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Politik

Ministerium legt neuen Entwurf für Ausbildung von Psychotherapeuten vor

Freitag, 4. Januar 2019

/Chinnapong, stockadobecom

Berlin – Neuer Anlauf bei der Ausbildungsreform für Psychotherapeuten: Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) hat am Donnerstagabend den lang erwarteten Referentenentwurf für ein Gesetz zur Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung vorgelegt. Laut dem Gesetzestext und den entsprechenden Anhängen, die dem Deutschen Ärzteblatt vorliegen, soll damit die kontroverse Diskussion der vergangenen Monate beendet werden. So hatte beispielsweise der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt vergangenes Jahr die BMG-Pläne klar abgelehnt. Einige ärztliche aber auch psychotherapeutische Verbände hatten das BMG aufgefordert, den Entwurf ganz zurückzuziehen.

Laut dem neuen Ausbildungsentwurf soll es künftig einen dreijährigen Bachelor- sowie zweijährigen Masterstudiengang geben. Nach dem Masterstudium und der Approbation soll eine Weiterbildung folgen. „Unter Abwägung aller Vor- und Nachteile soll eine Approbation nach einem wissenschaftlichen Hochschulstudium auf Masterniveau mit einer sich anschließenden Weiterbildung“ vergeben werden, heißt es. Dies sei „am besten geeignet, um auf Dauer eine moderne und zukunftsfähige Psychotherapeuten­ausbildung zu gewährleisten“, schreibt das BMG in dem Entwurf. Damit soll auch der Kritik an der finanziellen Situation für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in der Weiterbildung begegnet werden, da sie „zukünftig im Rahmen eines Angestellten­verhältnisses mit einer entsprechenden Vergütung tätig werden, wenn sie ihre stationäre Weiterbildung absolvieren.“ Das bisher übliche Arbeitsverhältnis als „Praktikant“ nach erfolgreicher Approbation wird damit abgeschafft. Künftig hieße diese Phase „Psychotherapeut in Weiterbildung" (PiW).

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Zu Beginn des Studium soll keine Entscheidung nötig sein, ob später in der Erwachsenen- oder Kinder- und Jugendpsychotherapie gearbeitet werden soll. „Diese Entscheidung haben sie vielmehr erst in der sich anschließenden Weiterbildung zu treffen“, so der Entwurf. Die Ausbildungsinhalte sollen entsprechend angepasst werden. Das heißt aber auch: „Mit der Neuregelung werden die bisherigen zwei Berufe in der Psychotherapie, der Beruf der Psychologischen Psychotherapeutin und des Psychologischen Psychotherapeuten sowie der Beruf der Kinder- und Jugendlichen­psychotherapeutin und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, zu einem Beruf und einem gemeinsamen Berufsbild zusammengeführt.“ Ärztinnen und Ärzte, die neben ihrer allgemeinen Heilkundekompetenz die heilkundliche Psychotherapie ausüben, dürfen weiterhin in Ergänzung oder neben ihrer eigentlichen Berufs­bezeichnung die Bezeichnung „Psychotherapeutin oder Psychotherapeut“ führen.

Eine weitere neue Regelung: „Anders als bisher regelt dieses Gesetz die Erstausbildung zum Beruf in Form eines Studiums der Psychotherapie. Neben weiteren Bezugswissen­schaften wird dieses Studium in weitem Umfang auch Elemente des bisherigen Psychologiestudiums enthalten“, heißt es in diesem Entwurf. „Es wird sich von diesem jedoch in deutlichem Umfang auch unterscheiden, weil es frühzeitig die Kenntnisse zu erwerben und Kompetenzen zu entwickeln gilt, die für die heilkundliche Versorgung von Menschen mit psychischen Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psycho­therapie indiziert ist, erforderlich sind.“

Auch auf die Kritik von ärztlichen Verbänden, die einen neuen psychotherapeutischen Arztberuf in der vorrausgegangenen Debatte fürchteten, reagiert das BMG in der Kommentierung des Gesetzes. So soll trotz der neuen Inhalte im Studium „sich die Aufgabenstellung der nichtärztlichen Psychotherapie im System der Heilberufe als solche nicht“ ändern. Und weiter heißt es in der Gesetzesbegründung: „Denn die Neuordnung der psychotherapeutischen Ausbildung zielt nicht auf einen neuen psychotherapeutischen Arztberuf ab. Vielmehr greift sie nur das Aufgabenspektrum ab, das heute schon gelebte Praxis in der psychotherapeutischen Versorgung ist, und entwickelt diese in dem Umfang weiter, wie es die heilkundliche Psychotherapie erfordert.“

Entsprechende Details zur Ausbildung wurden ebenfalls mit dem Entwurf der Ausbildungsverordnung an die Verbände zur Stellungnahme geschickt. Diese können bis zum 30. Januar ihre Einschätzung dem BMG gegenüber mitteilen. Das Studium der Psychotherapie könnte nach Vorstellungen des Ministeriums erstmals im Jahr 2020 angeboten werden. Das Gesetz ist im Bundesrat zustimmungspflichtig und könnte nach Plänen des BMG bis Mitte 2019 verabschiedet werden. © bee/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 6. Januar 2019, 22:23

Das ist doch so

als würde jemand "Chirurgie" oder "Urologie" studieren und mit dem Staatsexamen den Facharzttitel erhalten... kann Herr Spahn überhaupt in solchen Dimensionen denken?
Für Psychotherapeuten gilt der Facharztstatus - der Titel steht also am Ende einer Fachausbildung NACH einem Studium der Medizin oder Psychologie.
Der skandalöse Umgang mit den "Psychotherapeuten in Ausbildung" läßt sich nicht dadurch heilen, dass man Heere von Schmalspurtherapeuten an den Universitäten fabriziert - da kann man ja gleich den unsäglichen "Heilpraktikern für Psychotherapie" eine Kassenzulassung geben!
Avatar #747495
JohnR
am Freitag, 4. Januar 2019, 20:12

Die Erfolgsquote für Patienten wird sich trotzdem nicht verbessern !

Studium ist nicht alles ! Die Praxis zählt, und die muss dem Patienten nützen. Ich habe oft mit Menschen
zu tun, die psychisch krank sind. Sie sagen, wenn sie in der Psychotherapie sind, hilft es ihnen. Aber sobald sie wieder zuhause sind, fangen die psychotischen Zustände wieder an. Die Therapie sollte es
erreichen, aus diesem Teufelskreis herauszukommen, aber ich bezweifle, dass dieses Studium geeignet
ist, die Praxis zu verbessern und den Patienten effektiv zu helfen.
LNS

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