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Ärzteschaft

Hackerangriffe: KV Bayerns fordert Konsequenzen für Digitalisierung der Medizin

Freitag, 4. Januar 2019

/dpa

München – Angesichts der Veröffentlichung von persönlichen Daten Hunderter deutscher Politiker und Prominenter im Internet nach einem Hackerangriff hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Bayerns Konsequenzen gefordert. „Was hier mit den Daten ausgewählter, im Licht der Öffentlichkeit stehender Personen passiert ist, könnte auch mit den intimen Gesundheitsinformationen unserer Patienten geschehen“, schreibt der KV-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Krombholz in einem offenen Brief an Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU). Wer auch immer hinter der aktuellen Veröffentlichung stehe und welche Ziele er damit verfolge, sei zwar noch unklar. „Fest steht jedoch, dass dies für die Politik ein Signal sein muss, sich endlich mit dem Thema Datensicherheit und Datenschutz in angemessener Form auseinanderzusetzen“, so Krombholz.

Der KV-Chef betonte: Die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten stehen Innovationen im Gesundheitswesen aufgeschlossen gegenüber. Weder die Kollegen in den Praxen noch wir in der Selbstverwaltung tätigen Ärzte lehnen Transparenz ab.“

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Krombholz wies darauf hin, dass der Maßstab für die niedergelassenen Hausärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten stets das Wohl der Patienten sei. „Unser Gesund­heits­wesen ist deshalb international so hoch angesehen, weil hier das Vertrauens­verhältnis zwischen Patienten und dem behandelnden Arzt beziehungsweise Psychotherapeuten noch intakt ist“, schreibt er. Der Grund für dieses Vertrauens­verhältnis sei die Freiberuflichkeit als Basis der Therapiefreiheit.

Krombholz appelliert an Spahn, diese zu stärken und nicht durch staatliche Zwangs­maßnahmen weiter zu beschneiden. „Drohungen mit Honorarabzug bei einer angeblich nicht rechtzeitigen Anbindung an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur sind ebenso unange­messen wie die geplante gesetzliche Anhebung der Mindestsprechstundenzeit auf 25 Stunden pro Woche“, so der KV-Vorsitzende. „Im Jahr 2019 ist es Zeit für einen neuen Umgang zwischen den politisch Verantwortlichen und uns im Gesundheitswesen Tätigen“, appellierte Krombholz an den Minister. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Samstag, 5. Januar 2019, 12:21

Vertrauensverhältnis zu den Körperschaften wie & wo?

Darüber steht wohl nichts im offenen Brief, es ist längst "im Eimer". Aber darüber lässt sich in der Vorstandsetage mit Leichtigkeit hinwegsehen und mit solchen Mätzchen wie diesem "offenen Brief" geht man "hausieren".
Avatar #88767
fjmvw
am Samstag, 5. Januar 2019, 11:14

KVB verteidigt Bastille gegen die Ärzteschaft :-D

Was ist die KVB für ein völlig insuffizienter Laden. Jahrelang wird vor einer zentralen Speicherung von Gesundheitsdaten immer wieder gewarnt. Die Ärztefunktionäre, sowohl Kriedel (KBV-Vorstand und Gematik-Vorstand) als auch Bartmann (ehemliger LÄK-Präsident SH und Telematik-Beauftragter der BÄK), halten trotzdem völlig unbeirrt an ihren Visionen fest. Alle Gesundheitsdaten zentral speichern, alle Ärzte sollen bei Bedarf darauf zugreifen können. Das ist ein datensicherheitstechnisches Risiko, das niemand jemals beherrschen kann.

In anderen Ländern wurden schon digitale Gesundheitsdaten „en gros“ geklaut (beispielsweise in Norwegen wohl von einem Drittel der Bevölkerung – im letzten Jahr oder in USA von 10% der Bevölkerung – im letzten Jahr). Dass Nachrichtendienste alles mithören und mitlesen was sie in die Hände bekommen und sich amazon, google und Co nach Kräften darum bemühen, neben sonstigen auch Gesundheitsdaten der Nutzer zu bekommen und diese zu vermarkten, machte auf Ärztefunktionäre genauso wenig Eindruck wie die Datenlecks im Ausland.

Die enormen Sicherheitslücken von Vivy, die unmittelbar nach Veröffentlichung der App bekannt wurden, haben die Ärztefunktionäre nicht zum Umdenken veranlasst. Auch dass auf dem 35C3, dem Kongress der IT-Sicherheitsexperten Ende Dezember 2018, ein Experte erst eklatante Sicherheitsmängel bei allen untersuchten Apps aufgezeigt hat und in seinem Vortrag darauf hingewiesen hat, dass es NICHT EINE heute verfügbare Art von Datenspeicherung gibt, die NICHT in den nächsten 20 Jahren gehackt werden kann, hat die Ärztefunktionäre nicht beeindruckt. Was kümmert es Ärztefunktionäre, dass IT-Sicherheitsexperten über die Unbekümmertheit der Ärzteschaft in Sachen IT völlig verzweifeln?

Dann kam es zu der Veröffentlichung von Daten unterschiedlichster Provenienz von Politikern und Prominenten. Das wiederum hat zumindest bei Politikern dazu geführt, über den Schutz von persönlichen Daten nachzudenken. Aber primär nur, weil es die Politiker selbst mit IHREN Daten getroffen hat. Jetzt ist das Geschrei bei den Politikern groß, SIE fühlen sich in IHRER Privatsphäre verletzt.
Was würden die Politiker erst sagen, wenn Ihre Gesundheitsakten im Netz öffentlich gemacht würden? Alkoholabusus, Drogenabhängigkeit, Depressionen, Krebserkrankungen, Syphilis, Viagra, Beta-Blocker, Schwangerschaftsabbruch, ……. Vermutlich würden sich die Politiker noch viel stärker aufmanteln als heute. Und am Ende die Ärzte dafür verantwortlich machen, weil es doch die Ärzte waren, die diese Daten erst digital verfügbar gemacht und gespeichert haben. Also wird man die Ärzte haftbar machen.

Ärzte(funktionäre) sind in Sachen Arztgeheimnis Pharisäer ohne Gleichen. Will der Gesetzgeber das Arzt-Patienten-Geheimnis aufweichen, melden sie sich noch wenigstens pro forma. Sollen die Gesundheitsdaten dagegen zentral digital gespeichert werden, haben sie keine Einwände (Kriedel, Bartmann und Co.). Beim KBV-Chef reicht es gerade mal zur „Hoffnung“, dass der Gesetzgeber sein Vorhaben noch einmal überdenken mag. Und bei der KVB? Bei der KVB fordert deren Vorsitzender „dass dies für die Politik ein Signal sein muss, sich endlich mit dem Thema Datensicherheit und Datenschutz in angemessener Form auseinanderzusetzen“.

In „angemessener Form auseinandersetzen“ – eine solche Aufforderung ist an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten. Hier geht es um den Schutz von Patientendaten – aus Sicht der Betroffenen. Hier geht es um die Einhaltung der DSGVO – aus Sicht der Ärzte, die bei Verstößen gegen die Datenschutzbestimmungen mit drakonischen Strafen rechnen müssen. Und dann dieses hilflose Gestammel eines KV-Vorstandsvorsitzenden, der für über 15.000 Ärzte sprechen soll.

Es gibt nur eine echte Abhilfe, wenn man Patientendaten schützen und Verstöße gegen den Datenschutz ausschließen will: Keine zentrale Speicherung von Gesundheitsdaten! Das bedeutet, keinen Anschluss der Praxis-EDV an die Telematik-Infrastruktur. Das, und nur das, kann davor schützen, dass zentral gespeicherte Daten gehackt werden können.

Natürlich kann eine KV als eine KdÖR, und somit Teil der Exekutive unseres Staates, nicht dazu aufrufen, gegen geltende Gesetze zu verstoßen. Aber eine KV kann den Ärzten in alle Deutlichkeit sagen, welche Risiken mit dem Anschluss an die TI verbunden sind. Wenn nicht jetzt, wann dann? Statt das zu tun, gibt die KVB eine Protokollnotiz heraus.

Organversagen!
Avatar #110206
kairoprax
am Samstag, 5. Januar 2019, 09:40

Man kann nur sagen: Danke an die Hacker!

1981 wurde der Chaos-Computer-Club gegründet. Und er hat seinen Namen zu Recht behalten! Chaos ist das, was im Internet herrscht. Chaos und bewußte Täuschung.
Server mit Strandorten in Ländern mit fragwürdigen Sicherheitsstandards, werden als "Cloud" bezeichnet, "Wolke", weil wir wohl als gute Christen davon ausgehen, "Alles Gute käme von Oben".
Kein einziger Server steht in den Wolken!
Keine einzige Zeile, die irgendwo im Internet steht, ist sicher.
Selbst heute (angeblich) nicht knackbare Daten werden in naher Zukunft durch noch leistungsfähigere Rechner und noch klügere Programme knackbar sein.
Und die Daten, die wir heute als belanglos und unwichtig erachten, werden in den "Clouds" hängen bleiben und an Bedeutung gewinnen.
Trotzdem, als sei das alles nicht wahr oder wichtig, versuchen uns interessierte Kreise, namentlich die Krabnkenkassen, namentlich die IT-Industrie, namentlich die Regierung und wohl auch der Verfassungsschutz davon zu überzeugen, zu überreden, wir würden im letzten Jahrhundert oder in der Technlologiesteinzeit leben, wenn wir unsere bewährten Datensicherungsmaßnahmen (Patientendatren auf Papier und eingeschlossen in Aktenschränken, Datenaustausch über die Gelbe Post oder allenfalls über Fax) unsicherer als der IT-Schwindel.
Der Angriff jetzt trifft die Richtigen. Es wäre gut, wenn man weiterhin Dossiewrs über Jens Spahn und Co. bekäme, Photos aus dem privatissimen Bereich, Handy-Mitschnitte und vielleicht auch mal medizinische Daten ... so lange, bis diese Meinungsbildners sich eine andere Meinung bilden zu dem, was sie als "Zukunft" und als "sicher" bezeichnen.
Eine Panne ist dder Hackerangriff keineswegs. Eher schon ein verspätetes Weihnachtsgeschenk.
Und dann machen uns die IT-Verkäufer, die gematik, die Krankenkassen und der Verfassungsschutz weis, unsere Daten im E-Health seinen sicher!

Avatar #110206
kairoprax
am Samstag, 5. Januar 2019, 09:40

Man kann nur sagen: Danke an die Hacker!

1981 wurde der Chaos-Computer-Club gegründet. Und er hat seinen Namen zu Recht behalten! Chaos ist das, was im Internet herrscht. Chaos und bewußte Täuschung.
Server mit Strandorten in Ländern mit fragwürdigen Sicherheitsstandards, werden als "Cloud" bezeichnet, "Wolke", weil wir wohl als gute Christen davon ausgehen, "Alles Gute käme von Oben".
Kein einziger Server steht in den Wolken!
Und dann machen uns die IT-Verkäufer, die gematik, die Krankenkassen und der Verfassungsschutz weis, unsere Daten im E-Health seinen sicher!
Keine einzige Zeile, die irgendwo im Internet steht, ist sicher.
Selbst heute (angeblich) nicht knackbare Daten werden in naher Zukunft durch noch leistungsfähigere Rechner und noch klügere Programme knackbar sein.
Und die Daten, die wir heute als belanglos und unwichtig erachten, werden in den "Clouds" hängen bleiben und an Bedeutung gewinnen.
Trotzdem, als sei das alles nicht wahr oder wichtig, versuchen uns interessierte Kreise, namentlich die Krabnkenkassen, namentlich die IT-Industrie, namentlich die Regierung und wohl auch der Verfassungsschutz davon zu überzeugen, zu überreden, wir würden im letzten Jahrhundert oder in der Technlologiesteinzeit leben, wenn wir unsere bewährten Datensicherungsmaßnahmen (Patientendatren auf Papier und eingeschlossen in Aktenschränken, Datenaustausch über die Gelbe Post oder allenfalls über Fax) unsicherer als der IT-Schwindel.
Der Angriff jetzt trifft die Richtigen. Es wäre gut, wenn man weiterhin Dossiewrs über Jens Spahn und Co. bekäme, Photos aus dem privatissimen Bereich, Handy-Mitschnitte und vielleicht auch mal medizinische Daten ... so lange, bis diese Meinungsbildners sich eine andere Meinung bilden zu dem, was sie als "Zukunft" und als "sicher" bezeichnen.
Eine Panne ist dder Hackerangriff keineswegs. Eher schon ein verspätetes Weihnachtsgeschenk.


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