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Medizin

Wie Immunzellen bei Multipler Sklerose die Blut-Hirn-Schranke überwinden

Freitag, 28. Dezember 2018

/decade3d, stockadobecom

Essen/Münster – Die Blutgerinnung und das Enzym Kallikrein nebst seiner Vorstufe Kinin tragen dazu bei, dass weiße Blutkörperchen bei der Multiplen Sklerose (MS) die Blut-Hirn-Schranke überwinden und in das zentrale Nervensystem einwandern. Dort greifen sie das körpereigene Nervengewebe an und lösen eine Entzündungsreaktion aus. Das berichten Wissenschaftler der Universitäten Duisburg-Essen (UDE) und Münster in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2018; doi: 10.1073/pnas.1810020116). 

In den charakteristischen Entzündungsherden im Hirn und Rückenmark von MS-Patienten findet sich überdurchschnittlich viel Präkallikrein, eine Vorstufe des Enzyms. Damit es die Entzündung im Nervensystem befeuern kann, muss es aktiviert werden. Hier stießen die Wissenschaftler den Gerinnungsfaktor XII. Von ihm hatte das Forschungsteam schon 2015 nachgewiesen, dass es zum Entzündungsprozess bei MS beiträgt.

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Im Mausmodell konnten die Forscher jetzt zeigen, dass Tiere, denen das Enzym im Plasma fehlt, weniger gefährdet sind, an der experimentellen Form der MS zu erkranken. Ein Medikament, das Kallikrein blockiert, hat bei den Tieren den gleichen Effekt. Auch bei bereits erkrankten Mäusen wirkte die Behandlung noch: Ihre Blut-Hirn-Schranke wurde deutlich weniger zerstört als die unbehandelter Mäuse und auch die Entzündung des Nervensystems fiel schwächer aus.

„Wir können also die Einwanderung schädlicher Zellen in das zentrale Nervensystem bei MS verringern, wenn wir es schaffen, Kallikrein zu blockieren“, erläuterte Christoph Kleinschnitz, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen.

Dies könnte eine neue Strategie zur MS-Bekämpfung begründen. „Wir denken, dass die Beeinflussung von Gerinnungsfaktoren eine elegante Möglichkeit ist, in der Zukunft entzündliche Erkrankungen des Gehirns zu behandeln“, ergänzte der Koordinator der Studie und Direktor des ITN Münster, Sven Meuth. © hil/aerzteblatt.de

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