NewsVermischtesÄrzte warnen vor hohen Feinstaubwerten durch Silvesterfeuerwerk
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Ärzte warnen vor hohen Feinstaubwerten durch Silvesterfeuerwerk

Freitag, 28. Dezember 2018

/dpa

Halle – Millionen Menschen in Deutschland zücken in der Silvesternacht wieder Feuerzeuge und Streichhölzer, um das neue Jahr mit Raketen zu begrüßen. Doch das Feuerwerk hat eine Kehrseite für die Gesundheit: Regelmäßig schießen zu Silvester die Feinstaubwerte in die Höhe, besonders in Großstädten.

Wegen der Folgen für kleine Kinder, Senioren und chronisch Kranke hat die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) dazu aufgerufen, weniger Feuerwerk einzusetzen oder ganz darauf zu verzichten. Diese Gruppen litten zu Beginn des neuen Jahres besonders häufig unter Husten und Atembeschwerden, es komme vermehrt zu Krankenhauseinlieferungen.

Anzeige

Das Umweltbundesamt (UBA) erwartet zu Silvester die Freisetzung von rund 4.500 Tonnen Feinstaub. Das bewege sich in etwa in der Größenordnung der Vorjahre, sagte UBA-Meteorologin Ute Dauert. „Wie groß die tatsächliche Feinstaubbelastung in der Silvesternacht wird und wie schnell sie wieder abklingt, hängt dann aber auch von den Wetterverhältnissen ab.“

In der ersten Stunde des neuen Jahres können die Feinstaubwerte, die normalerweise um die 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegen, mitunter auf 2.000 oder bis hin zu 4.000 Mikrogramm in die Höhe schießen, wie Dauert erläuterte. Herrsche eine kalte Hochdruckwetterlage mit sehr eingeschränktem Luftaustausch, gehe die Feinstaubbelastung nur sehr langsam zurück. Das heißt, dass sich die winzigen Stückchen, die beim Abbrennen von Feuerwerk entstehen, durchaus mehrere Tage in der Luft halten – für Städte kann das der Expertin zufolge im Einzelfall extrem hohe Tagesmittelwerte von mehr als 500 Mikrogramm pro Kubikmeter bedeuten.

Bei Regen und Sturm sinken hingegen die Feinstaubwerte in der Regel innerhalb von Stunden wieder auf Normalniveau ab. Das war etwa an Silvester 2017/2018 der Fall. Erfahrungsgemäß trifft eine hohe Feinstaubbelastung zu Silvester besonders Städte wie Berlin, München und Hamburg. Ballungsräume, in denen viele Menschen auf engem Raum Feuerwerk abschießen, zum Beispiel auf Feiermeilen. Generell wird laut UBA in vielen Städten am ersten Januar der höchste Feinstaubwert des ganzen Jahres erreicht.

Extrem hohe Feinstaubwerte können kleinen Kindern, Senioren, aber auch Asthmatikern und chronisch Lungenkranken akute Probleme wie Husten und Atembeschwerden bereiten. Schützen könnten sich diese Menschen kaum, da selbst Atemschutzmasken die Mini-Teilchen nicht komplett filterten, so die DGP. Auch Gesunde dürften das Halskratzen und das Brennen in den Augen nach dem Feuerwerk kennen.

Für die Gesundheit der Menschen sind laut UBA zwar dauerhaft erhöhte Werte bedeutender als einzelne Ereignisse wie Silvester. Expertin Dauert betonte aber auch, dass es für Feinstaub keine Schwelle gibt, unterhalb derer keine schädigende Wirkung für die Bevölkerung zu erwarten ist. Der Anteil von Feuerwerk an den Gesamt-Feinstaubemissionen in Deutschland betrage gut zwei Prozent, sagte Dauert. Zieht man nur die Straßenverkehrsemissionen als Vergleich heran, so macht Feuerwerk rund 15 Prozent der jährlich freigesetzten Menge aus.

Feinstaub entsteht im Verkehr durch Verbrennungsmotoren, aber auch durch Reifenabrieb. Weitere Quellen sind zum Beispiel die Industrie, Kraftwerke und Holzöfen. Hinzu kommen natürliche Feinstaubquellen, so dass eine gewisse Grundbelastung unvermeidlich ist.

Feinstaub kann je nach Teilchengröße nicht nur tief in Lunge und Bronchien, sondern auch ins Blut gelangen und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems hervorrufen. Insgesamt verliere die Bevölkerung in Deutschland durch Luftverschmutzung mit Feinstaub jährlich 600.000 Lebensjahre, teilte die DGP mit. Inzwischen wird Feinstaub auch als Risikofaktor für Demenz diskutiert.

Die EU-Grenzwerte für Feinstaub wurden in Deutschland in den vergangenen Jahren weitgehend eingehalten – das liegt aber auch daran, dass die zulässigen Werte teils deutlich höher liegen als die von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) empfohlenen Richtwerte.

„Das traditionelle Feuerwerk sieht zwar schön aus, belastet aber Gesundheit und Umwelt mit Feinstaub, Lärm und Müll“, sagte auch die Präsidentin des Landesamts, Sandra Hagel. Sie hofft, dass sich möglichst viele Menschen gegen die private Knallerei entscheiden. © dpa/afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. März 2019
Berlin – Ausnahmen für neue Dieselautos, Kontrollen nur als Stichproben: Die Große Koalition will die Folgen von Fahrverboten in Städten möglichst gering halten. Eine der wichtigsten Regelungen, die
Regeln zum Umgang mit Dieselfahrverboten beschlossen
14. März 2019
Straßburg – Die Grenzwerte für Schadstoffe in der Luft sollten nach dem Willen des Europaparlaments in der EU überarbeitet werden. So sollte die EU-Kommission – wie von der Welt­gesund­heits­organi­sation
EU-Parlament fordert schärfere Grenzwerte für Schadstoffe in der Luft
13. März 2019
Brüssel/Berlin – Im Streit um Dieselabgase hat die EU-Kommission Zweifel von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) an Grenzwerten für Luftverschmutzung klar zurückgewiesen. In einem Brief von
Brüssel weist Scheuers Zweifel an Stickoxidgrenzwerten zurück
12. März 2019
Mainz – Die Schäden der Luftverschmutzung auf die Gesundheit sind möglicherweise größer als bisher angenommen. Nach neuen Berechnungen im European Heart Journal (2019; doi: 10.1093/eurheartj/ehz135)
Luftverschmutzung verursacht jedes Jahr 800.000 vorzeitige Todesfälle in Europa
12. März 2019
Stuttgart – Im Kampf gegen weitere drohende Dieselfahrverbote werden in Stuttgart an 40 Standorten neue Messstellen für Stickstoffdioxide aufgestellt. Die neue Messstellen sollen unverzüglich kommen,
Stuttgart misst Stickstoffdioxide an 40 neuen Stellen
7. März 2019
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) erwartet, dass die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) in absehbarer Zeit eine Absenkung der Grenzwerte für Stickstoffdioxid
Lungenärzte erwarten Verschärfung der Grenzwerte für Stickstoffdioxid
28. Februar 2019
Luxemburg – Beim Schutz vor Luftschadstoffen haben Bürger aus Sicht der zuständigen Generalanwältin am Europäischen Gerichtshof starke Rechte. So können Anwohner ihrem Gutachten zufolge von Gerichten
LNS
NEWSLETTER