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Medizin

Forscher erzeugen weiße Blutzellen im Bioreaktor

Freitag, 4. Januar 2019

/science photo, stockadobecom

Hannover – Bislang ist es nicht möglich, Blut in großem Maßstab künstlich herzustellen – es ist nur durch Spenden generierbar. Ein interdisziplinäres Forscherteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat aber nun eine neuartige Technik entwickelt: In Bioreaktoren können die Forscher kontinuierlich unterschiedliche, reife Blutzellen nach Bedarf herstellen und in einem wöchentlichen Rhythmus über einen Zeitraum von mehreren Monaten ernten. Sie berichten davon in der Zeitschrift Nature Communications (2018; doi: 10.1038/s41467-018-07570-7).

„Unsere Technologie ist so effizient, dass wir die jetzigen Erkenntnisse in nur wenigen Schritten auf größere, noch effizientere Bioreaktoren übertragen können, um so Blutzellen im industriellen und qualitätskontrollierten Maßstab herzustellen“, erläutert Nico Lachmann vom MHH-Institut für Experimentelle Hämatologie, der gemeinsam mit Antje Munder, MHH-Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie, die Forschungsarbeiten leitete. 

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Zur Herstellung der Blutzellen verwenden die Forscher menschliche induzierte pluripotente Stammzellen. Sie werden aus Körperzellen hergestellt und können in nahezu jede Zellart differenziert werden. Mit der neuen Technologie hat das Team zunächst Makrophagen hergestellt – also Blutzellen, die im Körper krankheits­erregende Bakterien vernichten können. Diese Fresszellen wendeten sie dann erfolgreich als innovative Therapie in einem Tiermodell an: Eine durch Pseudomonas­bakterien ausgelöste akute Lungeninfektion in Mäusen verlief sehr viel milder, wenn die Tiere zusätzlich Makrophagen erhielten.

Pseudomonasbakterien gehören laut der Welt­gesund­heits­organi­sation zu den gefährlichsten Krankheitserregern auch für Menschen. So sind multiresistente Pseudomonaden beispielsweise für Patienten auf Intensivstationen eine große Gefahr. Die Forscher hoffen nun, eine Makrophagentherapie als antibiotikaunabhängige Behandlung für diese Risikopatienten zu etablieren. „Aufgrund der Eigenschaften von Makrophagen, Bakterien zu bekämpfen, denken wir, dass das neue Herstellungs­verfahren und die makrophagenbasierte Therapie bei zahlreichen bakteriellen Infektionen hilfreich sein könnten und wir somit einen neuen therapeutischen Weg einschlagen können“, sagte Mania Ackermann vom MHH-Institut für Experimentelle Hämatologie, eine der Erstautoren der Publikation.

Die Studie wurde vom Exzellenzcluster REBIRTH, der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung, dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung sowie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt. © hil/aerzteblatt.de

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