NewsMedizinWer negatives Feedback ignoriert, neigt zu Wiederholungsfehlern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Wer negatives Feedback ignoriert, neigt zu Wiederholungsfehlern

Freitag, 4. Januar 2019

Daumen hoch, Daumen runter /zakokor stock.adobe.com
/zakokor stock.adobe.com

Hamburg – Aus Fehlern lernen nicht alle Menschen gleichermaßen gut. Vor allem Schädigungen des rechten Frontal- und Parietalkortex sowie der darunter liegenden Faserverbindungen sorgen dafür, dass Betroffene an alten Zielen festhalten, negatives Feedback wird nicht ausreichend wahrgenommen. Das ergab eine Studie mit mehr als 300 Patienten mit Hirnläsionen, die Forscher vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) in Nature Communications veröffentlicht haben (2019; doi: 10.1038/s41467-018-07912-5).

Im Alltag können Menschen zwischen verschiedenen Rollen und Zielen wechseln. Diese Flexibilität ermöglicht der menschliche Frontalkortex, der für Exekutivfunktionen und kognitive Kontrolle zuständig ist und so die Balance und die Konflikte zwischen unterschiedlichen Zielanforderungen reguliert. Ein Verlust dieser Fähigkeit führt zu Wiederholungsfehlern („perseverative errors“) und ist ein Zeichen für ein rigides Festklammern an vergangenen Zielen.

Anzeige

Eine von Jan Gläscher aus dem Institut für Systemische Neurowissenschaften des UKE geleitete Arbeitsgruppe hat in Kooperation mit US-Forschern vom California Institute of Technology und der University of Iowa Patienten mithilfe des „Wisconsin Card Sorting Test“ untersucht. Dieser neuropsychologische Test offenbart Defizite in der kognitiven Kontrolle und der Verhaltensflexibilität. Dabei müssen die Patienten Karten mit einfachen Symbolen auf verschiedene Stapel sortieren, wobei ihnen das Sortierkriterium (Farbe, Anzahl oder Symbol) nicht bekannt ist. Dieses erlernen sie durch das Feedback nach jedem Durchgang. Nach einer Weile ändert sich unangekündigt das Sortierkriterium, und die Patienten müssen nun flexibel zum anderen Kriterium wechseln. Patienten mit ausgedehnten Frontalhirnläsionen schaffen diesen Wechsel in den Zielkriterien nicht oder nur sehr langsam und begehen Wiederholungsfehler („perseverative errors“).

Mittels mathematischer Modellierung konnten die Forscher nun beschreiben, wie die Informationsverarbeitung im Gehirn dieser Patienten gestört ist. Offenbar wird das negative Feedback bei einem Fehler nicht ausreichend wahrgenommen und ignoriert. Dadurch erkennen die Patienten aber nicht, dass sich die Zielanforderungen (Sortierkriterium) geändert haben – sie sortieren weiter nach dem vergangenen Kriterium und begehen Wiederholungsfehler.

In der Analyse der Läsionskarten der Patienten, die auf den strukturellen MRT-Bildern beruht, zeigte sich: Sowohl die Untergewichtung des negativen Feedbacks als auch die Wiederholungsfehler gingen vor allem mit Schädigungen des rechten Frontal- und Parietalkortex sowie der darunter liegenden Faserverbindungen einher. Diese Erkenntnisse deuten an, dass eine starke Fokussierung auf negatives Feedback und mögliche negative Konsequenzen von Verhalten dazu führen könnten, dass sich diese Patienten im Alltag flexibler auf neue Ziele einstellen können.  © idw/gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
NEWSLETTER