachpersonen verfügen demnach über keinen akademischen Abschluss.

Das Pflegefachberuferegister umfasst zum Zeitpunkt der Stichprobenziehung für die Erstellung des Berichtes (Stichtag 8. November 2018) 60.000 vollständig registrierte Kammermitglieder. Aufgrund der übermittelten Daten der Arbeitgeber geht die Pflegekammer Niedersachsen von 80.000 bis 95.000 Pflegefachpersonen in Niedersachsen aus. © may/EB/aerzteblatt.de

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