NewsMedizinMechanismus des Leberversagens bei Hepatitis
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Mechanismus des Leberversagens bei Hepatitis

Mittwoch, 2. Januar 2019

/fotoliaxrender, stock.adobe.com

München – Eine Virushepatitis kann bekanntlich zum Zusammenbruch der Leberfunktion führen. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) haben jetzt den Pathomechanismus beim Leberversagen beschrieben und im Tiermodell einen Wirkstoff identifiziert, der diese tödlichen Prozesse verhindert. Die Arbeit ist im Fachmagazin Nature Communications erschienen (2018; doi: 10.1038/s41467-018-07213-x).

Eine Infektion der Leber mit Hepatitisviren kann sehr unterschiedlich ablaufen: Die Leberentzündung kann ausheilen, chronisch werden, sodass eine lebenslange Einnahme von Medikamenten notwendig ist, oder sie kann fulminant verlaufen. Die immunvermittelten Schäden in der Leber sind dann so stark, dass es zum Leberversagen kommt. 

Im Verlauf einer Hepatitis versucht das Immunsystem, die Infektion in den Griff zu bekommen, indem sie mit Hilfe von T-Killerzellen die infizierten Leberzellen angreift und abtötet. Bisher wurde angenommen, dass dieser Prozess für die starken Organschäden bei einer akuten Hepatitis verantwortlich ist. Die Arbeitsgruppe um Dirk Wohlleber, Forschungsgruppenleiter an der TUM und Percy Knolle, Professor für Molekulare Immunologie, hat zusammen mit Forschern der Universität Würzburg und der Universität Bonn eine andere Erklärung gefunden: Nicht der Tod der Leberzellen, sondern Defekte im Blutgefäßsystem sind nach ihren Ergebnissen die Gründe für das Versagen des Organs.

In der Leber gibt es neben den eigentlichen Hepatozyten auch sogenannte sinusoidale Leberendothelzellen, kurz LSECs. Sie sind die Verbindung der Leberzellen zum Blutgefäßsystem und regeln den Austausch von Nährstoffen und Sauerstoff mit dem Blut. Sie haben zudem die Fähigkeit, kleine Teile von Viren auf ihrer Außenseite zu präsentieren. Die Forscher beobachteten, dass die T-Killerzellen diese Virenstücke spezifisch erkannten. Sie hielten LSECs für infizierte Leberzellen und töteten sie. Dafür nutzten sie Proteine, die sich in die Zellmembran der Zielzelle einbauen und eine Pore bilden. Diese sogenannten Perforine durchlöchern die Membran und zerstören die Zelle.

„Wir haben beobachtete, dass das Abtöten der LSECs durch die Immunzellen massive Auswirkungen auf das Lebergewebe hat. Der Blutfluss in der Leber ist massiv gestört und das führt dazu, dass sehr viele auch nicht infizierte Leberzellen sterben“, erklärt Wohlleber. 

In einem speziellen neuen Mausmodell konnten die Wissenschaftler zeigen, dass ein sogenannter Perforin-Inhibitor den Prozess blockiert. Der Inhibitor verhinderte die Porenbildung durch Killer-T-Zellen und damit das Absterben der LSECs. © hil/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

10. März 2020
Washington – Die US Preventive Services Task Force (USPSTF) rät allen Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren, sich auf Hepatitis C-Screening testen zu lassen. Die entsprechende Grad B-Empfehlung
Opioid-Krise: US-Experten fordern Hepatitis C-Screening aller Erwachsenen
19. Februar 2020
Msida/Malta – Die gegenwärtige Masern-Epidemie konfrontiert Ärzte mit einer Erkrankung, die viele vormals nur aus den Lehrbüchern kannten. Eine Fallserie in BMJ Case Reports (2020; doi:
Masern: Hepatitis, Appendizitis und Meningitis als Komplikationen
18. Dezember 2019
Lyon – Krankheitserreger wie das humane Papillomavirus (HPV), Helicobacter pylori, das Hepatitis B-Virus (HBV) oder das Hepatitis C-Virus (HCV) haben im letzten Jahr weltweit 2,2 Millionen und damit
Infektionen weltweit für fast jede achte Krebserkrankung verantwortlich
20. November 2019
Chemnitz – An der wegen eines Hepatitis-A-Falls geschlossenen Grundschule in Chemnitz findet bis auf weiteres kein Unterricht statt. Von morgen an wird die Schloßgrundschule lediglich für die
Nach Hepatitis-A-Fall vorerst kein Unterricht an Chemnitzer Schule
15. November 2019
Chemnitz – Wegen eines Falls von Gelbsucht ist in Chemnitz eine Schule vorübergehend geschlossen worden. Wie die Stadt gestern mitteilte, war an der Schloßgrundschule bei einem Kind die
Hepatitis A: Grundschule in Chemnitz bleibt für ungeimpfte Lehrer und Schüler geschlossen
21. Oktober 2019
Donauwörth – Rund ein Jahr nach dem Bekanntwerden des Hepatitisskandals im nordschwäbischen Donauwörth sind die Ermittlungen weiterhin nicht abgeschlossen. Ein Narkosearzt der Donau-Ries-Klinik in
Ermittlungen im Hepatitisskandal nicht abgeschlossen
30. August 2019
Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt vor schwerwiegenden Leberschäden, zu denen es bei Patienten gekommen ist, die mit den Kombinationspräparaten Mavyret, Zepatier und Vosevi
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER