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Ärzteschaft

Kassenärzte fordern Änderungen an Plänen für mehr Sprechzeiten

Freitag, 4. Januar 2019

/dpa

Berlin – Die Kassenärzte fordern noch Änderungen an geplanten Vorgaben für Sprechzeiten, die gesetzlich Versicherte schneller an Termine bringen sollen. „Ich habe große Zweifel, dass das Gesetz, wenn es so kommt, die gewünschte Wirkung entfaltet“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. Es sei ein richtiger Ansatz, mehr Geld für mehr Leistungen vorzusehen. Dies müsse man aber auf die regionalen Bedürfnisse anpassen – etwa mit extra Anreizen für Sprechstunden abends oder samstags. „Das mit so einem holzschnittartigen Gesetz über die ganze Republik zu ziehen, wird nicht funktionieren.“

Ein von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) auf den Weg gebrachter Entwurf sieht vor, dass Praxisärzte künftig mindestens 25 statt 20 Stunden pro Woche für Kassenpatienten anbieten müssen. Augenärzte, Frauenärzte und Hals-Nasen-Ohren-Ärzte sollen fünf Stunden offene Sprechzeiten ohne feste Termine einrichten. Ärzte sollen Zuschläge bekommen, wenn sie neue Patienten aufnehmen. Die bisher nach Ländern unterschiedlich organisierten Telefonservicestellen für Termine sollen bundesweit zu Rund-um-die-Uhr-Angeboten ausgebaut werden.

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„Niedergelassene Ärzte arbeiten schon jetzt weit mehr als 20 Stunden in der Woche. Aber es gibt viel mehr als Sprechstunden in der Praxis – Hausbesuche, Terminieren von Untersuchungen, Bereitschaftsdienste“, sagte Gassen. Mögliche zusätzliche Vergütungen von 600 Millionen Euro im Jahr für die Ärzte klängen toll. „Aber wenn man es auf die einzelne Praxis herunterbricht, reden wir über 4.000 Euro brutto mehr Umsatz im Jahr. Dafür die Praxisstruktur ändern zu müssen und möglicherweise eine zusätzliche Arzthelferin einzustellen, die das organisiert, da sagen viele: Das ist eine Unverschämtheit.“

Viele Hausärzte und HNO-Ärzte hätten auch schon offene Sprechstunden, sagte der KBV-Chef. „Es ist ja nicht üblich, dass Patienten sagen, in vier Wochen kriege ich eine Grippe, ich melde mich schon mal an.“ Jetzt par ordre du mufti fünf offene Stunden vorzugeben, sei nicht zielführend. „Die Stunde hat 60 Minuten – ob ich die mit offenen Sprechstunden oder bestellten Terminen zubringe, davon kriegt sie ja nicht 70 Minuten. Es entsteht nicht mehr Arztzeit, wenn man Praxisabläufe mit mehr offenen Sprechstunden chaotisiert.“

Der Kassenärzte-Chef mahnte: „Es ist realitätsfern, die Illusion zu erwecken, wenn die Ärzte nur wollten oder mehr arbeiteten, könnte jeder gesetzlich Versicherte zu jeder Tages- und Nachtzeit in jeder Fachgruppe einen Termin bekommen. Das wird mit keiner gesetzlichen Regelung dieser Welt darzustellen sein. Dafür haben wir schlicht und ergreifend viel zu wenig Ärzte.“

Die gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rungen (GKV) unterstützen erneut die Pläne zu mehr Sprechzeiten. Das Vorhaben der Politik, hier eine neue Mindestgrenze einzuziehen, könne man nur begrüßen, sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbands, Florian Lanz. Er verwies darauf, dass laut einer Umfrage im Verbandsauftrag jede vierte klassische Praxis weniger als 25 Sprechstunden inklusive Hausbesuche anbietet.

Kassenärzte-Chef Gassen betonte, es bekomme „nahezu jeder“ den Termin, den er brauche. Viele Termine würden sogar ohne ärztliche Steuerung vergeben. „Es gibt auch Ecken in der Republik, wo das vielleicht nicht so hundertprozentig klappt.“ Die Versorgung sei aber auch verglichen mit anderen Ländern hervorragend, zumal es eigentlich keine Zugangsschranken gebe. Man könne als gesetzlich Versicherter zu jedem Arzt seiner Wahl, „ob Hausarzt, Facharzt oder Superspezialist“, gehen und werde behandelt. Möglicherweise gebe es Wartezeiten im Mittel unter drei bis fünf Tagen, selten einmal von drei Wochen.

Gassen sagte auch mit Blick auf einen vorgesehenen Austausch mit Spahn bei einer KBV-Veranstaltung am 18. Januar: „Wir haben Hoffnung, dass mit einigen Änderungen noch etwas Vernünftiges mit dem Gesetz erreicht werden kann.“ Es enthalte auch eine Vielzahl begrüßenswerter Punkte wie den Ausbau der Telefonserviceangebote.

Zurückhaltend äußerte sich Gassen zu Reformplänen Spahns für eine Entlastung überfüllter Rettungsstellen in vielen Krankenhäusern. Wenn die Länder festlegten, welche Kliniken gemeinsame „Notfallzentren“ von niedergelassenen Ärzten und Klinikärzten haben sollen, dürfe es zu keinem „Wünsch-dir-was-Szenario“ kommen. Die Hoheit der ambulanten Notfallversorgung müsse in Händen der niedergelassenen Ärzte bleiben. © dpa/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 5. Januar 2019, 12:58

"Golfplatz" oder "Sozialverträgliches Frühableben"?

Der Vize-Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands Bund und gelernte Betriebswirt (Uni Köln), Freiherr Johann-Magnus von Stackelberg, gab der Deutschen Presse-Agentur ein Interview: So weit, so gut. Aber auch ein Fraktionsvize der SPD-Bundestagsfraktion namens Prof. Dr. Karl Lauterbach schaltet sich ein: Er will Vertrags-Ärzte und -Psychotherapeuten zu oft auf Golfplätzen gesichtet haben.

Aber ist das beim Vize-Vorstandsvorsitzenden des GKV-Spitzenverbands Bund (SpiBu) der Gesetzlichen Krankenkassen und gelernten Betriebswirt (Uni Köln), Freiherr Johann-Magnus von Stackelberg, jetzt eine private Meinungsäußerung außerhalb seiner vertraglichen Dienstzeit, die sowieso in etwa 5 Monaten mit der Pensionierung enden wird? Und ist ihm wenigstens bewusst, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gesetzlichen Krankenkassen als Sozialversicherungs-Fachangestellte (SOFA's) eine tariflich vereinbarte 39-Stunden-5-Tage-Woche genießen.

Und sollen die Forderungen nach grenzenloser Mehrarbeit der freiberuflich tätigen ca. 172.000 Vertragsärzte und -Vertragspsychotherapeuten zur Sicherstellung der ambulanten ärztlichen/psychotherapeutischen Versorgung etwa deren "Sozialverträgliches Frühableben" befördern, damit die GKV Mittel, Material und Menschen "einsparen" kann?

Bei 35 offiziellen Wochensprechstunden-Zeiten plus deren Vor- und Nachlauf inklusive einer Sprechstunde Donnerstags von 11 bis 20 Uhr seit Praxisgründung als Haus- und Familienarzt bzw. Facharzt für Allgemeinmedizin 1992 in der Dortmunder City liegen meine wöchentlichen Gesamt-Arbeitszeiten schon immer bei deutlich über 50 Stunden pro Woche. Die Mittwochs-Hausbesuchs-Tour bei vorheriger Terminsprechstunde und Akutversorgung von 7.30 bis 12.00 geht wie letztens oft bis 15/16 Uhr und fließt in diese Berechnungen nicht mit ein, weil es auch mal ruhigere Tage gibt.

Und dann, mit Verlaub, kommt auch noch ein alternder, studierter Betriebswirtschaftler her, um mir meine Betriebsorganisation, in der selbstverständlich Privat- und Kassenpatienten gleich behandelt werden, umzukrempeln? Vielleicht noch mit Extra-Eingang, Extra-Wartezimmer und Extra-Zeiten? Wieviel weitere Privilegien hätten's denn gern, Herr von Stackelberg?

Ganz ehrlich, Sie können doch froh sein, dass wir diese ganze Kärrnerarbeit überhaupt noch machen und Ihnen nicht alles vor die Füße werfen. Stattdessen konfabulieren Sie: "Krankheiten richteten sich nicht nach Lieblingsöffnungszeiten", offensichtlich ohne über den geregelten ambulanten vertragsärztlichen Notdienst (ZND) an 365 Tagen im Jahr informiert zu sein? Und kommen Sie mir da bloß nicht mit Trennung von Kasse und Privat im ZND. Das hätte uns gerade noch gefehlt!

Der Gipfel ist dann, "Lauterbach kartet nach - Ärzte zu oft auf dem Golfplatz"
https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/978787/lauterbach-kartet-nach-aerzte-oft-golfplatz.html

Mein Gott, Kollege Lauterbach, müssen Sie denn in jedem Fettnäpfchen herumtrampeln. Ob Sie nun fu..-trockene Studien lesen, die Sie eh' nicht verstehen und praktisch anwenden können, weil Ihre Approbation als Arzt bis 2010 ruhen musste, und Sie bis zum damaligen Zeitpunkt gar keine Privatrezepte ausstellen konnten: Privat in Talkshows herumschwadronieren, Bio-Körner mahlen, salzlose vegetarische Speisen zubereiten und niedergelassene Vertragsärzte bzw. -Psychotherapeuten "dissen", anderen Menschen Ihr angeblich vorbildliches gesundheitsbewusstes Verhalten aufdrängen, das können und dürfen Sie als persönliches Hobby gerne betreiben.

Aber hören Sie auf, professionell agierenden niedergelassenen Vertragsärzten und -Kollegen als Haus-, Familien- und Fachärzten bzw. psychologischen Psychotherapeuten vorzuschreiben, wie sie ihre "Work-Life-Balance" erhalten und bei einer 50-Stunden-Woche ihre Freizeit gestalten wollen.

Ich persönlich hasse vielleicht den VW-Golf-Diesel, aber doch nicht den Golf-Sport. Für mich persönlich ist seit 1994 Skifahren das Größte an Entspannung, Rekreation und Herausforderung: In einer Gruppe über 50 Km fahren, einige tausend Höhenmeter überwinden und die unendliche Weite der winterlichen Gebirgslandschaften zu genießen. Aber das ist natürlich nichts für Spaßbremsen, die ihre eigenen Kolleginnen und Kollegen diffamieren, denunzieren, bloßstellen, ausgrenzen und schikanieren wollen.

In welcher Partei sind Sie eigentlich, Kollege Lauterbach? Ach in der SPD als Fraktions-Vize sind Sie tätig? Dann muss ich ja noch auf meine alten Tage auswandern, wenn Sie auch noch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter werden wollten?

Unterdessen schlage ich vor, dass alle KollegInnen und ich Ihnen, Herr von Stackelberg, bzw. Ihnen, Herr Kollege Prof. Dr. Karl Lauterbach, persönliche Fotos unserer Praxisschilder per E-Mail schicken an:
kontakt@gkv-spitzenverband.de
und
karl.lauterbach@bundestag.de

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler
Vgl. http://news.doccheck.com/de/blog/post/10489-golfplatz-oder-sozialvertraegliches-fruehableben/
LNS

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