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Antibiotikaverbrauch in vielen Teilen der Welt nahezu unbekannt

Donnerstag, 3. Januar 2019

/Vladimir Zhupanenko, stock.adobe.com

Genf – Die Überwachung des Antibiotikaverbrauchs und der Antibiotikaresistenz bei Mensch und Tier ist eine Schlüsselstrategie bei der Bekämpfung von Antibiotika­resistenzen. Darauf weist die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) in der Januarausgabe des WHO-Bulletins hin (2019; doi: 10.2471/BLT.18.227348). 

„Die Überwachung des Antibiotikakonsums kann den Ländern helfen, Probleme im Zusammenhang mit dem Antibiotikakonsum zu erkennen, ihre Maßnahmen zur Bewältigung dieser Probleme zu steuern und diese Maßnahmen zu bewerten. Im Laufe der Zeit ermöglicht die Überwachung Vergleiche zwischen und innerhalb von Ländern, die helfen, gemeinsame Ziele zu setzen und wechselnde Trends bei der Verwendung von Antibiotika zu erkennen“, schreiben die Autoren um Wenjing Tao.

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Aber während viele Länder mit hohem Einkommen den nationalen Antibiotika­verbrauch ständig überwachten, fehlten aus den meisten Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen Informationen. „Der Mangel an Daten über die Menge der auf nationaler Ebene konsumierten Antibiotika ist beunruhigend: Eine unangemessene Verschreibungspraxis und Selbstmedikation mit Antibiotika sind in vielen dieser Länder weit verbreitet, was zu hohen Raten von Antibiotikresistenzen führt“, so die Autoren.

Die WHO habe daher ein standardisiertes Überwachungsprotokoll für Länder ohne nationale Überwachung des Antibiotikaverbrauchs entwickelt und unterstütze diese Länder auch bei der Umsetzung des Protokolls. In dem im November 2018 veröffent­lichten Bericht über die Verbrauchsraten von Antibiotika in 65 Ländern sei es daher möglich gewesen, auch 15 Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen einzubeziehen. Die Auswertung der Daten zeige unter anderem, dass der Antibiotikaverbrauch zwischen den Ländern um den Faktor 16 variiere.

Die Überwachung des Antibiotikakonsums in den 15 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen hat sich laut der WHO positiv auf die Arzneimittelversorgung in den betroffenen Ländern ausgewirkt. So plane Bangladesch beispielsweise, die Qualitätssicherung von Arzneimitteln zu verbessern, indem es den Kontrollen der meistverkauften Antibiotika, die in seinen Überwachungsdaten identifiziert wurden, Priorität einräume.

Laut der WHO bedarf es „eines anhaltenden globalen Engagements zur Unterstützung der Länder bei der Entwicklung einer nationalen Überwachung des Antibiotika­verbrauchs in allen Sektoren, einschließlich Viehzucht und Landwirtschaft“. Länder, die bereits über bestehende Überwachungssysteme verfügten, sollten ihre Daten weiterhin mit der WHO teilen. „Daten über den Antibiotikakonsum in allen Sektoren können eine wirksame nationale und globale Koordinierung der Maßnahmen zur Eindämmung der Antibiotikaresistenz unterstützen und helfen, Bereiche zu priorisieren, in denen diese Maßnahmen am kritischsten sind“, schreiben die WHO-Autoren. © hil/aerzteblatt.de

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