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Medizin

Postnatale Depression von Vätern kann sich auf Töchter übertragen

Mittwoch, 2. Januar 2019

/Viacheslav Iakobchuk, stock.adobe.com

Cambridge – Eine postnatale Depression der Eltern kann eine normale emotionale Entwicklung der Kinder behindern. Töchter scheinen nach den Ergebnissen einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Psychiatry (2018; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2018.3667) vor allem unter einer Depression des Vaters zu leiden.

Postnatale Depressionen treten nicht nur bei Müttern auf. Auch einer von 20 neuen Vätern findet sich mit den neuen Familienverhältnissen nur schwer ab. Frühere Studien hatten gezeigt, dass die Depressionen der Mutter sich auf die Kinder übertragen können. Psychologen führen dies auf die verminderte mütterliche Zuneigung zurück. Die Depression führt dazu, dass die Mütter verbal und visuell weniger intensiv mit den Kindern interagieren. Auch eine fehlende Ausgeglichenheit kann die Säuglinge verstören, deren wichtigster Bezugspunkt die Mutter ist, während Väter eine untergeordnete Rolle spielen. So dachte man bisher.

Die Ergebnisse, die ein Team um Paul Ramchandani von der Universität Cambridge vorstellt, lassen Zweifel an der Nebenrolle des Vaters aufkommen. Der Psychiater hat die Daten der Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC) ausgewertet, die eine Kohorte von Kindern seit der Schwangerschaft ihrer Mütter Anfang der 1990er-Jahre begleitet.

8 Wochen und 8 Monate nach der Geburt hatten 3.176 Mütter und Väter einen Fragebogen zum Nachweis von postnatalen Depressionen („Edinburgh Postnatal Depression Scale“) ausgefüllt. Die Kinder waren im Alter von 18 Jahren mit dem Clinical Interview Schedule Revised (CIS-R) auf Depressionen hin untersucht worden.

Wie Ramchandani herausfand, litten die weiblichen Teenager  häufiger unter Depressionen, wenn beim Vater eine postnatale Depression bestanden hatte. Bei Jungen konnte eine solche Beziehung zur väterlichen Depression nicht nachgewiesen werden.

Der Grund für diese besondere Rolle des Vaters auf die emotionale Entwicklung der Töchter ist unklar. Da die Väter später nicht wieder auf Depressionen hin untersucht wurden, könnte die Gemütsstörung, wenn sie denn weiter bestand, sich auch in späteren Phasen der Entwicklung auf die Töchter ausgewirkt haben. Welche Aspekte der Vater-Tochter-Beziehung dies sind, konnte die Studie, die allein die Ergebnisse aus wenigen Untersuchungen in Beziehung setzt, nicht klären.

Weitere Analysen zeigen, dass die mütterliche Depression einen Teil der Assoziation erklärt. Ramchandani gibt den Anteil mit 21 % an. Auch Störungen im Sozialverhalten der Kinder, die im Alter von 42 Monaten untersucht wurden, könnten 7,5 % erklären. Konflikte unter den Eltern und die Beteiligung des Vaters an der Betreuung des Kindes spielten keine Rolle. Die Mütter waren, als das Kind 18 Monate alt war, gefragt worden, wie stark die Väter in die Erziehung involviert waren.

Ramchandani gesteht ein, dass die Studie nur einige wenige Aspekte im Familienleben untersucht hat. Der Psychiater vermutet, dass Depressionen bei Vätern zu einem erhöhten Stressniveau in der ganzen Familie führen und dass dieses gestörte Familienleben dann für die Depressionen der Teenager verantwortlich ist. Warum Mädchen hier sensibler reagieren, ist unklar.

In früheren Studien hatte das Forschungsteam herausgefunden, dass eine postnatale Depression der Väter sich negativ auf das Verhalten und die emotionale Entwicklung der Kinder auswirkt. Dies wurde damals ebenfalls mit einer Störung des Familien­lebens erklärt. © rme/aerzteblatt.de

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