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Medizin

Lassafieber: Genomsequenzierung kann vor Ort Gefahrenlage schneller beurteilen

Freitag, 4. Januar 2019

Lassaviren /dpa

Hamburg – Forschern des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin ist es mit einem neuen miniaturisierten Gerät zur „Echtzeit-Sequenzierung“ gelungen, die Ursache für den Anstieg der Lassaerkrankungen in Nigeria zu klären. Verantwortlich ist laut dem Bericht in Science (2019; doi: 10.1126/science.aau9343) nicht, wie anfangs befürchtet, die Ausbreitung eines neuen hochvirulenten Stammes. Es kam jedoch zu einem Anstieg von zoonotischen Infektionen in ärmeren Teilen der Bevölkerung.

Das Lassavirus, das erstmals im Jahr 1969 in der gleichnamigen Stadt im Nordosten Nigerias entdeckt wurde, löst in dem westafrikanischen Land jedes Jahr erneut eine Epidemie aus. Im letzten Frühjahr kam es zu einem deutlichen Anstieg der Erkrankungszahlen. Zunächst wurde befürchtet, dass das Virus, das zur Gruppe der Arenaviren zählt, durch Mutationen seine Virulenz oder Pathogenität erhöht haben könnte. Drohte dem Land eine Epidemie vergleichbar dem Ebolaausbruch, der wenige Jahre zuvor in Guinea, Liberia und Sierra Leone zu mehr als 11.000 Todesfällen geführt hatte?

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Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, das seit Jahren eine Forschungsstation in der Endemieregion betreibt, konnte innerhalb von 10 Tagen eine Pilotstudie organisieren, bei der ein neuer Sequenzier-Automat zum Einsatz kam. Mit dem nur 100 Gramm leichten Gerät, das über einen Laptop mit Strom versorgt werden kann und vor Ort eine Auslesung der Ergebnisse ermöglicht, konnte das Team um Stephan Günther innerhalb von 10 Tagen 7 Genome des Lassavirus sequenzieren.

Bereits am 12. März konnte das Nigeria Centre for Disease Control eine Entwarnung geben. Das Genom des Lassavirus enthielt keine Hinweise auf die Entwicklung einer neuen pandemischen Virusvariante. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Genomen ließen eher vermuten, dass die Viren nicht innerhalb der menschlichen Bevölkerung übertragen wurden. Die Patienten hatten sich vermutlich einzeln durch den Kontakt mit dem Urin oder anderen Ausscheidungen der Vielzitzenmaus (Mastomys natalensis) infiziert. Der Nager bildet das natürliche Reservoir der Lassaviren. In ärmeren Bevölkerungskreisen kommt es über kontaminierte Nahrung oder über virushaltige Staubpartikel immer wieder zu Infektionen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch scheint eher die Ausnahme zu sein.

Die jetzt vorliegenden Abschlussergebnisse bestätigen die ersten Erkenntnisse. Die Forscher haben inzwischen 120 Lassagenome sequenziert. Die Stammbaumanalyse ergab, dass die meisten Erkrankungen vermutlich durch zoologische Infektionen ausgelöst wurden. Die Gefahr einer explosionsartigen Epidemie war damit nicht gegeben. Der miniaturisierte Sequenzierer wurde auch bei anderen Epidemien eingesetzt. Er könnte in Zukunft helfen, die Gefahrenlage rascher abzuschätzen, schreibt Nahid Bhadelia von der Universität Boston in einem begleitenden Perspektiv-Artikel. © rme/aerzteblatt.de

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