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Medizin

Alzheimer: Unterschiede zwischen Afroamerikanern und weißen Menschen entdeckt

Montag, 7. Januar 2019

/Monkey Business, stock.adobe.com

St. Louis – Afroamerikaner könnten doppelt so häufig wie weiße Menschen an Alzheimer erkranken. Ursachen dafür sind nicht bekannt, da in Studien bisher fast ausschließlich weiße Teilnehmer untersucht wurden. Nun haben US-Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis in einer Studie in JAMA Neurology Unterschiede zwischen Afroamerikanern und Weißen auf Ebene eines wichtigen Alzheimer-Biomarkers festgestellt – dem Tau-Protein (2019; doi: 10.1001/jamaneurol.2018.4249).

Für ihre Studie analysierten der Neurologe John Morris und seine Kollegen Daten von 1.215 Personen, darunter 173 (14 %) Afroamerikaner. Ein Drittel der Teilnehmer wies entweder eine sehr milde oder leichte Alzheimer-Demenz auf. Die Analyse der MRI- und PET-Scans ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen Afroamerikanern und Weißen. Deutliche Unterschiede zeigten erst die Proben der Rückenmarksflüssigkeit: Afroamerikaner hatten durchschnittlich niedrigere Tau-Werte (mittlere Gesamtkonzentration an Tau: 293.65 [+/-34.61] versus 443.28 [+/-18.20] pg/ml; phosphoryliertes Tau181: 53,18 [+/-4,91] versus 70,73 [+/-2,46] pg/ml; P < 0,001).

Zwar wurden erhöhte Tau-Werte mit Hirnschäden, Gedächtnisverlust und Verwirrung in Verbindung gebracht. Dennoch schützten die niedrigeren Werte die Afroamerikaner nicht davor. Sie waren ebenso häufig wie weiße Studienteilnehmer kognitiv beein­trächtigt.

„Bei Tau war das Muster bei Afroamerikanern und Weißen das gleiche – je höher Ihr Tau-Niveau, desto wahrscheinlicher waren sie kognitiv beeinträchtigt. Aber die absoluten Tau-Werte waren bei Afroamerikanern konstant niedriger“, erklärt Morris das Ergebnis.

Hochrisikogen APOE entscheidend

Der Unterschied der Tau-Werte war am ausgeprägtesten bei Menschen mit dem Hochrisikogen APOE, bekannt als APOE4. Ältere weiße Studienteilnehmer, die die APOE4-Genvariante trugen, hatten ein 3-fach erhöhtes Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Schon frühere Studien haben gezeigt, dass die Genvariante bei Afroamerikanern schwächer wirkt.

Wir müssen uns mit der Möglichkeit auseinandersetzen, dass sich die Krankheit in verschiedenen Bevölkerungsgruppen auf unterschiedliche Weise entwickelt. John Morris, Washington University School of Medicine in St. Louis

„Es sieht so aus, als würde der Risikofaktor APOE4 bei Afroamerikanern anders funktionieren als bei Weißen“, sagt Morris und weiter: „Wir müssen uns mit der Möglichkeit auseinandersetzen, dass sich die Krankheit in verschiedenen Bevölkerungsgruppen auf unterschiedliche Weise entwickelt.“

Die Ergebnisse legen nahe, dass Tau-Werte zur Alzheimerdiagnose bei Afroamerikanern eventuell weniger aussagekräftig sind als bei der weißen Bevölkerung. Die Folge: Alzheimer könnte bei Afroamerikanern seltener erkannt werden, befürchten die Autoren, da die eher niedrigeren Tau-Werte selten die Diagnoseschwelle erreichen.

Alle Teilnehmer der Studie wurden im Vorfeld mindestens einem Alzheimertest unterzogen: Ein PET-Scan zum Nachweis toxischer ß-Amyloidplaques im Gehirn, ein MRI-Scan, der eine Hirnschädigung/-schrumpfung nachweist, oder eine Nervenwasseruntersuchungen. © gie/aerzteblatt.de

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