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Medizin

Herkunft der Cholera im Jemen geklärt

Donnerstag, 3. Januar 2019

Cholera Zellanatomie/decade3d adobe.stock.com
Der Cho­le­ra-Erreger Vibrio cho­le­rae glie­dert sich in mehr als 100 Serovarianten, die sich in ih­ren O-Antigenen un­ter­scheiden. /decade3d adobe.stock.com

Paris – Die Cholera-Erreger, die seit September 2016 zwei Epidemien in dem vom Bürgerkrieg heimgesuchten Jemen ausgelöst haben, wurden über Ostafrika aus Südasien eingeschleppt. Zu diesem Ergebnis kommt ein Genomvergleich in Nature (2019; doi: 10.1038/s41586-018-0818-3).

Die Cholera war im Jemen zuerst im September 2016 ausgebrochen. Die erste Welle verlief mit 25.839 Verdachtsfällen noch relativ glimpflich. Seit dem 24. April 2017 sind in einer zweiten Welle mehr als eine Million Menschen erkrankt und mindestens 2.300 gestorben. Die Ausbreitung der Cholera wurde durch die fehlenden sanitären Anlagen und die Zerstörungen durch den Bürgerkrieg begünstigt. Die Frage nach der Herkunft des Erregers ist jedoch interessant, da die Cholera-Epidemie, die 2010 in Haiti begann, durch nepalesische UN-Soldaten eingeschleppt wurde. 

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François-Xavier Weill vom Institut Pasteur in Paris und Mitarbeiter haben jetzt das Genom von Vibrio cholerae in 42 Proben sequenziert, die im Jemen selbst und aus einem jemenitischen Flüchtlingslager an der Grenze zwischen Saudi-Arabien und Jemen entnommen worden waren. Außerdem wurden 74 weitere Cholera-Proben aus Südasien, dem Nahen Osten sowie aus Ost- und Zentralafrika sequenziert. Aus früheren Untersuchungen standen die Gensequenzen von 1.087 V. cholerae-Erregern zur Verfügung. Sie gehörten zum Stamm „7PET“, der seit den 1960er Jahren weltweit immer wieder zu Ausbrüchen geführt hat.

Von Südasien und Ostafrika über das Rote Meer in den Jemen

Der Vergleich der Genom-Sequenzen zeigte, wie die Cholera-Bakterien den Jemen erreichten. Die ersten Ausbrüche mit den aktuellen Bakterien hatte es im Jahr 2012 in Südasien gegeben. Danach kam es 2013 und 2014 zu vereinzelten Ausbrüchen in Ostafrika. Die Bakterien sind dann über das Rote Meer in den Jemen gelangt.

Die Forscher stellten überraschenderweise fest, dass der aktuelle Cholera-Stamm weniger resistent gegen Antibiotika ist als andere Stämme. Laut Weill sind vier Gene, die für die Resistenz gegen klinisch relevante Antibiotika verantwortlich sind, verloren gegangen. Die Cholera könnte deshalb gut behandelt werden, sofern den Ärzten die entsprechenden Antibiotika zur Verfügung stehen. 

Laut dem letzten Situationsbericht der Welt­gesund­heits­organi­sation ist die Zahl der Erkrankungen in den letzten Monaten zurückgegangen. In der Kalenderwoche 47 (19. bis 25. November 2018) waren 13.480 Verdachtsfälle und 11 Todesfälle gemeldet worden. Seit Anfang 2018 waren 311.288 Menschen im Jemen an der Cholera erkrankt und 401 daran gestorben. Die Case Fatality Rate betrug damit 0,13 %. Ein Drittel der Erkrankungen tritt bei Kindern unter fünf Jahren auf.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #673062
emelyjan
am Freitag, 4. Januar 2019, 10:11

Cholera über (Kinder-)Söldner aus dem Sudan

Saudi-Arabien setzt lt. Frankfurter Rundschau (Dat. nicht mehr bekannt) über 20.000 Söldner im Jemen ein. Darunter eine sehr große Zahl Kindersoldaten. Und da wundern sich Wissenschaftler, wie die Cholera aus Ostafrika in den Jemen kommt? Lt. dem Artikel sind darunter sehr viele Kriegsverbrecher, die im eigenen Land große Gräuel begangen haben. Über diese Situation hört und sieht man leider in den Medien kaum etwas. Saudi-Arabien Allah sei Dank.
LNS

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