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Politik

Spahn will Regresse gegen Ärzte lockern

Freitag, 21. Dezember 2018

/Bits and Splits, stockadobecom

Berlin – Ärztliche Entscheidungen sollen künftig nur noch im konkreten Verdachtsfall überprüft werden. Man schaffe „bestimmte Regresse und die Zufallsprüfungen ab“, wie Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sagte. Ärzte sollten ihre Patienten ohne Angst vor einem Regress gut versorgen können.

Spahn nennt damit Details aus einem Änderungsantrag für das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG). Demnach sollten künftig je Quartal „höchstens zwei Prozent“ der Ärzte auf die Wirtschaftlichkeit ihrer Verordnungen geprüft werden, bisher sind es „mindestens“ zwei Prozent, wie die FAZ schreibt.

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Zudem soll die Frist für die Rückwirkung halbiert werden. Krankenkassen könnten Rückforderungen in der Regel dann nur noch für zwei Jahre geltend machen. Anders als bisher sollen die kontrollierten Ärzte nicht zufällig ausgewählt werden, es muss dafür einen Antrag mindestens einer Kasse geben, wie es weiter heißt. Verdachtsanlässe seien im Änderungsantrag – wie im geltenden Recht – beschrieben als Fehlverhalten, Fehlindikation, Ineffektivität, Qualitätsmangel oder Unangemessenheit der Kosten, so die Zeitung.

Kriterien für die Prüfung sollen Ärzte und Kassen aushandeln. In Bezirken, in denen zu wenig Ärzte sind, soll auf Prüfungen nach Durchschnittswerten ganz verzichtet werden. Sollte es zu Nachforderungen kommen, seien zudem Begrenzungen vorgesehen. 

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) begrüßte heute die Pläne von Spahn. Damit habe der Minister alte Forderungen der KBV aufgegriffen, sagte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Gassen.

Am besten wäre es aus seiner Sicht jedoch gewesen, die Regresse würden generell abgeschafft. Die nun angekündigten Regelungen würden den niedergelassenen Ärzten ihre Arbeit aber ebenfalls erleichtern. Gassen wünschte sich „diesen konstruktiven Dialog“ auch bei der weiteren Ausgestaltung des TSVG. © may/EB/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Samstag, 22. Dezember 2018, 10:14

Regresse – null Einsicht bei den Politikern

Offenkundig hat die Politik erkannt, dass Regresse äußerst abschreckend wirken, sonst würde der Minister nicht über eine Änderung nachdenken. Aber die Prüfintensität von „mindestens 2%“ auf „bis zu 2%“ zu verändern, das ist billigste Kosmetik. Das bringt Spahn eine Schlagzeile in seinem Sinne, ändern tut es nichts.

Dass die KBV die Pläne von Spahn begrüßt, zeigt lediglich, dass auch die KBV nicht ansatzweise verstanden haben kann, was Regresse bzw. schon die Möglichkeit, dass es zu Regressen kommen könnte – auch wenn man aus medizinischer Sicht alles richtig gemacht hat, anrichten. Wer seine Sinne noch alle beieinander hat, der wird sich nicht dem Risiko von Regressen aussetzen.

„Im Prinzip“ haben das sogar die Politiker verstanden, aber halt nur im Prinzip. Denn auch die Politik scheint verstanden zu haben, dass die Attraktivität des Berufes mit den Regressen korreliert. Wo es für den Nachwuchs so unattraktiv ist, dass er gleich ganz ausbleibt, also in den unterversorgten Regionen, will man auf Regresse ganz verzichten.

Wenn man sich von dem Verzicht erhofft, dass sich mehr Ärzte niederlassen, dann sind doch im Umkehrschluss Regresse direkt für den Ärztemangel (mit-)verantwortlich. Oder?

Wenn dem so wäre, warum schafft man die Regresse dann nicht komplett ab, um so wenigstens mal eines der vielen Hindernisse für den Nachwuchs zu beseitigen?
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