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Politik

Finanzielle Nöte aufgrund von Gesundheitsausgaben in Deutschland seltener

Montag, 7. Januar 2019

/Stockfotos-MG, stock.adobe.com

Berlin – Die Bürger in Deutschland geraten aufgrund von Gesundheitsausgaben nur selten in wirtschaftliche Notsituationen. „Der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist für gesetzlich Krankenversicherte weitgehend vom Einkommen der Haushalte getrennt und die wenigsten Haushalte haben wegen Gesundheitsausgaben finanzielle Engpässe“, berichten Wissenschaftler um Martin Siegel und Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin in einer entsprechenden Studie.

Sie ist Teil des Reports des europäischen Regionalbüros der Weltgesundheitsor­ganisation (WHO), der in 25 europäischen Ländern, inklusive Kirgisistan, der Ukraine und der Türkei, untersucht hat, mit welchen finanziellen Belastungen es verbunden ist, wenn sich die Menschen in den jeweiligen Ländern medizinisch versorgen lassen. 

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Die Berliner Wissenschaftler nutzten die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamtes: Alle fünf Jahre werden circa 40.000 Haushalte zu ihrer finanziellen Situation befragt. Diese führen dann für drei Monate ein Tagebuch über ihre Einnahmen und Ausgaben.

Eine vollständige Entwarnung wollen die Wissenschaftler trotz ihres positiven Fazits aber nicht geben: „2,4 Prozent der befragten Haushalte gerieten 2013 durch Gesund­heits­ausgaben in finanzielle Schieflagen. Und hinter den 2,4 Prozent verbergen sich immerhin 1,6 Millionen Menschen“, sagte Siegel. Diese 1,6 Millionen Menschen geben jeweils zwei Fünftel ihrer Zahlungsfähigkeit für ihre medizinische Versorgung aus. Zahlungsfähigkeit ist der Anteil des Einkommens, der nicht für die Deckung von Grundbedürfnissen verwendet wird. Gesundheitsökonomen sprechen in diesem Zusammenhang von „katastrophalen Gesundheitsausgaben“.

Untersucht wurden die Jahre 2003, 2008 und 2013. Siegel und Busse stellten fest: Waren 2003 1,8 Prozent der befragten Haushalte in Deutschland von katastrophalen Gesundheitsausgaben betroffen, lag der Prozentsatz im Jahr 2008 bei 3,2 Prozent. Zwischen 2008 und 2013 verringerte sich der Prozentsatz der von katastrophalen Gesundheitsausgaben betroffenen Haushalte wieder auf 2,4 Prozent. „In diesem Fall müsste analysiert werden, ob zwischen dem Wegfall der Praxisgebühr und der Verringerung der Anzahl der Haushalte, die übergebührlich viel von ihrer Zahlungsfähigkeit für medizinische Versorgung ausgeben müssen, ein direkter Zusammenhang besteht. Vermuten ließe es sich“, sagte Siegel.

Die wichtigste Schlussfolgerung aus der Untersuchung ist für die Wissenschaftler, dass die bürokratischen Hürden, um von der Zuzahlung zur Gesundheitsversorgung befreit zu werden, abgebaut werden sollten. Das Prozedere, das den Betroffenen abverlangt werde, sei für diese oft nicht zu bewältigen. Für eine Zuzahlungsbefreiung müssen Betroffene bisher selbst nachweisen, dass ihre Ausgaben die Grenze von zwei Prozent des Bruttohaushaltseinkommens (ein Prozent für chronisch Kranke) übersteigen. „Mit den Daten, die die Krankenkassen erheben, sollte es eigentlich möglich sein, dass die Krankenkassen die Befreiung von sich aus gewähren, ohne dass Betroffene einen aufwendigen Antrag stellen müssen“, so Siegel. 

Gegenstand der Studie waren die unmittelbaren Belastungen der Haushalte durch Gesundheitsausgaben, nicht aber indirekte wirtschaftliche Folgen – etwa, weil eine junge Familie aufgrund einer Krebserkrankung und einer daraus resultierenden Arbeitsunfähigkeit die Raten für einen Hauskauf nicht mehr aufbringen kann. © hil/aerzteblatt.de

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