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Ärzteschaft

Wenker will schnellen Ausbau von Studienplätzen in Niedersachsen

Montag, 7. Januar 2019

/dpa

Hannover – Zur Bekämpfung des Ärztemangels fordert Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker mindestens 200 zusätzliche Medizinstudienplätze in Niedersachsen. „Derzeit fangen pro Jahr in Niedersachsen 600 Studierende an, aber es gehen jährlich 1.000 Kollegen in den Ruhestand“, sagte die Kammerchefin. „Wir wissen, dass es jetzt schon knapp ist. Auch der ausländische Markt ist inzwischen leergefegt.“ Seit 1990 sei die Zahl der Medizinstudienplätze von bundesweit 16.000 auf 9.000 gesunken. Inzwischen gebe es in vielen Ländern Bestrebungen, die Studienplätze wieder aufzustocken, sagte Wenker: „Mir dauert das zu lange.“

Die Zahl der Studienanfängerplätze der European Medical School (EMS) in Oldenburg wird zum Wintersemester 2019/2020 von 40 auf 80 verdoppelt. In Niedersachsen studierten 2017/2018 laut Wissenschaftsministerium 4.623 junge Frauen und Männer Medizin.

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Am Campus des Klinikums Braunschweig sollen künftig mindestens 60 Studierende pro Jahr den klinischen Teil ihres Studiums absolvieren. Die ersten zwei Jahre lernen sie an der Universität Göttingen. In dieser Kooperation sieht Wenker ein Modell für das ganze Land. „Ein ähnlicher Campus könnte auch am Klinikum Osnabrück und am Klinikum Region Hannover entstehen, etwa in Kooperation mit der Medizinischen Hochschule Hannover“, sagte die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen.

In Briefen an die niedersächsische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Carola Reimann (SPD) und Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) hat Wenker zudem kürzlich für eine strengere Prüfung der Kenntnisse von Ärzten aus Nicht-EU-Ländern geworben, bevor diese in Deutschland eine Approbation erhalten. Rheinland-Pfalz habe ein Konzept zur Qualitätssteigerung entwickelt, das die Forderung nach einem bundesdeutschen Staatsexamen für ausländische Mediziner aufnimmt, erklärte die Ärztechefin. Sachsen unterstütze diesen Vorstoß.

Die Pläne zur Ausweitung der Sprechzeiten für Kassenpatienten von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) empfindet sie als Affront.

„Ich kenne keinen Arzt, der weniger als 50 bis 60 Stunden in der Woche arbeitet. Das gilt für die Praxis und fürs Krankenhaus. Es gibt auch keinen, der nur 20 Stunden Sprechstundenzeit macht“, sagte Wenker. „Wenn die Praxen am Mittwochnachmittag geschlossen sind, laufen Ärzte nicht auf den Golfplatz, sondern schreiben Abrech­nungen oder füllen Gutachten aus.“ Viel sinnvoller, als politische Vorgaben zu Sprechzeiten zu machen, wäre ein Abbau von Bürokratie, betonte die Kammer­präsidentin. © dpa/aerzteblatt.de

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